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Keine Einigung zur Zerschlagung
Die wahren Interessen im Kaiser's-Poker

Kaiser`s Tengelmann: Die wahren Interessen im Machtpoker
FOTO: dpa
Mülheim. Im Ringen um die Rettung der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann ist am Donnerstagabend noch keine Lösung gefunden worden. Edeka, Tengelmann, Rewe und Verdi – alle haben eigene Interessen in dem Machtpoker. Ein Überblick. Von Georg Winters

Bis zuletzt war der Vierer-Gipfel zu Kaiser's Tengelmann in einem Frankfurter Hotel am Donnerstagabend geheime Kommandosache. Verständlich – das Bemühen der Konzernchefs Karl-Erivan Haub (Tengelmann), Markus Mosa (Edeka) und Alain Caparros (Rewe) sowie des Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske war der letzte Rettungsversuch, um die Zerschlagung des Unternehmens zu verhindern. Eine Lösung wurde nicht gefunden, es soll aber rasch weitere Gespräche geben, womöglich am Freitagvormittag.

Die Positionen der Mitspieler im Handelsquartett

Karl-Erivan Haub, Tengelmann-Chef

Er hat sich zu Recht den Vorwurf gefallen lassen müssen, die Sanierung von Kaiser's Tengelmann verschlafen zu haben. Zuletzt brachte die Kette jeden Monat zweistellige Millionenverluste, und so viel mag auch eine Milliardärsfamilie nicht mehr regelmäßig zuschießen. Also sollte Branchenführer Edeka alles übernehmen. Das Kalkül der Haubs: Zum einen wären sie den Verlustbringer los. Zum anderen sind sie an der erfolgreichen Edeka-Tochter Netto beteiligt, unter deren Logo die Kaiser's-Märkte künftig auftreten und saniert werden sollen. Eine Zerschlagung würde Haub dagegen wegen einer Patronatserklärung einen dreistelligen Millionenbetrag kosten – wobei das aus Sicht des Tengelmann-Chefs noch besser wäre als die Alternative, jahrelang für weitere Verluste einstehen zu müssen.

Markus Mosa, Edeka-Chef

Das Interesse des größten deutschen Lebensmittelhändlers Edeka ist mit zwei Worten zusammenzufassen: mehr Marktmacht. In den Kaiser's-Regionen Nordrhein, Berlin und München, so war Mosas Idee, würde die Position von Edeka durch eine Komplettübernahme gestärkt – in welchem Ausmaß, darüber wird seit dem Verbot durch das Bundeskartellamt im vergangenen Jahr gestritten. Eine Teilung des Filialnetzes wäre dagegen für Mosa nur interessant, wenn sein Paket genug attraktive Filialen enthielte. Sonst wären auch Logistik-Standorte und Fleischwerke für Edeka nicht mehr reizvoll. Der Tengelmann-Wunschpartner würde dann wohl lieber komplett auf den Deal verzichten.

Alain Caparros, Rewe-Chef

Das Attraktivitäts-Argument gilt auch für Mosas großen Gegenspieler Alain Caparros. Er hat das Bündnis zwischen Edeka und Tengelmann durch seine Beschwerde blockiert. Natürlich hätte Caparros auch selbst versuchen können, Kaiser's Tengelmann zu übernehmen. Aber ob er dafür grünes Licht vom Kartellamt bekommen würde, bleibt offen. Einstweilen könnte er aber damit zufrieden sein, die Komplett-Übernahme von Edeka und den daraus resultierenden größeren Vorsprung der Hamburger verhindert zu haben.

Frank Bsirske, Verdi-Chef

Die Dienstleistungsgewerkschaft hat sich als großer Mittler zwischen den Kaiser's-Kontrahenten geriert, verfolgt aber natürlich auch eigene Interessen. Ohne die Komplettübernahme durch die Edeka, das wissen die Gewerkschafter, würden auch die zwischen Edeka und Verdi ausgehandelten Tarifverträge obsolet, der vereinbarte Kündigungsschutz würde hinfällig. Verdi hätte für die Kaiser's-Beschäftigten nichts erreicht. Bei einer Paketlösung könnte es sein, dass die Erwerber zumindest Bestandsgarantien für schwächere Kaiser's-Niederlassungen abgeben.

Der Rest, der nicht am Tisch saß

Die Handelsketten Migros und Coop (Kiel) hatten vor Monaten auch schon Bereitschaft signalisiert, Teile des Kaiser's-Tengelmann-Fililalnetzes zu übernehmen. Migros hatte Interesse an Filialstandorten in Bayern für ihre Kette Tegut bekundet. Coop wollte sich in Berlin breit machen. Ob die beiden jetzt noch für irgendeine Lösung im Rennen sind, war nach dem Treffen am Donnerstag noch offen.

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