Arbeitslosenzahl nur leicht gestiegen: Kanzlerin Merkel zeigt sich zufrieden
zuletzt aktualisiert: 01.09.2009 - 11:58Berlin (RPO). Die Krise wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich im August weiter erhöht. Sie stieg im Vergleich zum Juli um 9000 auf 3,472 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Der negative Effekt wird dabei durch das Kurzarbeitergeld erheblich abgemildert. Kanzlerin Angela Merkel zeigt sich zufrieden.
Nach Darstellung der Bundeskanzlerin ist die Arbeitslosenzahl niedriger als erwartet. "Erst einmal bin ich sehr froh, dass wir solche Arbeitsmarktzahlen haben", sagte Merkel am Dienstag in einem Interview des Bayerischen Rundfunks. "Wir haben es geschafft, in einer Zeit, wo wir gar kein Licht am Ende des Tunnels sahen, die Arbeitsmarktzahlen sehr, sehr gut im Lot zu halten."
Dies sei ein Erfolg der Arbeitsmarktpolitik sowie der Anstrengungen von Betriebsräten, Arbeitnehmern und Arbeitgebern in den Unternehmen. "Die Verantwortung, die alle miteinander übernommen haben in dieser schwierigen Situation, ist etwas sehr Erfreuliches für Deutschland", sagte die CDU-Chefin.
Auch für die nächsten Monate äußerte sie sich verhalten optimistisch. "Wir wissen, dass wir mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit rechnen müssen, aber wir wissen nicht, wie stark." Schon für diesen Sommer seien höhere Arbeitslosenzahlen erwartet worden. Nun hätten einige Unternehmen, die vor Monaten Entlassungen ins Auge gefasst hätten, diese wieder verworfen. "Wir müssen ein Stück jetzt auf Sicht fahren", sagte Merkel.
Kurzarbeit rettet 500.000 Jobs
"Vor allem Kurzarbeit stabilisiert den Arbeitsmarkt", erklärte der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise. Die Auswirkungen der Rezession seien bisher "vergleichsweise moderat". Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 8,3 Prozent.
Allerdings machte sich erneut die Änderung der Arbeitslosenstatistik zum 1. Mai bemerkbar, wodurch von privaten Vermittlern betreute Jobsuchende nicht mehr als arbeitslos gelten. Ohne diese Änderung hätte die Zunahme 25.000 betragen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren 276.000 Menschen mehr ohne Arbeit.
Seit Beginn der Wirtschaftskrise im Oktober 2008 bis Ende August hätten 125.000 Unternehmen für bis zu 3,4 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit beantragt, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. Tatsächlich kurzgearbeitet hätten aktuellen Daten vom Juni zufolge 1,43 Millionen Menschen in etwa 50.000 Betrieben. Dadurch seien bisher etwa 500.000 Vollzeitstellen gerettet worden.
Trotz Wirtschaftskrise gebe es aber nach wie vor Branchen, in denen Arbeitskräfte gesucht würden, sagte Weise. Er nannte die Bereiche Unterricht und Erziehung, Gesundheit, Soziales und Gastgewerbe. Dort sei die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weiter gestiegen. "Und fast überall sehen wir, dass Fachkräfte gesucht werden", betonte er.
Den jüngsten Anstieg der Arbeitslosigkeit führt Weise vor allem auf Arbeitslosmeldungen von unter 25-Jährigen zurück. Diese hätten sich nach ihrem Schulabschluss bis zur Aufnahme einer Berufsausbildung oder eines Studiums vorübergehend als jobsuchend gemeldet.
Für den weiteren Jahresverlauf zeigte sich der BA-Chef vorsichtig optimistisch. Umfragen unter Unternehmen hätten gezeigt, dass es zwar zu Entlassungen kommen werde. "Diese werden aber unter dem liegen, was wir alle zu Beginn des Jahres befürchtet haben", erklärte er.
Arbeitsminister Scholz ist zuversichtlich
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz äußerte sich zuversichtlich, dass durch einen weiteren Ausbau der Kurzarbeit die Zahlen wesentlich besser ausfallen könnten als vorausgesagt. Er zeigte sich zugleich "völlig sicher", dass Arbeitgeber nicht mit der Kündigung vieler Angestellter zurückhielten, um die Politik bis zur Bundestagswahl zu schonen. "Ich kenne keinen Arbeitsgeber, der plant, nach der Wahl zu kündigen", sagte der Minister in Hamburg.
Für das Gesamtjahr geht die BA von nicht ganz 3,7 Millionen Arbeitslosen im Durchschnitt aus. "Das heißt, dass wir zum Ende des Jahres nicht auf die vier Millionen kommen werden, sondern darunter bleiben werden", erklärte der BA-Chef. Im nächsten Jahr sei zwar ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu erwarten. Die Fünf-Millionen-Marke sollte aber nicht überschritten werden.
Angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit wird die BA im kommenden Jahr vor leeren Kassen stehen: Die derzeitige Rücklage von fast 17 Milliarden Euro werde vom erwarteten Haushaltsdefizit für 2009 in gleicher Höhe aufgebraucht, sagte Weise.
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