Gewerkschaft will mehr Mitarbeiterbeteiligung: IG Metall: Mit Aktien zur Macht
VON ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 02.08.2009 - 21:56Düsseldorf (RP). Ohne die IG Metall geht in der Auto-Industrie nichts mehr. Sie muss helfen, Opel und Schaeffler zu retten. Sie hilft Daimler beim Sparen und Volkswagen bei der Fusion mit Porsche. Dafür will die Gewerkschaft nun auch dauerhaft mehr Einfluss auf die Konzerne haben. Das Zaubermittel, mit dem sie das erreichen will, heißt: Mitarbeiterbeteiligung.
Der Fall Daimler Daimler-Betriebsrats-Chef Erich Klemm forderte vor wenigen Tagen, dass sich die Mitarbeiter stärker an dem Stuttgarter Autobauer beteiligen dürfen. Die Mitarbeiter müssten von ihren Zugeständnissen in der Krise auch Vorteile haben, sagte er. Im April hatten die 140.000 deutschen Daimler-Beschäftigten auf die Auszahlung ihrer Gewinnbeteiligung für das Jahr 2008 von 1900 Euro pro Kopf verzichtet. Dadurch sparte das Unternehmen 280 Millionen.
Nun will Klemm, dass der Konzern Aktien in Höhe dieser gestundeten Zahlungen an die Mitarbeiter ausgibt. Mit gut einem Prozent wären die Mitarbeiter dann an dem Weltkonzern beteiligt.
Der Fall Opel Bei Opel will die Belegschaft bis zu zehn Prozent der Anteile erwerben, die derzeit zu 65 Prozent von der staatlichen Treuhandgesellschaft und zu 35 Prozent von General Motors gehalten wird. Unter anderem durch Lohnverzicht sollen bis 2014 die 1,5 Milliarden Euro aufgebracht werden, die die Belegschaft im Gegenzug für die Beteiligung gibt. Der Betriebsrat treibt die Gründung einer Mitarbeiter AG bereits voran, die die Opel-Anteile halten soll. Allerdings zeigten sich die potenziellen Investoren bislang wenig begeistert davon.
Was Wirtschaftsexperten sagen Auch Ökonomen warnen. "Von der Beteiligung der Arbeitnehmer an ihrem eigenen Unternehmen halte ich nichts. Sie ist viel zu riskant", sagte Rolf Peffekoven, der früherer Wirtschaftsweise, unserer Redaktion. "Geht das Unternehmen pleite, haben die Arbeitnehmer nicht nur ihre Stelle, sondern auch ihr Vermögen verloren."
Die Erfahrung mussten zum Beispiel auch die 80.000 Mitarbeiter der amerikanischen Fluggesellschaft United Airlines machen. Jahrelang wurden ihnen die Lohnerhöhungen in Form von Belegschaftsaktien ausgezahlt. Als die Fluglinie 2002 insolvent wurde, verloren viele von ihnen ihren Arbeitsplatz und ihr Vermögen.
Es sei weniger riskant und effizienter, wenn Arbeitnehmer ihre Ersparnisse auf dem Kapitalmarkt anlegten, der in Deutschland gut funktioniere, meinte Pefffekoven. Warum kämpfen die Gewerkschaften dann trotzdem für die Mitarbeiter-Beteiligung? "Weil sie so ihre eigenen Mitsprachrechte im Unternehmen ausbauen können”, meint der frühere Wirtschaftsweise. "Insoweit missbrauchen sie die Interessen der Arbeitnehmer, um ihre Macht zu festigen."
Was der Betriebsrat sagt Diese Vorwürfe kennt auch Opel-Betriebsrats-Chef Klaus Franz. "Wir wollen den Kapitalismus nicht aus den Angeln heben", versicherte er daher. Die Mitarbeiter würden keinen zusätzlichen Platz im Aufsichtsrat verlangen. Denn genau darüber kann der Ausbau der Macht funktionieren: Normalerweise sitzen sich im Aufsichtsrat eines (paritätisch besetzten) Unternehmens gleich viele Vertreter des Kapitals und der Arbeitnehmer gegenüber, der von der Kapitalseite gestellte Aufsichtsrats-Vorsitzende hat im Streitfall doppeltes Stimmrecht. Stellen die Arbeitnehmer nun selbst einen Vertreter des Kapitals, haben aber sie die Mehrheit.
IG Metall-Bezirksleiter Armin Schild sagte laut "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", das Thema Mitarbeiter-Beteiligung sei "in fast allen großen Unternehmen der Stahl-, Metall- und Elektroindustrie virulent". Doch dabei muss die Gewerkschaft aufpassen, nicht zum Lückenbüßer zu werden. So wollte Maria-Elisabeth Schaeffler jahrelang nichts von Mitbestimmung in ihrem Unternehmen wissen. Erst als dem Autozulieferer das Wasser bis zum Hals stand, ließ sie paritätische Mitbestimmung und Mitarbeiter -Beteiligung zu.
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