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Siemens-Affäre: Jetzt auch von Pierer unter Verdacht

VON SILKE FREDRICH - zuletzt aktualisiert: 01.10.2007 - 09:52

Düsseldorf (RP). Bislang galt der Ex-Chef von Siemens als Saubermann in der Schmiergeldaffäre. Doch jetzt drängt der Aufsichtsrat auf Prüfungen, ob er mindestens fahrlässig gehandelt habe. Indes plant der neue Vorstand einen Konzernumbau.

Der langjährige Siemens-Chef Heinrich von Pierer könnte laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ im Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal ins Visier der internen Ermittler geraten. Der Siemens-Aufsichtsrat haben darauf gedrängt, zu untersuchen, ob die frühere Führung beim Börsengang an die New Yorker Börse 2001 womöglich ihre Sorgfaltspflichten verletzte. Zudem solle geprüft werden, ob Pierer und seine Kollegen damals genug unternommen haben, um schwarze Kassen vollständig zu beseitigen. Ein Siemens-Sprecher wollte auf Anfrage nichts zu den Vorgängen sagen.

Bisher unveröffentlichte Berichte für den Prüfungsausschuss legen nahe, dass das frühere Management unter von Pierer fahrlässig gehandelt haben könnte. Laut „Spiegel“ schlug der kürzlich gekündigte Anti-Korruptions-Beauftragte Albrecht Schäfer bereits Ende 2004 Alarm: Es solle eine Untersuchung eingeleitet und einen Krisenstab eingesetzt werden; außerdem sollten Beraterverträge sofort gekündigt werden. Sogar Vorstandschef Heinrich von Pierer sollte Anfang 2005 angeblich eingeschaltet worden sein. Der ehemalige Konzernchef bestritt dies bislang.

Erst fast zwei Jahre später, im November 2006, flog der Schmiergeldskandal bei Siemens auf, nach einer Großrazzia der Staatsanwaltschaft. Jemand mit genügend Macht und genügend Einfluss hatte offenbar verhindert haben, dass die schwarzen Kassen vorher enttarnt wurden. Von Pierer bekräftigte immer wieder, die damaligen Kontroll-Richtlinien ausreichend umgesetzt zu haben.

System Siemens

Der ehemalige Anti-Korruptionsbeauftragte Schäfer ließ unterdessen mitteilen, er werde noch im Detail darlegen, wie er bei Siemens über „systematische und planmäßige“ Verstöße informiert und welche Gegenmaßnahmen er gefordert habe.

Dem neuen Konzernchef Peter Löscher ist das nur recht. Er forderte bereits in der vergangenen Woche, dass er alle Informationen über Beteiligungen und Verwicklungen im Schmiergeldskandal schnellstmöglich haben möchte.

Massiver Umbau geplant

Unterdessen plant Löscher massive Konzern-Umstrukturierungen. Laut eines Medienberichts will er so schnell wie möglich Beteiligungen abstoßen, die der Konzern nicht mehr zum Kerngeschäft zählt. Auf dem Prüfstand stehen demnach Osram, die Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks und Bosch Siemens Hausgeräte sowie die Töchter Siemens Home and Office Communications Devices, in der das Geschäft mit Festnetztelefonen gebündelt ist.

Hinzu kommt das Geschäft mit Telekommunikationsanlagen für Unternehmen, Siemens Enterprise Networks. Somit stehen neun Milliarden Euro Umsatz und 57000 Arbeitsplätze zur Diskussion. Ein Sprecher sagte, es handele sich um übliche Gespräche mit Investoren, wie es sie jedes Jahr gebe. Ein Konzernumbau stünde nicht hinter den Plänen. Als Löscher die Konzernführung übernahm, betonte er auch, Umstrukturierungen vermeiden zu wollen.


 
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