Commerzbank orakelt: Immobilienkrise erst im Frühjahr 2008 überstanden
zuletzt aktualisiert: 21.10.2007 - 12:19Düsseldorf (RPO). Bei der Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen deutete sich an, wie sehr die deutschen Banken von der Immobilienkrise in den USA betroffen sind. Und Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller deutet an, was noch kommen könnte: Er glaubt, dass die Folgen der Krise erst im Frühjahr 2008 überstanden sind.
"Es wird jetzt noch zwei Wellen geben: im November, wenn die Banken ihre Zahlen zum dritten Quartal veröffentlichen. Der zweite, wichtigere Termin kommt im Februar und März, wenn sie die Jahresergebnisse veröffentlichen", sagte Müller der "WirtschaftsWoche". Spätestens dann sei mit einer Normalisierung der Märkte zu rechnen.
Auch die Commerzbank habe bislang nur einen groben Überblick. Man müsse jede einzelne Tranche zurückverfolgen und bei Immobilienkrediten ermitteln, ob die betreffenden Häuser in einer Region mit hoher Arbeitslosigkeit lägen. Bis zum Jahresabschluss werde die Commerzbank über die Risiken Bescheid wissen. "30 bis 40 Mitarbeiter durchforsten bei uns gerade rund 1.000 Tranchen, und das, obwohl wir mit einem möglichen Risiko von 1,2 Milliarden Euro noch vergleichsweise wenig betroffen sind", sagte Müller.
Der Commerzbank-Chef betonte zugleich erneut Interesse an einem Kauf der IKB Industriebank: "Sicher interessieren wir uns für die IKB, aber bis ein Verkauf spruchreif ist, vergehen noch Monate. Und der ganz große Wurf wäre dies angesichts einer Bilanzsumme von 53 Milliarden Euro auch nicht." Stattdessen werde die Commerzbank versuchen, international über Zukäufe zu wachsen.
Zufrieden zeigte sich Müller mit der Entwicklung der kostenlosen Girokonten, die der Bank 300.000 neue Kunden eingebracht hätten. Ausweiten will der Vorstandsvorsitzende die Samstagsöffnung, dafür forderte er flexiblere Arbeitszeiten. "Es gibt einen Tarifvertrag zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverband. Ich denke, es wäre erforderlich, jetzt zu einer neuen Regelung zu kommen, die eine höhere Flexibilität garantiert", wird Müller zitiert.
Unterdessen sehen sich die Sparkassen trotz der schweren Krise der SachsenLB, die mit einer Übernahme der Landesbank Baden-Württemberg in letzter Sekunde vor dem Aus gerettet werden musste, kaum betroffen von der US-Immobilienkrise. Nach Angaben des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Heinrich Haasis, investieren die Sparkassen vor allem in risikoärmere Märkte. Im längerfristigen Vergleich würden 80 Prozent der Anlagen in Renten gehalten.
Das Volumen der sogenannten Asset Backed Securities (ABS) betrage rund 7,2 Milliarden Euro. Banken, Hypothekenfinanzierer und Kreditkartenfirmen lassen ihre offenen Forderungen als so genannte ABS verbriefen und bieten sie Großanlegern zum Kauf an. Darunter seien mit 90 Millionen Euro auch Papiere, denen Immobilien-Kredite für weniger zahlungskräftige Kunden (Subprime-Kredite) in den USA zugrunde lägen.
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