Expertenschätzungen: Im Juni nur noch 3,7 Millionen Arbeitslose erwartet
zuletzt aktualisiert: 21.06.2007 - 10:28Nürnberg (RPO). Nach Meinung von Experten ist die Zahl der Arbeitslosen im Juni auf 3,7 Millionen gesunken. Das kräftige Wirtschaftswachstum und die saisonübliche Belebung hätten für mehr Beschäftigung gesorgt. Der Abbau der Arbeitslosigkeit werde sich bis nächstes Jahr fortsetzen. Allerdings herrscht bereits in einigen Branchen Fachkräftemangel.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl von 3,8 Millionen im Mai auf knapp 3,7 Millionen im Juni. Die Unternehmen schafften nicht nur Minijobs, sondern auch neue Vollzeitstellen. Das sei nach dem jahrelangen Stellenabbau kaum mehr für möglich gehalten worden. Hoch qualifizierte Mitarbeiter würden allmählich schon knapp. Krämer erwartet auch im nächsten Jahr noch ein weiteres Sinken der Arbeitslosigkeit. Risiken gebe es am ehesten von Seiten der Politik: "Mindestlöhne sind kontraproduktiv", warnte er.
Auch Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut rechnet im Juni mit 95.000 Arbeitslosen weniger. Neben der Frühjahrsbelebung, die wegen des milden Winters etwas schwächer ausfällt, und der guten Konjunktur trage auch die Bundesagentur für Arbeit mit der Durchforstung der Kartei zum Rückgang der Arbeitslosenzahl bei.
Die BA überprüfe derzeit systematisch, ob Leistungsempfänger für Arbeitsangebote wirklich zur Verfügung stünden. Der Wirtschaftsforscher gab einen positiven Ausblick: "Mit steigender Auslastung der Kapazitäten wird die Arbeitslosigkeit weiter abgebaut." Risiken seien Lohnerhöhungen und Engpässe bei Fachkräften: "Es dauert länger, geeignete Leute zu finden. Nächstes Jahr wird das bremsen", sagte Henzel.
Alexander Koch von der HypoVereinsbank rechnet im Juni mit 80.000 Arbeitslosen weniger. Der Wirtschaftsaufschwung und damit der Stellenaufbau gingen bis ins nächste Jahr weiter, aber langsamer. Weil allmählich Fachkräfte fehlten, könnten die Unternehmen nicht mehr alle Aufträge annehmen, und das bremse auch die Einstellung von Hilfskräften aus. Die größte Gefahr sieht Koch in einem Abbrechen des globalen Konjunkturzyklus. Die Politik dagegen "dürfte nicht viel kaputt machen, das Entsendegesetz dürfte nicht viele Arbeitsplätze bedrohen", sagte er.
Im Mai waren 3,806 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos, das entsprach einer Quote von 9,1 Prozent. Die Zahlen für Juni veröffentlicht die Nürnberger Bundesagentur am kommenden Donnerstag.
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