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Krankenkassen Panorama ddp 2009
  Foto: ddp
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Zusatzbeiträge vergraulen Kunden: Hunderttausende wechseln die Krankenkasse

zuletzt aktualisiert: 30.03.2010 - 08:30

Berlin (RPO). Die Einführung von Zusatzbeiträgen in zahlreichen Krankenkassen veranlasst viele Menschen, nach günstigeren Alternativen zu suchen. Medienberichten zufolge haben inzwischen bis zu 485.000 Menschen die Kasse gewechselt. Besonders hart trifft es die Düsseldorfer BKK für Heilberufe: Sie verlor binnen weniger Wochen 50.000 ihrer 170.000 Mitglieder, wie der BKK-Sprecher unserer Redaktion sagte.

Die Zahlen über die neuartige Wechselfreude der Deutschen schwanken zwischen 250.000 bis zu 458.000. Der Trend ist deutlich: Die Patienten sind mit den Zusatzbeiträgen nicht einverstanden. Noch vor deren Einführung wechselte kaum ein Kunde den Anbieter. Das ändert sich nun offenbar fundamental. 

Bild-Online berichtete am Dienstag, bislang hätten knapp 485.000 Menschen die Kasse gewechselt. Mehr als 250.000 Menschen haben nach einem Bericht des Berliner "Tagesspiegel" vom Montag seit Jahresbeginn ihre Krankenkasse gewechselt oder einen Wechsel beantragt, um Zusatzbeiträgen zu entgehen.

Bei einigen Kassen geht es dabei an die Existenz. Die BKK Heilberufe verlor binnen weniger Wochen fast ein Drittel ihrer Mitglieder. Um die Kosten im Griff zu behalten, sprach sie nun 41 ihrer 500 Mitarbeiter die betriebsbedingte Kündigung aus. Vor allem Sozialversicherungsfachangestellte müssen zum 1. Oktober gehen. Die meisten von ihnen haben in der Zentrale in Düsseldorf gearbeitet. Weil die BKK für Heilberufe mit dem Einheitsbeitrag nicht auskam, hatte sie rückwirkend zum 1. Januar 2010 einen Zusatzbeitrag erhoben – und zwar nicht nur acht Euro wie andere, sondern ein Prozent des Bruttolohns. Das sind bis zu 37,50 Euro, die Mitglieder pro Monat zusätzlich überweisen müssen.

Info

Zusatzbeiträge

Zahlreiche Krankenkassen erheben seit Jahresbeginn von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag von acht Euro im Monat, einige auch einen prozentualen Zuschlag. Gesetzliche Krankenkassen dürfen von ihren Versicherten Zusatzbeiträge erheben, wenn sie mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen. Die Zusatzbeiträge müssen von den Versicherten allein getragen werden. Dagegen zahlen in den Gesundheitsfonds auch die Arbeitgeber ein.

Laufen die Kunden den Kassen, die an der Gebührenschraube drehen, davon, so freuen sich andere Anbieter über einen Ansturm neuer Kundschaft. Spitzenreiter in der Gunst der Wechselwilligen sei die Techniker Krankenkasse mit 130. 000 neuen Mitgliedsanträgen, schrieb das Blatt. Laut Bild vom Dienstag bestätigte die Techniker Krankenkasse inzwischen sogar rund 151.000 Neuzugänge.

Der AOK Bundesverband erwarte im ersten Quartal dieses Jahres rund 150.000 Neuzugänge. Die BKK FTE meldete 56.000 Versicherte mehr, die Signal Iduna IKK hat 22.000 Neuversicherte, die "BIG direkt gesund" meldete 6000 Mitglieder Zuwachs.

Die Barmer GEK konnte seit Jahresanfang rund 100.000 neue Mitglieder gewinnen, berichtete der "Tagesspiegel" weiter unter Berufung auf eine eigene Umfrage unter Krankenkassen. 

Krankenkassen beklagten unterdessen die schlechte Zahlungsmoral einiger ihrer Mitglieder. Zwischen September und Dezember vergangenen Jahres sei die Zahl der Vollstreckungsmaßnahmen bei der DAK von 32.000 auf 36.000 gestiegen, hieß es im "Tagesspiegel". Bei der Techniker Krankenkasse hatten demnach 34.000 Mitglieder Rückstände in Höhe von insgesamt 125 Millionen Euro, bei der KKH Allianz seien 15.000 Mitglieder betroffen.

Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands hatten die Kassen im vergangenen Sommer bereits Außenstände von 630 Millionen Euro, weil Mitglieder ihre Beiträge nicht zahlten. Der Spitzenverband forderte den Bund auf, die Rückstände auszugleichen. "Jeder soll krankenversichert sein, aber wenn die Mitglieder nicht zahlen, haben die Kassen kaum Möglichkeiten, an das Geld zu kommen", sagte Verbandssprecherin Ann Marini dem "Tagesspiegel". Das Bundesgesundheitsministerium lehnt eine Kostenübernahme bislang unter Hinweis auf den vom Bund an die Krankenkassen gezahlten Zuschuss ab.

Quelle: AFP/ddp

 
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