Finanzmärkte in der Krise: Ist das Geld deutscher Anleger noch sicher?
VON TIM NOCKEN - zuletzt aktualisiert: 16.09.2008 - 16:13Düsseldorf (RPO). Der internationale Finanzmarkt steckt in der Krise. Lehman Brothers ist insolvent, Merill Lynch wird übernommen und der weltgrößte Versicherer AIG steckt in Geldnot. Viele fragen sich jetzt, ob sie von der aktuellen Krise betroffen sind. Rolf Drees, Berater und Sprecher der WGZ-Bank, gibt Ratschläge für Aktienanleger in Krisenzeiten.
Der Finanzexperte sieht keinen Grund zu Angst oder Panik: "Langfristig bleiben Aktien attraktiv, daran ändert auch die aktuelle Krise auf den Finanzmärkten nichts." Sorgen müssten sich nur diejenigen machen, die ihr Geld kurzfristig angelegt hätten. "Mit kurzfristigen Anlagen gehen sie generell ein Risiko ein", sagt Drees.
Neben langfristigen Investitionen empfiehlt der Finanzexperte zudem eine breite Streuung des Sparkapitals. "Sie sollten ein Drittel in Aktien, ein Drittel in Anleihen und ein weiteres Drittel in Immobilien anlegen." Das Risiko eines Verlusts nehme mit zunehmender Streuung ab.
Sollte ein Drittel durch eine Krisensituation abnehmen, empfiehlt der Experte eine Aufstockung des Anteils. Gegenwärtig sollten die Anleger ihre Fonds nicht verkaufen, sondern vielmehr zukaufen. "Allerdings sollte nur derjenige zukaufen, der über das nötige Kapital verfügt und in absehbarer Zeit keinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen muss."
Grundsätzlich rät Drees von Investionen in einzelne Aktienwerte ab. Hier sei die Krisenanfälligkeit deutlich höher als bei Aktienfonds, bei denen langfristig in der Regel eine Erholung von möglichen Verlusten zu erwarten sei. "Das Nachkaufen einzelner Aktien ist nur empfehlenswert, wenn der Anleger die aktuelle Marksituation und die Entwicklung der Aktie einschätzen kann."
Inwieweit kann der Kunde sein Bankhaus im Falle eines Verlusts in Anspruch nehmen? "Ein Anleger ist auch immer Unternehmer. Damit trägt man auch immer ein unternehmerisches Risiko", erklärt Rudolf Drees. Die Bank könne man somit im Falle eines Verlusts nicht in Anspruch nehmen.
Positiv bewertet der Finanzexperte die Rettungsaktion für die in Not geratenen Finanzinstitute. Die Deutsche Bank und neun weitere Bankhäuser hatten bereits am späten Sonntagabend einen gemeinsamen Hilfsfond in Höhe von 70 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Die Deutsche Bank gehe damit zwar ein finanzielles Risiko ein, allerdings sei dies ein "positives Signal in Richtung Politik". Die Bankhäuser würden so unter Beweis stellen, dass sie in Krisensituationen nicht zwangsläufig auf die Hilfe der Politik angewiesen sind.
Zudem sei der Hilfsfond nicht vollkommen uneigenützig. "Sollte die Deutsche Bank zukünftig in eine Schieflage geraten, kann sie auch mit der Unterstützung anderer Bankhäuser rechnen."
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