| 17.01 Uhr

Anstieg um 39 Prozent
Immer mehr Rentner gehen arbeiten

Das durchschnittliche Renteneintrittsalter in den Bundesländern
Das durchschnittliche Renteneintrittsalter in den Bundesländern FOTO: ddp
Berlin (RPO). Immer mehr Rentner gehen arbeiten, um finanziell besser über die Runden zu kommen. Nach Angaben des Bundessozialministeriums stieg die Zahl der Minijobber über 65 Jahren um knapp 39 Prozent auf gut 702.000 Personen. Hinzu kommen knapp 115.000 Ältere, die sozialversicherungspflichtig arbeiten.

Zugleich wird ihr Geld knapper: Die UniCredit-Bank errechnete für die "Berliner Zeitung", dass die realen Renten in fünf Jahren um 8,5 Prozent gesunken sind. Der Grund: Von 2004 bis 2008 stagnierten die Altersbezüge quasi, während die Inflation die Kaufkraft drückte.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) befürchtet, dass der Verlust bis 2010 sogar auf mehr als zehn Prozent ansteigen könnte. "Die Rentenpolitik der Regierung Merkel ist eine Katastrophe", kommentierte Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine die beiden Nachrichten.

Luxusrenten sind die Ausnahme

Wissing erklärte zu der Arbeitsstatistik: "Wenn immer mehr Rentnerinnen und Rentner arbeiten, dann spricht das eine deutliche Sprache: Luxusrenten sind die Ausnahme, Minirenten die Regel." Die Rentner trauten offenbar eher ihrer Arbeitskraft als den Versprechungen der Bundesregierung. Die zum Sommer versprochene Rentenerhöhung um 1,1 Prozent reiche nicht aus, um die Inflation zu kompensieren, monierte er. "Für viele Rentnerinnen und Rentner gilt: Wer seinen Lebensstandard halten will, muss arbeiten."

Ein Sprecher des Arbeitsministeriums wies darauf hin, dass in den letzten Jahren die Zahl der Minijobber insgesamt deutlich gewachsen sei, "und damit auch bei den Alten". Die Zahl der Menschen über 65 sei zudem in den fünf Jahren ebenfalls um zwei Millionen gestiegen. "Wo mehr Alte sind, sind auch mehr alte Arbeitende", sagte der Sprecher.

"Panik ist unangebracht"

Es gebe keine Untersuchungen, die klare Erkenntnisse darüber gebracht hätten, warum mehr Rentner Minijobs annehmen. "Das kann auch für den Enkel sein oder die zweite Reise im Jahr." Der Ministeriumssprecher erklärte die Statistik mit einem Mentalitätswandel bei den Rentnern: "Die Menschen wollen noch nicht aufs Altenteil."

Anfang der Woche hatte bereits der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vor einer dramatisch zunehmenden Altersarmut in Deutschland gewarnt. Derzeit lebe die letzte Rentner-Generation, in der die allermeisten noch ein auskömmliches Einkommen hätten, sagte DGB-Chef Michael Sommer. Das werde schon in wenigen Jahren anders sein: "Wir werden spätestens in 15 Jahren Millionen Rentner haben, die - wenn nichts passiert - von Sozialhilfe leben müssen."

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler warnte vor dem Hintergrund des jüngsten Rentenstreits vor weiteren Konfrontationen zwischen Jungen und Alten und warf zugleich Altbundespräsident Roman Herzog Beleidigung der Rentner vor. Geißler sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Panik ist unangebracht." Entscheidend seien wirtschaftliches Wachstum und Produktivität. Die Entscheidung für die Rentenerhöhung nannte der 78-Jährige in Ordnung. "Kein Junger ist so dumm zu glauben, seine Zukunft werde durch die Rentenerhöhung von 1,1 Prozent gefährdet."

(ap)
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