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Ölpreis auf Rekordjagd
Höchste Inflation seit 15 Jahren

2007: Welche Länder das meiste Erdöl fördern
2007: Welche Länder das meiste Erdöl fördern FOTO: AFP
Düsseldorf (RP). Steigende Lebensmittel- und Energiekosten haben die Teuerungsrate im Juni auf 3,3 Prozent getrieben. In den nächsten Monaten könnten die Preise noch weiter klettern, befürchten Experten. Von Ulrike Winter

Die Nachricht dürfte die wenigsten Verbraucher überrascht haben: Die Inflation hat in Deutschland ihren höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes kletterten die Verbraucherpreise im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,3 Prozent -­ eine Steigerungsrate, so hoch wie seit Dezember 1993 nicht mehr. In NRW waren die Preise im Vorjahresvergleich um drei Prozent gestiegen. Experten zufolge wird der Druck auf die Preise frühestens Ende des Jahres nachlassen.

Die Rekordjagd des Ölpreises -­ wesentlicher Treiber der Energie- und damit der Lebenshaltungskosten ­- hält vorerst an: Gestern lag er erstmals bei 142,26 Dollar pro Barrel (159 Liter). Der Sprung schlug wie gewohnt an den Preistafeln der Tankstellen durch: Ein Liter Superbenzin kostete Angaben der deutschen Mineralölbranche zufolge gestern durchschnittlich 1,56 Euro, ein Liter Diesel 1,51 Euro.

Weiterer Ölpreisanstieg möglich

Grund für das neue Ölpreis-Hoch waren neben einem schwächelnden Dollar Äußerungen von OPEC-Präsident Chakib Khelil. Er halte einen Ölpreisanstieg auf 150 bis 170 Dollar noch in diesem Sommer für möglich, hatte der Präsident des Ölkartells gesagt. Ende des Jahres könnten die Preise allerdings wieder etwas sinken. Einen Anstieg auf 200 Dollar halte er für unwahrscheinlich.

In der deutschen Wirtschaft stellt man sich auf ähnliche Entwicklungen ein: Außenhandelspräsident Anton Börner sagte: "Wir werden auf einer hohen Basis bleiben, aber ich sehe die 200 Dollar pro Fass nicht.” Langfristig erwartet Börner eher einen Durchschnittspreis von 120 Dollar pro Fass. Bisher hätten die Exporteure den Anstieg des Ölpreises gut abgefedert, sagte Volker Treier, Chefvolkswirt beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag. "Viele ölexportierende Länder verwenden einen Teil ihrer Einnahmen auch dafür, deutsche Produkte nachzufragen.” Etliche Firmen hätten sich zudem über Kurssicherungsgeschäfte, das sogenannte Hedging, für den Preisanstieg gerüstet.

Auch nach Ansicht des Chefs des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Thomas Straubhaar, steckt die deutsche Wirtschaft den Ölpreisanstieg im Vergleich zu anderen Industrieländern relativ gut weg ­ unter anderem, so Straubhaar, "weil wir unsere Energieeffizienz in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert haben.” Nichtsdestotrotz belaste der Ölpreisanstieg die Wirtschaft zusehends. Die Erzeuger müssten die gestiegenen Energiekosten weitergeben, was sich in einer höheren Inflation niederschlagen werde.

Die Bundesbank erwartet erst für Jahresende einen nachlassenden Preisdruck in Deutschland. Für das Gesamtjahr rechnet sie mit einer Teuerungsrate von rund drei Prozent. Die gleiche Prognose gab gestern das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ab. Für die nächsten Monate müssen sich die Verbraucher Experten zufolge sogar auf noch höhere Preissteigerungsraten einstellen als bisher. Commerzbank-Analyst Matthias Rubisch zum Beispiel erwartet im Sommer noch keine Entspannung. "Dann dürften auch die an den Ölpreis gekoppelten Preise für Erdgas und Fernwärme nach oben gehen”, erklärte Rubisch, "die Teuerung dürfte deshalb in den nächsten Monaten weiter auf 3,5 Prozent steigen.”

Quelle: RP
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