Schwellenländer beim G-8-Gipfel: Indiens Wirtschaft wächst rasant
zuletzt aktualisiert: 30.05.2007 - 10:24Frankfurt/Main (RPO). Neben den führenden Industriestaaten sind beim G-8-Gipfel in Heiligendamm auch die fünf wichtigsten Schwellenländer vertreten - China, Indien, Südafrika, Brasilien und Mexiko. Ohne sie sei das Motto der Industrieländer "Wachstum und Verantwortung" nicht umzusetzen, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt. Die stolzesten Wirtschafts-Zuwachsraten unter den Schwellenländern hat Indien vorzuweisen.
Auch beim Klimaschutz geht es ohne die Schwellenländer nicht vorwärts: China hat beispielsweise nicht nur die USA als zweitgrößte Exportnation verdrängt, sondern könnte noch 2007 der größte Emittent von Treibhausgasen werden.
Begriff nicht klar definiert
Der Begriff Schwellenland, der im Zusammenhang mit dem G-8-Gipfel kommende Woche eine Rolle spielt, ist nicht klar definiert. Gemeint sind Entwicklungsländer an der "Schwelle" zum Industrieland. Die zum G-8-Gipfel geladenen Länder China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika gehören nach allgemeinem Verständnis dazu.
Ursprünglich bezog sich der Begriff - im Englischen "Newly Industrializing Economies" oder "Newly Industrialized Countries" (NIC) - auf die asiatischen Tigerstaaten Singapur, Südkorea, Taiwan und Hongkong. Inzwischen rechnen unterschiedliche Institutionen wie die Weltbank, die OECD oder der Internationale Währungsfonds je nach der eigenen Definition zehn bis 30 Länder zu der Gruppe.
Als Merkmale zur Unterscheidung von Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern werden Wirtschaftsdaten wie der Grad der Industrialisierung, der Export von Fertigwaren und die Exportrate betrachtet. Auch das Pro-Kopf-Einkommen spielt bei der Eingruppierung eine Rolle. Nach einer Definition, die aber nicht allgemein gültig ist, liegt das Durchschnittseinkommen im Schwellenland bei mehr als 699 US-Dollar im Jahr, im Entwicklungsland darunter.
Wirtschaft wächst in Indien am stärksten
Stolze Zuwachsraten unter den Schwellenländern hat besonders die indische Wirtschaft zu verzeichnen: Das Wirtschaftswachstum von 9,2 Prozent im vergangenen Jahr ist das höchste in Indien seit 1988. Das Boomland mit rund 1,1 Milliarden Einwohnern und der andere Wachstumsstar Asiens, China, sind die beiden größten der insgesamt fünf Schwellenländer, die als Gäste zum G-8-Gipfel 2007 in Heiligendamm eingeladen sind.
Für 2007 prognostizieren die Wirtschaftswissenschaftler der AllianzDresdner Economic Research Indien zwar eine Abkühlung der Konjunktur, nicht zuletzt wegen einer restriktiveren Geldpolitik. "Dennoch sind die Auftriebskräfte weiterhin so stark, ein BIP-Wachstum von über 8 Prozent in diesem Jahr zu erzielen", heißt es dazu in einer Untersuchung von Mai 2007.
Im vergangenen Jahr legte die Industrieproduktion Indiens um 11 Prozent zu, nach schon kräftigen 8,2 Prozent im Vorjahr. Den Ökonomen von der AllianzDresdner zufolge führte die starke Binnennachfrage im Land in einigen Wirtschaftsbereichen gar zu Kapazitätsengpässen. Die Ökonomen attestierten dem Land bereits in einer Untersuchung vom Februar dieses Jahres: "Der Subkontinent birgt das zweithöchste Wachstumspotenzial weltweit nach China" und sei auf dem Weg, eine bedeutende Wirtschaftsmacht zu werden.
Das Erstarken indischer Unternehmen ist in Europa auch durch verschiedene Übernahmeaktivitäten deutlich geworden: Der indische Stahlriese Mittal kaufte den Luxemburger Konkurrenten Arcelor, die britisch-niederländische Corus Group wird vom indischen Tata-Konzern übernommen, und zur Zeit versucht die indische Suzlon Energy Ltd., das deutsche Windenergie-Unternehmen REpower Systems AG zu erwerben.
Das Potenzial für erneuerbare Energien in Indien ist enorm: So verfügt das Land laut Bundesumweltministerium über bis zu 3.200 Stunden Sonne im Jahr, weitaus mehr als Deutschland. Ähnliches gilt für die Windenergie.
Nur jede fünfte Stadt hat Kläranlagen
Umweltprobleme gibt es einige: Nur rund ein Fünftel der Städte in Indien verfügt über Abwasser- und Kläranlagen, das Wasser der meisten Flüsse ist als Trinkwasser unbrauchbar. Die Luftverschmutzung hat im Zuge der Industrialisierung und zunehmender Verkehrsdichte die zulässigen Grenzwerte weit überschritten. Das Einatmen der Luft in Bombay soll etwa dem Rauchen von zehn Zigaretten täglich entsprechen.
Als Folge des Bhopal-Unglücks, bei dem im Dezember 1984 rund 4.000 Tonnen hochgiftiger Gase einer Pflanzenschutzmittel produzierenden Fabrik auf die Slumbewohner von Bhopal niederregneten und Zehntausende dauerhaft schädigten, wurde 1986 ein Umweltschutzgesetz erlassen. Seither können ohne Gerichtsverfahren Betriebsschließungen oder die Kappung der Wasser- und Stromzufuhr angeordnet werden. Diese Möglichkeiten sind bislang aber nur selten genutzt worden.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.

