Hypothekenbanken erwarten Zinsanstieg: Immobilienfinanzierung wird teurer
zuletzt aktualisiert: 16.01.2011 - 13:16Hamburg (RPO). Immobilienkäufer und Hausbauer müssen in diesem Jahr mit deutlich höheren Finanzierungskosten rechnen. Nachdem die Zinsen für zehnjähriges Baugeld in den letzten sechs Monaten um 0,6 Prozent auf durchschnittlich 3,75 Prozent gestiegen sind, steht jetzt ein weiterer Preisschub bevor.
"Der Aufwärtstrend setzt sich fort, in den nächsten Monaten dürften die Hypothekenzinsen auf 4,5 Prozent oder auch mehr steigen", sagt Christian Wallburg vom Verband Deutscher Pfandbriefbanken.
Grund dafür sei die Schuldenkrise in Europa, verbunden mit einer höheren Inflation und der geringeren Rendite bei langfristigen Geldanlagen. Das wirke sich direkt auf die Refinanzierung der Baugeldanbieter aus. Und für die Käufer machen sich schon geringe Zinsanhebungen deutlich bemerkbar. Nach Berechnungen der Landesbausparkasse (LBS) wirkt sich ein Zinsanstieg um einen Prozentpunkt nämlich genauso stark aus wie eine Immobilien-Preiserhöhung von 15 Prozent.
Ersparnisse von über 20.000 Euro möglich
Dass es für Immobilienkäufer künftig teurer werden könnte, bestätigt auch Jörg Sahr vom Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest: "Das Risiko steigender Zinsen ist realistisch." Daher könne es sich durchaus lohnen, bei dem noch niedrigen Zinsniveau eine längere Laufzeit von 15 oder 20 Jahren zu wählen, zumal die Zinsaufschläge dafür relativ gering seien. Auf jeden Fall sollten Käufer die Konditionen der Banken genau prüfen. Der Unterschied zwischen den günstigsten und den teuersten Angeboten könne bei einer durchschnittlichen Finanzierung immerhin mehr als 20.000 Euro betragen.
Wer bauen will oder in den nächsten Jahren eine Anschlussfinanzierung benötigt, kann auch ein Forward-Darlehen nutzen, mit dem man sich die aktuellen Konditionen von heute mehrere Jahre im Voraus sichern kann. "Die Aufschläge dafür sind allerdings in jüngster Zeit kräftig gestiegen", sagt Sahr.
Bei den überregionalen Anbietern liegt das günstigste Angebot für ein Hypothekendarlehen von 160.000 Euro mit zehnjähriger Laufzeit nach dem aktuellen "Finanztest"-Vergleich bei 3,71 Prozent Effektivzins. Bei 15-jähriger Laufzeit sind es 4,15 Prozent und bei 20 Jahren 4,44 Prozent. Einige regionale Anbieter bieten sogar noch günstigere Konditionen. Allerdings sei bei einem Hypothekendarlehen nicht nur der Zinssatz wichtig, betont Sahr. Vielen Instituten ermöglichten beispielsweise Sondertilgungen oder eine Änderung des Tilgungssatzes innerhalb der Zinsbindung. Während bei einigen Banken diese Extras bereits in den Standardkonditionen enthalten seien, verlangten andere dafür Zinsaufschläge.
Finanzierungslast im Schnitt bei nur 13 Prozent
Trotz der jüngsten Teuerungen ist das aktuelle Zinsniveau bei Baugeld noch immer sehr günstig, denn mit 3,75 Prozent liegt es rund ein Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Außerdem ist die Finanzierungslast nach LBS-Berechnungen vergleichsweise gering. So musste eine Familie mit einem Kind im Herbst 2010 für die eigene Immobilie nur noch 13 Prozent ihres durchschnittlichen Einkommens aufwenden. Demgegenüber waren es 2002 noch 21 Prozent und 1994 sogar 38 Prozent.
Immobilien werden teurer
Sollten die Zinsen in diesem Jahr merklich steigen, erwartet die LBS einen Ansturm der Kaufinteressenten. Und die müssen 2011 mit steigenden Preisen rechnen, wie der Immobilienverband Deutschland (IVB) erwartet. Nachdem sich Eigentumswohnungen bereits 2010 um durchschnittlich 2,1 Prozent verteuerten, geht der Verband von einer weiteren Preissteigerung aus. Das gilt insbesondere in größeren Städten. Auch vermietete Wohnungen und Mehrfamilienhäuser dürften teurer werden. Bei Einfamilienhäusern erwarten die Experten hingegen stabile Preise. Objekte mit gutem Wohnwert kosten im Schnitt derzeit 254.000 Euro.
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