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Zuschlag für Teva-Konzern
Israelis kaufen Ratiopharm

Zuschlag für Teva-Konzern: Israelis kaufen Ratiopharm
Der Verkaufspreis liegt bei 3,625 Milliarden Euro liegen. FOTO: ddp, ddp
Frankfurt (RPO). Die hoch verschuldete Merckle-Gruppe hat ihr Herzstück verkauft: Der zweitgrößte deutsche Generikahersteller Ratiopharm geht für 3,625 Milliarden Euro an den israelischen Pharmakonzern Teva. Das teilten Teva und die zu Merckle gehörende VEM-Vermögensverwaltung am Donnerstag mit. Durch die Übernahme entsteht den Angaben zufolge der größte Hersteller billiger Nachahmermedikamente in Europa.

Die VEM habe sich mit dem Milliardenerlös für Ratiopharm und dem Verkauf von rund 50 Prozent der HeidelbergCement-Aktien im Herbst "von sämtlichen Schulden entledigt", sagte VEM-Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems. Ludwig Merckle, der Sohn des Firmengründers Adolf Merckle, erklärte: "Der Verkauf ist mir nicht leicht gefallen." Er sei aber mit dem Ergebnis zufrieden, weil Teva ein klares Bekenntnis zu den Standorten Ulm und Blaubeuren abgegeben habe. Er sehe es als seine Aufgabe an, nun die Schuldentilgung der Merckle-Gruppe "abzuschließen und die verbleibende Unternehmensgruppe für die Zukunft aufzustellen".

Teva plant nach den Worten seines Präsidenten Shlomo Yanai, die Marke Ratiopharm beizubehalten und ihren Einsatz international noch auszuweiten. Die Produktion an den Standorten Blaubeuren und Ulm solle nicht nur erhalten, sondern ausgebaut werden. Ratiopharm in Ulm wird die Deutschlandzentrale des gemeinsamen Unternehmens. "Neben den fachlichen Fähigkeiten der Belegschaft haben uns bei Ratiopharm insbesondere die Qualität und Effizienz der Produktionsanlagen auch im internationalen Vergleich beeindruckt", erklärte Yanai.

Bisheriger Eigner: "Keine Ratiopharm-Jobs gefährdet"

Die Übernahme von Ratiopharm durch den israelischen Generikaspezialisten Teva wird nach Angaben des bisherigen Eigners keinen Stellenabbau nach sich ziehen. "Wir gehen nicht davon aus, dass durch die Übernahme Arbeitsplätze gefährdet sind", sagte der mit dem Bieterprozess beauftragte Geschäftsführer der Merckle-Vermögensverwaltung VEM, Hans-Joachim Ziems, am Donnerstag in Köln. Teva verfolge eine Wachstumsstrategie, fügte er hinzu.

Auswahl unter zuletzt drei Bietern

Bis zuletzt waren drei Bieter im Rennen um Ratiopharm gewesen, darunter auch der US-Konzern Pfizer. "Die endgültige Auswahl erwies sich als außerordentlich schwierig, aber für uns komfortabel", erklärte Ziems. Neben dem Kaufpreis habe auch das strategische Konzept der Integration von Ratiopharm in das übernehmende Unternehmen eine zentrale Rolle gespielt.

Sowohl bei den Produkten als auch in den Märkten passten die beiden Unternehmen gut zusammen, versicherte auch Yanai. Die gute Präsenz von Teva im asiatischen und US-amerikanischen Markt werde durch Ratiopharm mit einer überdurchschnittlichen Abdeckung in Europa und Kanada ergänzt, teilten die Unternehmen mit.

Oliver Windholz, Geschäftsführer der Ratiopharm-Gruppe erklärte: "Mit seiner internationalen Ausrichtung und unserer gemeinsamen Vision für Generika ist Teva der natürliche Partner für Ratiopharm. Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam enorme Wachstumsmöglichkeiten in allen Märkten erschließen können."

Teva zielt auf weitere Übernahmen

Mit der Genehmigung durch die europäische Kartellbehörde wird im dritten Quartal 2010 gerechnet. Teva und Ratiopharm zusammen hätten 2009 einen Umsatz von 16,2 Milliarden Dollar erzielt. Teva allein kam auf 13,9 Milliarden Dollar. Nach erfolgter Übernahmen werden die Unternehmen rund 40.000 Mitarbeiter beschäftigen, davon etwa 18.000 in Europa. Bei Ratiopharm arbeiten weltweit rund 5.500 Beschäftigte.

Yanai kündigte an, sein Konzern wolle auch durch weitere Übernahmen in den nächsten Jahren kräftig wachsen. Bis 2015 solle der Umsatz auf 31 Milliarden Dollar steigen.

(APN/felt)
 
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