Schiesser: Insolvenzverwalter sieht Rettungschancen
zuletzt aktualisiert: 14.02.2009 - 19:25Zug (RP). Der vorläufige Insolvenzverwalter des Wäscheherstellers Schiesser hat sich optimistisch gezeigt, dass die Firma gerettet werden kann. Vor wenigen Tagen hatte der Wäschehersteller Insolvenz angemeldet, weil die Banken kein Geld mehr geben wollten.
"Ich sehe gute Chancen für das Überleben von Schiesser", sagte der Stuttgarter Anwalt Volker Grub dem "Tagesspiegel am Sonntag" laut Vorabmeldung. Der traditionsreiche Betrieb mit Sitz in Radolfzell am Bodensee hatte am Montag Insolvenz angemeldet.
Als einen der größten Fehler der Vergangenheit nannte der Insolvenzverwalter die Ausweitung der Produktion auf andere Marken wie Tommy Hilfiger, Puma oder Ralph Lauren. "Die Ausweitung war ein Flop, der zu hohen Verlusten führte", sagte der 71-Jährige. Dem Bericht zufolge hat er schon mehr als 500 Firmen in der Insolvenz begleitet, darunter die Traditionsmarke Bauknecht.
Die Arbeitnehmer haben hohe Erwartungen an ihn: "Meine einzige Zuversicht liegt bei der Person Volker Grub. Er ist dafür bekannt, dass seine Priorität den Arbeitsplätzen gilt", zitierte die Zeitung den IG-Metall-Vertreter Johann Blaschke.
Lange Firmengeschichte
Eine lange Firmengeschichte allein rettet kein Unternehmen vor dem Aus. Diese Erfahrung musste neben dem Modellbahnhersteller Märklin auch der Wäschekonzern Schiesser machen. Trotz erfolgreich verlaufender Restrukturierung sowie einer bisher positiven Geschäftsentwicklung für das laufende Jahr habe die notwendige Anschlussfinanzierung nicht sichergestellt werden können, hatte die Familienholding Hesta mitgeteilt, die Schiesser-Mehrheitsaktionärin ist. Und weil die Banken kein Geld mehr geben wollten, blieb nur noch der Gang zum Insolvenzgericht. Hesta wollte offensichtlich kein Geld mehr nachschießen, was aber angesichts der schlechten Entwicklung im Herbst 2008 nötig gewesen wäre.
Unrühmlicher Schlusspunkt hinter eine wenig erfreuliche jüngere Vergangenheit. "Schiesser hat seit Jahren keinen Gewinn erwirtschaftet", sagt ein Sprecher. Stattdessen haben sich nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Volker Grub rund 65 Millionen Euro an Bankschulden aufgetürmt.
Schiesser hat Hoffnung
Dennoch glaubt der 134 Jahre alte Konzern, der Unter-, Nacht- und Sportwäsche herstellt, an seine Zukunft. Der Januar 2009 habe ein Fünftel mehr an Umsatz gebracht als der gleiche Monat im vergangenen Jahr, und für die Herbst- und Winterkollektion gebe es acht Prozent mehr Vorbestellungen als ein Jahr zuvor. In einem Insolvenzplanverfahren soll Schießer nach Angaben des Insolvenzverwalters weitergeführt und saniert werden, wie es heißt.
Die Probleme waren zum Ende des vergangenen Jahres offenkundig geworden. Damals hieß es, das Unternehmen müsse Personal abbauen, nachdem in der Produktion in Tschechien und der Slowakei bereits 800 Stellen gestrichen worden waren. Schon da war klar, dass in diesem Jahr 30 Millionen Euro an Umsätzen wegfallen würden, nachdem es nicht gelungen war, Lizenverträge mit Mexx, Levi's, Puma und Polo Raph Lauren zu verlängern. Was Schiesser an Lizenzmarken bleibt, sind Seidensticker und Strellson.
Das Unternehmen wurde 1875 von einem Franzosen namens Jacques Schiesser gegründet und legte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein gewaltiges Wachstum hin. Im Jahr 1900 gab es schon 1000 Mitarbeiter, vier Fünftel aller Einnahmen kamen aus dem Export. Schiesser wurde für viele zum bekanntesten Synonym für Wäsche, und der Feinripp eroberte die Welt. Heute ist die deutsche Schiesser AG mit vier eigenen Ablegern selbst ein Tochterunternehmen der Schiesser Group AG im schweizerischen Küsnacht.
Gefertigt wird allerdings auch in Deutschland schon seit Jahren nicht mehr. Vor sieben Jahren schloss Schiesser seine letzte Produktionsstätte hierzulande am Firmensitz in Radolfzell. Und jetzt wackelt auch der Rest des traditionsreichen Imperiums.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
