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Wem gehört die Deutschland AG? (Teil 1): Im Schwitzkasten der Fonds

VON MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 18.07.2005 - 09:55

Düsseldorf (RP). Ausländische Investoren sind auf dem Vormarsch auf deutschen Aktienmärkten. Bei etlichen renommierten Großkonzernen haben inzwischen internationale Fonds eine Mehrheit.

Dem frisch gebackenen Siemens-Chef Klaus Kleinfeld gab Düsseldorfs mächtigster Manager Wulf Bernotat einen Tipp unter Kollegen: „Gehen Sie als erstes zu den Investoren in den USA“, riet der Chef des Energiekonzerns Eon. „Die entscheiden letztlich über den Erfolg Ihrer Strategie.“

So deutlich sagen es Deutschlands Top-Manager selten. Doch keiner bestreitet, dass in deutschen Konzernen längst internationale Fonds den Ton angeben. Sie heißen Capital, Fidelity oder Templeton, operieren von den Finanzzentren New York und London aus und haben in fast allen Dax-30-Werten die stärksten Positionen unter den Aktionären.

Mehr noch: Mit ihren Käufen und Verkäufen geben sie für andere Anleger die Richtung vor. „Wir haben ein Anlageinstrument daraus gemacht, für welche Aktien sich die 25 wichtigsten Fonds entscheiden“, sagt Volker Borghoff, der beim Düsseldorfer Bankhaus HSBC Trinkaus&Burkhardt die Aktienstrategie leitet.

Doch nicht nur als Leittiere und Einzeleigentümer sind die internationalen Anleger stark. Der Anteil ausländischer Investoren an deutschen Aktiengesellschaften steigt stetig. Noch vor zehn Jahren besaßen die Ausländer nur acht Prozent der Aktienbestände in Deutschland, inzwischen sind es laut Bundesbank über 17 Prozent.

In den großen Kapitalgesellschaften ist der Einfluss der Ausländer weit bedeutender. So befinden sich mehr als 50 Prozent des Kapitals des Chemieriesen BASF in nichtdeutscher Hand. Auch die freien Aktien der Commerzbank gehören fast zur Hälfte Ausländern.

Bei Konzernen wie der Deutschen Börse (65 Prozent), der Post (69 Prozent) und der Telekom (61 Prozent) haben internationale Fonds schon die Mehrheit beim Streubesitz. Auch kleinere Aktiengesellschaften wie der Technologiewert Pfeiffer Vacuum oder die Wertpapierbank Depfa aus dem Nebenwerte-Index M-Dax liegen zu über 70 Prozent bei ausländischen Fonds.

Längst haben die Fondsmanager aus New York, Boston oder London die deutschen Bosse ihre Macht spüren lassen. Bayer-Chef Werner Wenning spaltete den Konzern auf, als der Druck - vor allem der ausländischen - Investoren immer stärker wurde. DaimlerChrysler musste sich aus dem defizitären Japan-Geschäft zurückziehen und die Vision der Welt AG begraben. Am spektakulärsten gingen ausländische Fonds bei der Deutschen Börse vor. Erst verhinderten sie den Einstieg in den Londoner Markt, dann feuerten sie die Chefs von Vorstand und Aufsichtsrat, Werner Seifert und Rolf-E. Breuer.

Vor den Auftritten bei Fondsvertretern vor allem jenseits des Atlantiks haben auch gestandene deutsche Manager gehörigen Bammel. „Die reiten oft nur auf ganz bestimmten Fakten und Erfolgszahlen herum“, meint Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick. „Manchmal ist der Druck unerträglich.“ Der Telekom-Manager weiß ein Lied davon zu singen. Erst kürzlich stellte er sogar unvermittelt den Verkauf der teuren US-Tochter von T-Mobile in Aussicht, um internationalen Investoren seine Flexibilität zu demonstrieren.

Beklagen mag sich dennoch keiner der Manager. „Das ist der Reflex der Globalisierung“, meint WestLB-Chef Thomas Fischer nüchtern. Rüdiger Rosen, der Präsident des Deutschen Aktieninstituts begrüßt sogar das internationale Engagement: „Ausländische Investoren schließen eine wichtige Lücke, wenn andere zur Finanzierung nicht bereit sind.“ Die rigorose Orientierung der deutschen Konzerne am Unternehmenswert habe viele erst für die Globalisierung fit gemacht, findet Trinkaus-Aktienstratege Borghoff.

Trösten können sich die Deutschen übrigens damit, dass andere Länder noch internationaler sind. Britischen Aktien etwa befinden sich zu einem Drittel in ausländischer Hand - mehr als doppelt so viel wie in Deutschland.

Quelle: alfa

 
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