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Getränke-Markt
Italiener lieben Bier aus NRW und Bayern

Italiener lieben Bier aus NRW und Bayern
FOTO: C. Schnettler
Düsseldorf. Nach Jahren des Rückgangs melden die Bierbrauer wieder steigende Zahlen. Das Exportgeschäft floriert. In Deutschland herrscht weiterhin ein harter Wettbewerb. Fußball-EM und Olympia könnten 2016 helfen, den Absatz zu steigern. Von Georg Winters

Beim Namen Ingolstadt fallen Menschen, die gleichermaßen sport- wie wirtschaftsaffin sind, drei Begriffe ein: Audi, Media-Saturn und der Fußball-Bundesligist FC Ingolstadt. Kenner des Biermarktes würden hinzufügen, dass die zweitgrößte Stadt Oberbayerns überdies fünf Bierbrauereien beheimatet (Nordbräu, Herrnbräu, Westparkbräu 1516, Schöffbräu und Schwalbenbräder) und die Wiege des Reinheitsgebotes ist - jener Regel, dass Bier gefälligst nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser enthalten soll. Dieses Reinheitsgebot wird am Samstag 500 Jahre alt, und deshalb wird gefeiert. In Ingolstadt. Sogar die Bundeskanzlerin hat ihr Kommen zugesagt.

Pünktlich zum Jubiläum meldet die Branche wieder steigende Zahlen. Auf 95,7 Millionen Hektoliter ist der Absatz 2015 gestiegen - das zweite Plus nach Jahren kontinuierlich sinkender Zahlen. 79,8 Millionen Hektoliter wurden im Inland verkauft. Ein Sechstel des Bieres, das immerhin zu fast 25 Prozent in NRW gebraut wird, geht also ins Ausland. Vor allem der Export nach Übersee (plus vier Prozent) hat deutlich zugelegt. Am meisten lieben das deutsche Bier neben den Deutschen selbst die Italiener, die rund drei Millionen Hektoliter importierten.

Rund 106 Liter trinkt jeder Deutsche im Schnitt

Im Inland stagniert der Absatz bei knapp unter 80 Millionen Hektoliter. Seit Jahren tut sich beim Pro-Kopf-Konsum nur wenig. Rund 106 Liter trinkt jeder Deutsche im Schnitt, aber das ist in Europa immerhin noch der dritte Platz hinter den Tschechen und den Österreichern. Als Gründe für die Stagnation nennt Marc-Oliver Huhnholz, Sprecher des Deutschen Brauerbundes, "soziodemographische Gründe": Die Menschen werden älter (und ältere Menschen trinken weniger Bier), sie werden mobiler, das Ausgehverhalten ändert sich, das Trinkverhalten ebenso.

Das muss der Branche aber nicht zum Nachteil gereichen. "Bier wird heute anders konsumiert als früher, der Markt wird vielfältiger", sagt Huhnholz. Sogar als Digestif dient Bier. Was jenen, die mit Pils, Alt und Export in der Kneipe um die Ecke groß wurden, immer noch seltsam anmutet. Das galt aber früher auch für Weizen, Radler, Biermixgetränke und Co. Alkoholfreie Biere haben längst einen Stammplatz in den Getränkemärkten und werden in Deutschland immer beliebter. Nachdem 2014 erstmals die Marke von fünf Millionen Hektoliter geknackt worden war, nahm der Absatz 2015 um weitere vier Prozent zu.

Die Branche befindet sich in einem enormen Konkurrenzkampf

Geradezu hipp ist derzeit CraftBier - der Definition nach Bier, das von kleinen, unabhängigen Herstellern gebraut wird. An ihm scheiden sich die Geister. So mancher unter den traditionellen Pilstrinkern, die immer noch 53 Prozent des Marktes ausmachen, rümpft die Nase und sagt, dass Craft-Bier auf ewig ein Nischenprodukt bleibt. Ob er Recht behält? Nach Angaben von Verbandssprecher Huhnholz liegt der Marktanteil derzeit nur bei etwa 0,2 Prozent, aber vor allem bei jungen Menschen ist die Begeisterung groß.

Unabhängig davon, wohin der Trend geht: Die Branche befindet sich in einem enormen Konkurrenzkampf. Der wird über kurz oder lang Opfer fordern - glaubt Veltins-Chef Michael Huber. Seine niederschmetternde Prognose, die er jüngst in der "Welt am Sonntag" verkündete: "In der Branche tobt ein knallharter Verdrängungswettbewerb, den können nicht alle überleben." Das klingt wie das Stöhnen der Autoversicherer, die sich in den 90er Jahren auf Teufel komm raus im Preis unterboten und dies reihenweise beklagten.

Verbandssprecher Huhnholz sieht das weniger dramatisch: "Um die Jahrtausendwende gab es eine Phase der starken Konsolidierung, aber in den vergangenen Jahren ist es ruhiger geworden." Dass die Welle schon vorüber ist, glaubt aber vermutlich niemand. Zu sehr leiden die Brauer unter dem Marktdruck der großen Handelskonzerne, die rund 80 Prozent der Abnehmer ausmachen. Sie erzeugten den gewaltigen Preisdruck, heißt es.

2016 hofft die Branche auf den besonderen Effekt des Jubiläumsjahres, dazu auf die Fußball-EM in Frankreich und Olympia in Rio. Solche Großveranstaltungen schieben in der Regel das Geschäft deutlich an. Allerdings funktioniert das beim Fußball natürlich nur um so besser, je länger die Deutschen mitspielen und das Wetter Public Viewing mit entsprechendem Bierkonsum zulässt.

Quelle: RP
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