Bankenaffäre: HSH Nordbank: Fahnder durchsuchen Büros
zuletzt aktualisiert: 03.11.2010 - 21:32Hamburg (RPO). In der Affäre um die HSH Nordbank hat die Staatsanwaltschaft Hamburg Räume der Sicherheitsberatung Prevent AG durchsuchen lassen. Der Verdacht: Das Unternehmen Prevent haben einem Mitarbeiter der Bank Kinderpornos untergeschoben. Der Druck auf HSH-Chef Nonnenmacher wächst.
"Wir ermitteln wegen des Verdachts der Anstiftung zum sich Verschaffen kinderpornografischer Schriften und falscher Verdächtigungen", sagte der Hamburger Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers am Mittwoch. Es gebe aber derzeit "überhaupt keine Anhaltspunkte, dass die Tat im Auftrag der Bank" geschah.
Nach Angaben der Hamburger Staatsanwaltschaft waren am Mittwoch ab 9.00 Uhr 50 Beamte im Einsatz, darunter vier Staatsanwälte. Insgesamt wurden acht Objekte durchsucht, darunter auch Privatwohnungen bei Beschuldigten, wie Möllers sagte. Die Ermittler stützten sich auf den Bericht einer US-Rechtsanwaltskanzlei.
Ein Sprecher der Sicherheitsberatung sagte der "Financial Times Deutschland", es seien Büroräume in München und Hamburg sowie die Büros der auf IT-Forensik spezialisierten Tochterfirma Validd AG in Mainz durchsucht worden. Laut dem Blatt wurden auch die Räume des Anwaltsbüros Erbe in Potsdam und München von den Ermittlern aufgesucht. Möllers wollte sich dazu und zu Namen von Beschuldigten nicht äußern.
Nonnenmacher gerät unter Druck
Die Sicherheitsfirma Prevent steht wegen ihrer Tätigkeit für die HSH seit Wochen in der Kritik. HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher soll nach Presseberichten mit Unterstützung von Prevent den ehemaligen Vorstand Frank Roth und den ehemaligen Leiter der New Yorker HSH-Filiale, Roland K., mithilfe unsauberer Methoden aus ihren Ämtern gedrängt haben. Prevent und die Bank weisen die Vorwürfe zurück. Prevent ist inzwischen nicht mehr für die Bank tätig.
Bank durch früheren New Yorker Filialleiter belastet
Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" wird die Bank neuerdings auch durch ihren früheren New Yorker Filialleiter Roland K. schwer belastet. K. hatte in der vergangenen Woche bei der Kieler Staatsanwaltschaft und der Bankenaufsichtsbehörde BaFin als Zeuge ausgesagt. Dabei habe er Unterlagen von Ermittlungen in New York gegen Nonnenmacher und weitere Beschuldigte mitgebracht. Die New Yorker Justiz gehe dem Verdacht nach, K. seien Kinderporno-Bilder untergeschoben worden, um ihn auf diese Weise ohne Abfindung aus der Bank hinauswerfen zu können.
In der vergangenen Woche waren die Landesregierungen der HSH-Hauptanteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein erstmals öffentlich von Nonnenmacher abgerückt und hatten das Vertrauen in ihn als "strapaziert" bezeichnet. Hamburgs Finanzsenator Carsten Frigge (CDU) verlangt eine Klärung bis zur nächsten Senatssitzung am kommenden Dienstag.
"Aus meiner Sicht müssen wir bis Dienstag in der Lage sein, uns darüber ein Urteil zu bilden", sagte Frigge dem "Hamburger Abendblatt". Laut "Süddeutscher Zeitung" hat einer der Anteilseigner der HSH Nordbank in der vergangenen Woche bereits erste Gespräche mit potenziellen Nachfolgern geführt. Als heißer Kandidat gelte ein ausländischer Banker, der sich auf die Sanierung angeschlagener Banken verstehe.
Nonnenmacher spricht mit Ministern
Geplant ist ein Gespräch Nonnenmachers mit Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) und Frigge. Nonnenmacher hatte die Vorwürfe am Montag in Kiel vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zurückgewiesen. Der Vorstand hätte dies seinen Angaben zufolge niemals gebilligt oder geduldet. Allerdings hatte der 47-Jährige zuvor in einem Brief eingeräumt, dass Prevent 2009 in mindestens einem Fall einen Ex-Minister, einen Bundestagsabgeordneten und einen kritischen Rechtsanwalt bei einer Diskussionsveranstaltung überwacht hatte.
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