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  Foto: VECTUR, AP
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Vertrag für Gas-Pipeline unterzeichnet: Kann Nabucco Europa dauerhaft wärmen?

zuletzt aktualisiert: 13.07.2009 - 14:08

Ankara (RPO). Nabucco soll ein Befreiungsschlag für Europa sein. Die neue Pipeline soll Gas von Zentralasien nach Europa bringen. Der Vertrag für den Bau wurde am Montag in Ankara unterschrieben. Durch die Umgehung Russlands sollen Gas-Krisen wie im vergangenen Winter der Vergangenheit angehören. Doch es gibt Probleme.   

Viele Europäer erinnern sich nur zu gut an die Gas-Krisen der vergangenen Winter. Streit zwischen Russland und der Ukraine führte dazu, dass Moskau mitten in der kalten Jahreszeit den Gashahn abdrehte – Europa bekam seine energiepolitische Abhängigkeit von Russland drastisch zu spüren. Nabucco soll das ändern: In Ankara wurde jetzt ein Rahmenvertrag über den Bau der Pipeline unterzeichnet, die Gas von Zentralasien unter Umgehung Russlands nach Europa bringen soll.

Nabucco soll 3300 Kilometer lang werden

Rund 3300 Kilometer lang soll Nabucco werden: Von den riesigen Gasvorräten des Kaspischen Meeres über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn bis nach Österreich sollen die Pipeline und ihre Zulieferleitungen reichen. Im kommenden Jahr soll mit dem Bau begonnen werden, und nach der für das Jahr 2014 angepeilten Fertigstellung soll Nabucco in der Lage sein, jedes Jahr 31 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa zu pumpen.

"Das Nabucco-Projekt ist von entscheidender Bedeutung für Europas Energiesicherheit", erklärte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Brüssel. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte vor der Unterzeichnung: "Heute erleben wir ein historisches Ereignis."

Joschka Fischer wird Nabucco-Berater

Die EU hofft, fünf bis zehn Prozent ihres Gasbedarfs über die Pipeline decken zu können und damit die Abhängigkeit von ihrem größten Lieferanten Russland zu mindern. Die Befreiung von der Vormachtstellung Moskaus bei der Gasversorgung wird rund acht Milliarden Euro kosten. An dem Projekt ist auch der deutsche Energiekonzern RWE beteiligt.

Anfang dieser Woche hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass der ehemalige Außenminister Joschka Fischer (Grüne) Berater beim Pipeline-Projekt wird. In seiner Arbeit solle sich Fischer auf die "Kontaktpflege und den Dialog mit der politischen Führungsebene der für die Umsetzung des Nabucco-Projekts relevanten Länder konzentrieren", hieß es. Das Unternehmen erklärte, der Vertrag mit dem 61-Jährigen sei zunächst bis 2010 befristet.

Auch Nabucco bringt Probleme mit sich

Aber wichtige Fragen sind noch ungelöst. Da sich einige potenzielle Lieferländer in Zentralasien bisher nicht zu Nabucco bekannt haben, bleibt als sichere Bank bisher nur Aserbaidschan, das aber nach Einschätzung des türkischen Energieexperten Necdet Pamir mit einer möglichen Jahreslieferung von lediglich vier Milliarden Kubikmeter die Pipeline nicht alleine füllen kann. Andere mögliche Lieferer wie Iran scheiden aus politischen Gründen aus; Teherans Vertreter wurden nach türkischen Presseberichten nicht zur Unterzeichnung eingeladen.

Türkei beansprucht 15 Prozent des Gases

Die russische Konkurrenz-Pipeline South Stream, die russisches Gas unter dem Schwarzen Meer nach Bulgarien transportieren soll, ist ein weiterer Faktor, der Nabucco Probleme bereiten könnte. Die Türkei als wichtigstes Transitland der Europa-Pipeline bestand zudem lange darauf, 15 Prozent des Gases für sich selbst oder für den Weiterverkauf abzuzwacken, weshalb sich die Unterzeichnung des Abkommens mehrfach verzögert hat.

Gerade für Deutschland ist die Pipeline aus dieser Perspektive problematisch, braucht das Land doch dreimal so viel Gas wie durch Nabucco geliefert werden kann. Die EU will sich deshalb auch auf anderem Wege absichern, indem sie den Ausbau alternativer Energieträger fördert. Vor allem Energie aus Wind, Sonne und Wasser soll gefördert werden.

Auch die Nabucco-Pipeline kann damit nicht alle Energieprobleme Europas lösen. Ebenso wie bei der russischen Pipeline bleiben Unsicherheiten. Mit Nabucco wäre man der Willkür von autoritär regierten Ländern wie Turkmenistan oder Aserbaidschan ausgeliefert. Nicht unbedingt Garanten für eine konstante Lieferung in den kalten Wintertagen.

Quelle: AFP

 
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