Interview mit dem Chef der Duisburger Stadtwerke: "Im nächsten Winter drohen Blackouts"
zuletzt aktualisiert: 30.07.2012 - 07:01Düsseldorf (RPO). Hermann Janning, Chef der Duisburger Stadtwerke (SWDU) und des Steag-Aufsichtsrates, spricht im Interview mit unserer Redaktion über den Einbruch des Steag-Gewinns, über das Kohlekraftwerk Walsum 10 und die Energiewende.
2010 hat ein Stadtwerke-Konsortium die Mehrheit am Versorger Steag gekauft. 2011 brach der Steag-Gewinn massiv ein. War der Kauf ein Fehler?
Janning Nein. Die Steag hat 2011 ein deutliches besseres Ergebnis gemacht, als geplant. Der Gewinn-Einbruch ist allein auf den Sondereffekt resultierend aus Problemen beim Kohlekraftwerk Walsum 10 zurückzuführen. Es kann wegen des verbauten minderwertigen Stahls nicht starten und muss umgerüstet werden, was mit einem dreistelligen Millionen-Betrag das Ergebnis belastet.
Obwohl die Steag 2011 unterm Strich nur knapp fünf Millionen Euro verdiente, musste sie 109 Millionen Euro als Dividende ausschütten. Wie können Sie als vorsichtiger Kaufmann das zulassen?
Janning Wir reden doch über den Sondereffekt Walsum 10. Und hier wird sich die Steag das Geld, das sie in Walsum verloren hat, in den nächsten zwei Jahren zurückholen.
Von wem?
Janning Es wird Gespräche mit dem Generalunternehmer Hitachi geben. Und was das Konsortium betrifft: Wir haben aus Walsum 10 resultierende Risiken im Kaufvertrag mit Evonik betrachtet und diese für uns ausgeschlossen. Bei den Konsortialpartnern bleibt also nichts hängen, die vertraglichen Ansprüche werden wir gegenüber Evonik geltend machen.
Gleichwohl, die Steag hat die Dividende aus der Substanz bezahlt...
Janning Es ist in der Energiebranche üblich, Dividendenkontinuität auch über einzelne schlechte Jahre hinweg zu sichern. Als Maßstab gilt doch die Mittelfristplanung. Die Steag wird schon 2012 ein gutes Ergebnis erzielen.
Wann geht Walsum ans Netz?
Janning Nach den derzeitigen Planungen geht Walsum 10 im September 2013 ans Netz.
Kritiker sagen, Stadtwerke von klammen Städten wie Duisburg, Dinslaken oder Oberhausen hätten die Steag nie kaufen dürfen. Sie sehen sich nun bestätigt.
Janning Dazu gibt es doch gar keinen Anlass. Ungeachtet dessen: Nicht klamme Städte haben die Steag gekauft, sondern die Stadtwerke. Das hat uns nach der rot-grünen Reform der Gemeindeordnung der Gesetzgeber auch ausdrücklich erlaubt. Vom Walsum-Problem wird beim Steuerzahler nichts hängen bleiben. Im Übrigen gilt: Wenn Stadtwerke unternehmerisch erfolgreich agieren, entlastet dies den kommunalen Haushalt.
Hat Steag-Chef Joachim Rumstadt die Krise gut gemanagt? Seine letzte Bilanz-Vorstellung gilt als Reinfall ...
Janning Herr Rumstadt macht seine Arbeit gut und hat das uneingeschränkte Vertrauen des Aufsichtsrates.
Wird sein Vertrag verlängert werden?
Janning Das ist noch kein Thema.
Die Stadtwerke müssen Evonik bis 2016 die restlichen 49 Prozent an der Steag abnehmen. Werden diese das allein stemmen oder sich einen Partner suchen?
Janning Wir haben aktuell keinen Handlungsdruck. Auch ist noch offen, ob wir einen Partner mit ins Boot holen. Grundsätzlich ist ein Partner, der Kapital mitbringt, ebenso denkbar wie ein Partner, der über Knowhow etwa im Ausland verfügt. Aber wie gesagt. Es gibt keinen Handlungsdruck und eine entsprechende Entscheidung steht erst in einigen Jahren an. Zum jetzigen Zeitpunk wäre es auch falsch, darüber zu entscheiden.
Haben schon Investoren angeklopft?
Janning Natürlich ist das Interesse da, beispielsweise sowohl von arabischen Investoren als auch von Pensionsfonds der Versicherungen. Wir sind da frei von Ideologien, suchen uns den passenden Partner aus. Und wenn wir den nicht finden, stemmen wir den Kauf allein.
Was ist mit anderen Stadtwerken?
Janning Die Zahl der einzelnen beteiligten Stadtwerke muss überschaubar bleiben. Deswegen kann ich mir allenfalls ein weiteres Stadtwerke-Konsortium vorstellen.
Es geht erneut um eine Investition von 600 Millionen Euro. Woher sollen die Stadtwerke so viel Geld nehmen?
Janning Die Summe können wir, wie die erste Tranche, mit Eigenkapital und Krediten aufbringen. Den Kauf des ersten Pakets haben wir zu 70 Prozent fremdfinanziert. Das ist in der Industrie üblich. Im Übrigen muss man den jeweiligen Anteil eines jeden Konsortialpartners betrachten, und da gilt: Die einzelnen Investitionen sind nicht außergewöhnlich hoch.
Was soll die Steag Ihnen eigentlich unternehmerisch bringen?
Janning Wir haben natürlich entsprechende Ergebniserwartungen. Zudem besitzt die Steag Erzeugungskapazitäten und sichert die Fernwärme-Versorgung im Ruhrgebiet. Durch die Investitionen in Erneuerbare Energien gibt sie Stadtwerken die Chance, von der Energiewende zu profitieren. Allein kann ein Stadtwerk keinen Windpark im großen Stil betreiben.
Die Energiewende stockt. Fürchten Sie Stromausfälle im nächsten Winter?
Janning Im nächsten Winter drohen Blackouts, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Dann fehlt uns konventionelle Kraftwerkskapazität.
Trifft ein möglicher Blackout im energiehungrigen Süden auch NRW?
Janning Die deutschen Stromnetze hängen eng zusammen. Wenn im Süden großflächig der Strom ausfällt, kann es uns auch in NRW treffen.
Wie kann man einen Blackout verhindern?
Janning Kurzfristig lässt sich die Gefahr von Blackouts senken, indem man Anreize schafft, alte Kraftwerke nicht abzuschalten. Dies könnte der Staat mit einer Vorhalte-Prämie fördern.
Noch eine Subvention! Wie lange soll die gezahlt werden?
Janning Bis genug moderne Gas- und Kohlekraftwerke zur Sicherung der Grundlast gebaut sind. Aber ich bin auch kein Freund von Subventionen. Nur gilt es, den ungebremsten Anstieg der erneuerbaren Energien stoppen. Dieser gefährdet die Versorgungssicherheit im Land.
Was muss noch geschehen, damit die Energiewende gelingt?
Janning Die Vorfahrt für Wind- und Sonnenstrom (Einspeisevorrang) muss fallen. Die regenerativen Energieerzeuger müssen auch in den Wettbewerb und damit in den Markt gestellt werden.Und zwar so schnell wie möglich. Dann wird es für Versorger auch wieder attraktiv, in moderne Gas- und Kohlekraftwerke zu investieren.
Antje Höning und Hildegard Chudobba führten das Interview


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