Angeschlagener Immobilienfinanzierer: HRE verstieß gegen Richtlinien beim Risikomanagement
zuletzt aktualisiert: 23.05.2009 - 17:25Hamburg (RPO). Das Versagen im Risikomanagement des vor der Verstaatlichung stehenden Staats- und Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) war offenbar wesentlich größer als bisher bekannt. Dies gehe aus einem HRE-Prüfbericht der Bundesbank vom 24. Juni vergangenen Jahres im Auftrag der Bankenaufsicht BaFin hervor, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".
Der Prüfbericht liste 49 Verstöße gegen "das ordnungsgemäße Betreiben der Geschäfte und die Funktionsfähigkeit des Risikomanagements" auf. Davon zwölf in der Kategorie "gewichtige" Beanstandungen. So hätten zahlreiche Organisationsrichtlinien nicht die tatsächlichen Abläufe widergespiegelt.
Die Anforderungen an die rechtzeitige Früherkennung von "Engagements mit erhöhten Risiken" waren dem Blatt zufolge "nicht erfüllt". Der tägliche Liquiditätsreport habe "nicht alle relevanten Zu- und Abflüsse" gezeigt. Ebenso habe es "keine ausreichend zeitnahe Darstellung der tatsächlichen Ertragslage" gegeben.
Deshalb hatte die BaFin nach "Spiegel"-Angaben am 31. Juli 2008 den damaligen HRE-Chef Georg Funke und seine Vorstandskollegen zu einem Gespräch nach Bonn zitiert. Ausweislich des Ergebnisprotokolls wurden den HRE-Managern die "gravierenden Defizite" vorgehalten, die umso schwerer wögen, da die HRE eine "systemrelevante Finanzholdinggruppe" sei. Die Bankenaufseher forderten "ein sofortiges und vollständiges Abstellen der Defizite" und dabei "ein mehr als zeitlich ambitioniertes Vorgehen". Ausweislich des Protokolls räumten die Vorstände die Versäumnisse ein: "Die Vorstände hoben hervor, dass sie das Prüfergebnis sehr ernst nähmen."
Die HRE wird derzeit mit mehr als 100 Milliarden Euro an Hilfen künstlich am Leben gehalten. Nach dem Ende eines Übernahmeangebots hält der Bund derzeit 47 Prozent an der HRE. Ziel des Bundes ist es, die Bank komplett zu übernehmen.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.

