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Huber wird neuer Vorsitzender: IG Metall vollzieht Richtungswechsel

VON ALEXANDER VON GERSDORFF - zuletzt aktualisiert: 05.11.2007 - 12:09

Berlin (RP). Mit der Neuwahl ihres Vorstands vollzieht die Industriegewerkschaft Metall ihren Richtungswechsel auch personell. An die Stelle von Jürgen Peters tritt Berthold Huber, oberster Verfechter für mehr Tarifflexibilität. Hubers Ziel: Den Flächentarif erhalten, aber den Mitgliederschwund - zuletzt minus elf Prozent auf 2,3 Millionen - durch betriebsindividuelle und Arbeitsplatz-sichernde Abschlüsse stoppen.

Peters hatte versucht, die Mitglieder vor allem durch Protestaktionen gegen Hartz IV oder die Rente mit 67 zu mobilisieren.

Der 57-jährige Ulmer Huber bringt auch gleich seinen Vize mit. Detlef Wetzel (54) hat die Ideen der „neuen“ IG Metall in Nordrhein-Westfalen schon erfolgreich umgesetzt. Hier wachsen die Mitgliederzahlen gegen den Trend. Bei der Wahl des neuen Duos am Dienstag wird nicht mit Überraschungen gerechnet.

Man müsse „den Globalisierungsfanatikern unsere besseren Werte und Ideen entgegenstellen“, sagte DGB-Chef Michael Sommer gestern Abend zum Auftakt des siebentägigen Gewerkschaftstags der IG Metall in Leipzig. Die Gewerkschaften dürften sich „nicht dem „neoliberalen Zeitgeist anpassen“ - offenbar auch eine Warnung an das neue Führungsduo, nicht zu stark von Konfrontation auf Kooperation mit Regierung und Arbeitgebern umzuschalten. Höhepunkte des Gewerkschaftstags sind die Rede Hubers am Mittwoch und der Gastauftritt von Bundeskanzlerin Merkel am Donnerstag.

Schon seit dem Tarifabschluss von Pforzheim 2004 sei die IG Metall verstärkt auf Kooperationskurs, sagte Gewerkschaftsexperte Hagen Lesch vom Institut der deutschen Wirtschaft unserer Zeitung. Damals wurden erstmals Ausnahmen vom Flächentarif zugelassen. „Die IG Metall hat erkannt, dass ein solcher Kurs kein Teufelszeug ist.“

Der Berliner Gewerkschaftsforscher Hans-Peter Müller erwartet, dass die IG Metall unter Huber „mehr politisches Fingerspitzengefühl entwickelt“. Sie werde gegenüber der Regierung gesprächsfähiger sein, statt wie bisher vergleichsweise erfolglos auf Daueropposition zu setzen. Den Zickzack-Kurs von Gesprächsverweigerung und -wiederaufnahme wie unter Peters werde es nicht mehr geben. Aber, warnt Hagen Lesch: „Machen wir uns nichts vor, die IG Metall wird auch unter Huber eine streikfreudige Gewerkschaft bleiben.“


 
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