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HSH Nordbank offenbar vor Aufspaltung: Jede vierte Stelle soll wegfallen

zuletzt aktualisiert: 17.02.2009 - 18:41

Hamburg (RPO). Die angeschlagene HSH Nordbank steht möglicherweise vor einer Aufspaltung. Um die Folgen der Finanzmarktkrise abzufangen, sieht Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher eine Alternative nur in einer Alteigentümergarantie und einer Eigenkapitalerhöhung, sagte er am Dienstag in Hamburg. Dies sei jedoch mit einem Abbau von etwa 1100 Stellen verbunden, bestätigte er erstmals offiziell.

Der Chef der HSH Nordbank hat dem Aufsichtsratsvorsitzenden seinen Rücktritt angeboten.  Foto: AP, AP
Der Chef der HSH Nordbank hat dem Aufsichtsratsvorsitzenden seinen Rücktritt angeboten. Foto: AP, AP

Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein als Haupteigener wollen innerhalb der kommenden Woche ein neues Geschäftsmodell für das Kreditinstitut entwickeln. Nach einer entsprechenden Fristverlängerung durch den Bankenrettungsfonds SoFFin um drei Tage wollen die Kabinette beider Länder am nächsten Dienstag einen Vorschlag unterbreiten, wie Hamburgs Finanzsenator Michael Freytag (CDU) am Dienstag auf einer gemeinsamen Sitzung des Hamburger Haushalts- und Kieler Finanzausschusses in Hamburg sagte. Anschließend hätten die Parlamente Zeit bis Ende März, die Vorlage der Exekutive zu beraten.

"Kernbank" und "Abbaubank"

Nach den Vorstellungen von Nonnenmacher sollen die Alteigentümer als Grundlage für ein tragfähiges Geschäftsmodell eine Garantie über zehn Milliarden Euro aussprechen und außerdem eine Summe von drei Milliarden Euro an frischem Kapital bereitstellen. Die bisherige Bank solle in eine künftige Kernbank und eine sogenannte Abbaubank unter anderem für das Kreditersatzgeschäft aufgespaltet werden. Von der Bilanzsumme der Gesamtbank über aktuell 200 Milliarden Euro würde die Kernbank etwa die Hälfte umfassen.

Diese Lösung ist nach Nonnenmacher Einschätzung alternativlos. Schleswig-Holsteins Finanzminister Rainer Wiegard (CDU) forderte als Voraussetzung jedoch baldige Klarheit darüber, ob das künftige Geschäftsmodell tragfähig, die Risikoplanung hinreichend und in welcher Höhe die Kapitalausstattung nötig sei. Zudem müssten aus der Krise Lehren für die Bank und ihre Eigner gezogen werden.

Nach Nonnenmachers Einschätzung werden die nächsten beiden Jahre "sehr schwierig". Erst 2011 sei "langsam mit einer leichten Erholung" zu rechnen, ehe 2012 wieder erstmals ein "normales" Jahr zu erwarten sei. Bei allen Planungen sei davon auszugehen, Abbau- und nichtstrategische Portfolien abschmelzen zu lassen. Bis 2012 könnten dies etwa 50 Milliarden Euro sein.

Jede vierte Stelle soll gestrichen werden

Für die Aufspaltung der jetzigen Bank rechnet Nonnenmacher mit einem Zeitraum von 12 bis 18 Monaten. Deshalb solle die Spaltung erst einmal virtuell erfolgen, mittelfristig sollten beide Banken jedoch voneinander separiert werden. Dieser Prozess werde auch von einem massiven Personalabbau begleitet. Von den rund 4000 Stellen Ende 2008 würden bis Ende 2012 etwa 1100 Arbeitsplätze in der Gesamtbank wegfallen. Überlegungen für einen künftigen Standort - etwa eine Ansiedlung der Abbaubank in Kiel und der Kernbank in Hamburg - gebe es bisher aber noch nicht.

Nonnenmachers Vorstellungen gehen dahin, dass die künftige Kernbank sich wieder stärker auf den "historisch tiefen Bezug" der Bank zur Region konzentriert, unter anderem im Schifffahrtsbereich sowie durch ein Engagement in der Luftfahrtindustrie und im Bereich erneuerbare Energien. Bereits jetzt würden 80 Prozent des Gesamtvolumens bei erneuerbaren Energien mit Herstellern aus der Region realisiert. Zwei Drittel aller Kunden der weltweiten Schiffsfinanzierungen kämen aus dem Norden, und jedes zweite von HSH finanzierte Flugzeug sei ein Airbus.

Freytag verwies auf die Nachteile einer Rekapitalisierung der Bank durch den SoFFin, da diese an harte Bedingungen geknüpft sei. Eine Eigenkapitalerhöhung durch den SoFFin sei an Zinszahlungen geknüpft, deren Satz derzeit bei neun Prozent liege. Zudem seien über die gesamte Laufzeit keine Dividendenzahlungen an die Gesellschafter möglich. "Die Länder aber sind in ihren Entscheidungen souverän", sagte Freytag weiter.

Das Land Schleswig-Holstein hält 29,1 Prozent der Anteile an dem Institut, Hamburg 30,41 Prozent, der schleswig-holsteinische Sparkassen- und Giroverband 14,8 Prozent sowie die US-Beteiligungsgesellschaft J.C. Flowers 25,67 Prozent.

Quelle: DDP

 
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