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Insolventer Bauausrüster
Imtech soll bis November verkauft werden

Hamburg. Für den insolventen Bauausrüster Imtech soll möglichst schnell ein Investor gefunden werden. Eine Zerschlagung des Unternehmens will der Insolvenzverwalter vermeiden und den mehr als 4000 Mitarbeitern eine Perspektive bieten.

Der insolvente Bauausrüster Imtech Deutschland soll bis Anfang November verkauft werden. "Wir wollen einen schnellen Verkauf, damit der Betrieb auf sicheren Beinen steht. Das ist das Ziel, das wir ambitioniert verfolgen", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt am Freitag in Hamburg. Schließlich würden jetzt von Bauherren Verträge für 2016 und die Folgejahre vergeben.

"Eine Zerschlagung ist nicht angestrebt", bekräftigten sein Kollege Tjark Thies, vorläufiger Insolvenzverwalter von Gesellschaften des Imtech-Konzerns. Vielmehr solle das Unternehmen mit seinen 38 Niederlassungen als Ganzes verkauft werden. "Diesbezüglich sind wir sehr optimistisch", sagte Borchardt.

Missmanagement sorgte für Probleme

Imtech Deutschland arbeitet am neuen Hauptstadtflughafen BER und hatte am 6. August Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen ist noch auf 650 Baustellen in Deutschland tätig, darunter auch bei der Sanierung des Kölner Oper- und Schauspielhauses, dessen für November geplanter Eröffnungstermin platzte.

Aus Sicht der Insolvenzverwalter war Imtech durch Missmanagement bis Ende 2012 in die Turbulenzen geraten. Nach Abschluss des Firmenverkaufs will sich das Unternehmen intensiv "mit den Schatten der Vergangenheit beschäftigen" und muss prüfen, ob Tatbestände der Insolvenzverschleppung vorliegen. Kontakte mit dem Kartellamt oder der Staatsanwaltschaft habe es bislang nicht gegeben.

Von den 40 Interessenten an Imtech - "zu 90 Prozent strategische Wettbewerber aus dem In- und Ausland" - hätten sich zehn als "hervorragend" für die Übernahme geeignet gezeigt, berichteten die Insolvenzverwalter. Knapp eine Handvoll habe "indikative Angebote" für den Großteil des Unternehmens abgegeben.

Der Kaufpreis sei nur ein Argument bei der Auswahl im absehbaren Bieterverfahren, berichtete Thies. Wesentlicher aber sei, dass der Großteil der bisher rund 4210 Mitarbeiter übernommen werde. Dadurch entfielen spätere Lohnansprüche gegenüber Imtech. Die Mitarbeiter erhalten für drei Monate bis Ende Oktober Insolvenzgeld. Der Umsatz für Deutschland und Osteuropa betrug im vergangenen Jahr 860 Millionen Euro, der Verlust (Ebitda) 126 Millionen Euro.

Insolvenzquote noch nicht bekannt

Bei Anmeldung der Insolvenz hatte Imtech nach Angaben der Insolvenzverwalter 85 Millionen Euro Verbindlichkeiten, im wesentlichen gegenüber Lieferanten. Hinzu kommen rund 50 Millionen Euro Forderungen unter anderem von der Bundesagentur für Arbeit sowie weitere noch unbezifferte Regressforderung wegen gekündigter Bauverträge. Außerdem könnten bis zu 400 Millionen Euro Verbindlichkeiten aus Bürgschaften anfallen. Eine Insolvenzquote - also das Verhältnis des noch vorhandenen Vermögens zur Summe aller Verbindlichkeiten - konnten die Verwalter noch nicht nennen.

Die Insolvenzverwalter haben die Zahl der Baustellen und Projekte von 850 auf rund 650 zurückgefahren. Eingestellt wurden Vorhaben, die sich nicht gerechnet hätten, berichtete Borchardt. Die Beziehungen zu den Lieferanten und Subunternehmern seien stabil. Von den rund 4400 Service- und Wartungsverträgen sei bislang nur einer gekündigt worden. Imtech selbst hat gegenüber Kunden Forderungen von 162 Millionen Euro, von denen aber rund 70 Millionen Euro noch strittig seien - unter anderem für Arbeiten am Berliner Flughafen.

Dort sind derzeit 140 Imtech-Mitarbeiter beschäftigt. Ihre Zahl solle aufgestockt werden, um Anlaufverzögerungen durch das Insolvenzverfahren wieder aufzuholen, wie Borchardt ankündigte - ohne eine Zahl zu nennen. Etwa eine Woche sei dort "nicht mit voller Leistungskraft" gearbeitet worden. Während die Elektro-Arbeiten weiter ausgeführt würden, sei Imtech aus einer Arbeitsgemeinschaft für Montage-Arbeiten infolge seiner Insolvenz ausgeschieden. Aus der Zeit kurz vor dem Insolvenzantrag bis zum November werde Imtech am Flughafen Leistungen im Volumen von rund 9,0 Millionen Euro erbringen.

Auch die niederländische Muttergesellschaft Royal Imtech ist insolvent und teilweise bereits verkauft. Ihr gegenüber hatte die deutsche Firma rund 21 Millionen Euro Forderungen.

(dpa)
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