VW: Kampfabstimmung könnte Machtspiel lösen
zuletzt aktualisiert: 04.03.2006 - 15:48München (rpo). Bei Volkswagen entspinnt sich ein Machtkampf zwischen dem Aufsichtsrats-Vorsitzenden Ferdinand Piech und Konzernchef Bernd Pischetsrieder. Mit einer Kampfabstimmung könnte eine Lösung gefunden werden. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der für den Großaktionär Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat sitzt, will Pischetsrieder wohl zur Wiederwahl vorschlagen.
Dies geht aus einem Bericht der "Wirtschaftswoche" hervor, nach dem Wulff bereits am 19. April auf einer außerordentlichen Sitzung des Gremiums Pischetsrieder vorschlagen möchte.
Einen Tag später solle dann die Entscheidung fallen. Der VW-Chef selbst rechnet weiter fest mit einer Verlängerung seines Vertrags und kann dabei offenbar auch auf Rückendeckung vom zweiten Großaktionär Porsche hoffen.
Pischetsrieders Vertrag, der erst im kommenden Jahr ausläuft, sollte eigentlich sogar vorzeitig verlängert werden. Nachdem der VW-Chef aber wegen seines harten Sanierungskurses und des drohenden Wegfalls von bis zu 20.000 Stellen bei der Kernmarke VW bei den Arbeitnehmern in der Kritik geraten war, ist die Vertragsverlängerung inzwischen umstritten. Die öffentliche Diskussion darüber hatte Pischetsrieders Vorgänger Piëch in der vergangenen Woche durch ein Zeitungsinterview losgetreten.
Schon im Januar habe Piëch versucht, Pischetsrieder zu stürzen, hieß es im Magazin "Focus". Nach dem Einstieg des Sportwagenbauers Porsche bei VW habe Piëch damals Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und dem niedersächsischen Ministerpräsidenten vorgeschlagen, Pischetsrieder durch den Audi-Chef Martin Winterkorn zu ersetzen. Sowohl Wiedeking als auch Wulff hätten sich aber gegen Winterkorn ausgesprochen.
Nach übereinstimmenden Berichten der "WirtschaftsWoche" und des Nachrichtenmagazins "Spiegel" soll die Entscheidung nun auf einer Sondersitzung des VW-Aufsichtsrats am 19. und 20. April fallen. Wulff werde es notfalls auch auf eine Kampfabstimmung ankommen lassen, schrieb die "WirtschaftsWoche" unter Berufung auf eine Quelle aus dem Aufsichtsrat. Dabei setze er offenbar auch auf die volle Unterstützung von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der erst seit wenigen Tagen in dem Kontrollgremium sitzt.
Offene Rückendeckung erhielt der VW-Chef von Porsche-Finanzvorstand Holger Härter, der demnächst in den VW-Aufsichtsrat einzieht. "Mit Herrn Pischetsrieder ist ein sehr erfahrener Autoexperte an der Spitze von VW", sagte Härter der "Welt am Sonntag". "Wir können uns auf ihn verlassen, was sehr wichtig ist."
Widersprüchliche Informationen kursierten über die Haltung der Arbeitnehmer. Laut "Focus" unterstützen die zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat Piëchs Umsturzpläne. "Momentan würden wir alle geschlossen gegen seine Vertragsverlängerung stimmen, weil Pischetsrieder einen Konfrontationskurs gegen die Beschäftigten fährt", sagte ein VW-Betriebsrat und Aufsichtsrat dem Magazin. Dagegen zitierte die "Augsburger Allgemeine" vom Samstag ein Aufsichtsratsmitglied mit den Worten: "Pischetsrieders Vertrag wird letztlich mit den Stimmen der Arbeitnehmervertreter verlängert werden."
Pischetsrieder selbst bekräftigte, er werde um seinen Chefposten bei Volkswagen kämpfen. "Ich will das, was ich vor Jahren begonnen habe, zu einem nachhaltigen Erfolg führen", sagte er der "WamS". "Der Vorstand wird dafür bezahlt, das Unternehmen so aufzustellen, dass es langfristig erfolgreich ist. Mit diesem Verständnis habe ich Volkswagen bisher geführt und werde es auch weiter tun", fügte Pischetsrieder hinzu. Er verteidigte auch sein Sanierungspläne: Dass es niemandem gefalle, wenn Arbeitsplätze wegfallen, sei "logisch". Doch könne nur ein profitables und wettbewerbsfähiges Unternehmen Arbeitsplätze sichern.
Mit Blick auf Spekulationen, er könne durch den derzeitigen Audi-Chef ersetzt werden, spottete Pischetsrieder im "Spiegel": "Die Frage, ob Winterkorn mich ablöst, wird uns beide noch begleiten, bis wir 65 sind."
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