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Wirtschaft beschäftigt 140.000 ehemalige Asylbewerber
Industrie stellt kaum Flüchtlinge ein

Industrie stellt kaum Flüchtlinge ein
Im Frühjahr hat es fast 140.000 Beschäftigte aus Asylherkunftsländern, rund 30.000 mehr als ein Jahr zuvor, gegeben. FOTO: dpa, msc dna
Berlin. Fehlende Sprachkenntnisse, mangelnde formale Qualifikationen und zu lange Asylverfahren sind nach Auskunft der führenden Wirtschaftsverbände Hauptgründe dafür, dass bislang kaum Flüchtlinge aus dem vergangenen Jahr eingestellt werden konnten. Von Birgit Marschall

Allerdings unterscheiden sich die Wirtschaftssektoren bei ihren Bemühungen, die Integration in den Arbeitsmarkt voranzubringen: Während das Handwerk und mittelständische Unternehmen Vereinbarungen mit der Regierung geschlossen haben, hält sich die Industrie stark zurück. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Vertreter der Konzerne deshalb am 14. September ins Kanzleramt zu einem Gipfel gebeten.

Die 30 Dax-Unternehmen sollen bislang erst 54 Migranten fest eingestellt und 2700 Praktikumsstellen vergeben haben. Nach Auskunft des Handwerks werden bis Jahresende 2500 junge Flüchtlinge als Auszubildende staatlich gefördert. "Geplant ist es, bis 2018 rund 10.000 junge Menschen zu qualifizieren und in betriebliche Ausbildung zu führen", sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer unserer Redaktion.

BDI weist Kritik an einem zu geringen Engagement zurück

"Nicht zuletzt viele kleine und mittelständische Betriebe engagieren sich bei Ausbildung und Beschäftigung von Geflüchteten", sagte Achim Dercks, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Im Frühjahr habe es fast 140.000 Beschäftigte aus Asylherkunftsländern, rund 30.000 mehr als ein Jahr zuvor, gegeben. "Laut einer DIHK-Hochrechnung sind bereits rund 10.000 junge Flüchtlinge in einer Ausbildung", sagte Dercks. "In den wenigsten Fällen handelt es sich hierbei allerdings schon um Flüchtlinge, die im Sommer und Herbst 2015 zu uns kamen", schränkte er ein. "Denn der Weg in die Ausbildung braucht Zeit – nach der DIHK-Umfrage im Durchschnitt 22 Monate."

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wies Kritik an einem zu geringen Engagement zurück. "Wichtige Weichenstellungen für einen besseren Arbeitsmarktzugang von Flüchtlingen wurden erst kürzlich mit dem Integrationsgesetz auf den Weg gebracht", sagte ein BDI-Sprecher. Flüchtlingsmigration könne auch kein Ersatz für eine gesteuerte arbeitsmarktorientierte Zuwanderung sein.

Die Themen dürften nicht miteinander vermischt werden. "Die größten Hürden für eine Einstellung sind unzureichende Sprachkenntnisse und der Mangel an formalen Qualifikationen. Drei Viertel der arbeitsuchenden Flüchtlinge verfügen über keine formale Berufsausbildung, nur etwa jeder zehnte über eine akademische Ausbildung. Das ist auch aus Sicht des BDI enttäuschend, aber Realität", sagte der Sprecher.

Quelle: RP
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