Energiepreisentwicklung: Kampf um Gaskunden in NRW
VON THORSTEN BREITKOPF UND GESA EVERS - zuletzt aktualisiert: 19.08.2010 - 06:57Düsseldorf (RP). Weil der Preis für Erdgas an den Ölpreis gekoppelt ist, steigen regelmäßig im Herbst die Kosten für Verbraucher. Die nächste Erhöhungsrunde wird Anfang kommender Woche erwartet. Kurios: 208 von rund 800 Anbietern haben kürzlich trotz steigender Einkaufskosten die Preise gesenkt.
"Tatsächlich rechnen wir damit, dass etliche Versorger in NRW ihre Gaspreise im zweistelligen Prozentbereich erhöhen werden", sagt Jürgen Scheurer vom Energieportal Verivox. Doch erst 249 Versorger haben die Preisrunde mitgemacht.
Der Wettbewerb ist auf dem Energiemarkt angekommen. So haben laut Verivox beispielsweise die Stadtwerke Radevormwald ihren Tarif "SWR Spar" um mehr als neun Prozent verbilligt. Kunden der Stadtwerke Erkrath profitieren sogar von einer Preissenkung um 13,9 Prozent ab September.
Der Kölner Versorger Rhenag, der Mönchengladbacher Anbieter NVV sowie die Stadtwerke Duisburg haben für Oktober ebenfalls Preissenkungen geplant. Schlecht sieht es dagegen für Kunden in Meerbusch aus. Die dortigen Wirtschaftsbetriebe wollen ihren Grundversorgungstarif demnach im September um 4,3 Prozent anheben, ebenso wie der Versorger ENNI vom Niederrhein (Grundversorgungstarif plus elf Prozent).
Etliche Versorger buhlen heute um die Gunst ihrer Kunden. Der Gasmarkt ist seit 2006 liberalisiert. Seitdem werden die Kunden nicht mehr zwingend vom heimischen Versorger beliefert, und die Zahl der Anbieter steigt rasant. Im Rheinland gibt es in jeder Gemeinde heute zwischen 20 und 30 mögliche Anbieter. Spitzenreiter ist Gelsenkirchen mit 37 Konkurrenten.
"Noch vor einem Jahr waren es nirgendwo mehr als zehn", sagt Peter Blenkers von der Verbraucherzentrale NRW. Gaskunden sollen bald aus einer noch größeren Zahl von Anbietern wählen können. Das Bundeskabinett beschloss gestern eine Verordnung, mit der neue Gasanbieter sich besser am Markt behaupten sollen, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilt.
So soll die Zahl der Marktgebiete bis zum Jahr 2013 von heute sechs auf zwei verringert werden. Zudem sollen künftig die Kapazitäten der deutschen Gasnetze frei versteigert werden. "Wir tun gut daran, durch offene Märkte und einen transparenten Ablauf der Prozesse für mehr Wettbewerb zu sorgen", erklärte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP).
Ein Grund für den härteren Wettbewerb sind neue Erdgasvorkommen in den USA, die erst seit kurzem wettbewerbsfähig erschlossen werden können. "Wir rechnen daher weiter mit einem stark zunehmenden Konkurrenzkampf", sagte ein Sprecher des Energieverbandes BDEW.
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