Wirbel um Landesbank in Kiel: HSH-Nordbank-Chef im Kreuzfeuer
VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 13.10.2009 - 21:11Kiel (RP). Dirk Jens Nonnenmacher soll an der Finanzaufsicht Bafin vorbei einen riskanten Milliardendeal abgesegnet haben, der der Bank letztlich mehr als 500 Millionen Euro Belastungen einbrockte. Es geht um hochriskante Papiere, die an eine Zweckgesellschaft verkauft wurden.
Die HSH Nordbank kommt nicht zur Ruhe. Gerade erst haben sich die Wogen der Entrüstung darüber geglättet, dass Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher trotz der zwischenzeitlich desaströsen Lage des Instituts Bonuszahlungen von 2,9 Millionen Euro erhalten sollte, da kommt der nächste Tiefschlag: Nonnenmacher und seine Vorstandskollegen sollen Ende 2007 einen Milliardendeal mit der französischen BNP Paribas abgesegnet haben, der der Kieler Landesbank am Ende mehr als 500 Millionen Euro an Belastungen eintrug.
Das allein wäre eine Fehlentscheidung gewesen. Prekär könnte das Ganze für Nonnenmacher (der damals noch nicht Vorstandschef war) dadurch werden, dass das Geschäft ohne Zustimmung der Finanzaufsicht Bafin durchgewinkt worden sein soll. Das berichtet der NDR.
Deal ohne Zustimmung der Bafin?
Der Sender zitiert aus dem Kreditantrag von Dezember 2007 einen Satz, der fatale Folgen haben könnte: "Es besteht ein gewisses Risiko, dass die Bankenaufsichtsbehörde das Geschäft nicht akzeptieren wird. Die Folgen einer solchen negativen Reaktion der Bafin sind nicht absehbar."
Die Frage, warum die Finanzaufsicht dem HSH-Deal mit den Franzosen einen Riegel vorschieben sollte, ist schnell beantwortet. Die Kieler sollen Risikopapiere an die von der BNP gegründete Zweckgesellschaft "Omega 55" verkauft haben, um selbst Geld in die Kasse zu bekommen. Im Gegenzug mussten sie aber einen Teil der Risiken aus den "Omega"-Papieren wieder selbst übernehmen. Diese Details sollen der Bafin verheimlicht worden sein.
Fraglich ist nun offenbar, ob der HSH-Vorstand den Deal ohne Wissen um die Einzelheiten abgesegnet hat oder ob er über die Risiken voll im Bilde war. Im ersten Fall könnte die Verantwortung vorrangig bei Investmentbankern und Anwälten liegen, die durch das Geschäft Provisionen kassiert haben könnten.
Falls Nonnenmacher und Co. alles wussten, droht Ärger mit der Bafin. Die Finanzaufsicht kann Vorstände sogar abberufen. Die HSH Nordbank ist durch die Finanzkrise schwer in Turbulenzen geraten. Sie musste für 2008 milliardenschwere Wertberichtigungen vornehmen. Im Februar beschlossen die Landesregierungen in Kiel und Hamburg ein Rettungspaket, das eine Kapitalspritze über drei Milliarden Euro und eine Garantie von zehn Milliarden Euro vorsah.
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