Fehlende Unterschriften sind da: Karstadt-Rettung ist besiegelt
zuletzt aktualisiert: 03.09.2010 - 13:12Essen (RPO). Das monatelange Ringen um die Rettung der Warenhauskette Karstadt ist zu einem guten Ende gekommen. Das Bundesarbeitsministerium teilte am Freitag mit, die Einigung auf die Übernahme des Karstadt-Konzerns sei "nunmehr durch alle nötigen Unterschriften bestätigt".
Das Karstadt-Vermieterkonsortium Highstreet hat sich endgültig mit dem Investor Nicolas Berggruen geeinigt. Die notwendigen Unterschriften unter den Mietvertrag lägen nun alle vor, sagte ein Highstreet-Sprecher am Freitag. Der Mietvertrag ist Voraussetzung für die Gültigkeit des Kaufvertrages, mit dem Karstadt aus der Insolvenz gerettet werden soll.
Die Einigung mit Berggruen sei durch "enorme Zugeständnisse" der Vermieter möglich gemacht worden, erklärte Highstreet. Damit habe Highstreet "mehr als jeder andere Gläubiger" dazu beigetragen, einen soliden Neustart von Karstadt zu ermöglichen.
Berggruen sei nun "in der Pflicht", Kapital und Ressourcen einzusetzen und zu beweisen, dass sein Plan für Karstadt gelingen könne. Highstreet hatte dies in der Vergangenheit stets bezweifelt. Das Konsortium war mit einem eigenen Angebot beim Karstadt-Gläubigerausschuss abgeblitzt.
Mit Applaus empfangen
Karstadt-Investor Nicolas Berggruen äußerte sich optimistisch zur Zukunft der angeschlagenen Warenhauskette geäußert. "Karstadt steht", sagte er am Freitag in Berlin. "Karstadt wird jetzt, glaube ich, ein sehr aufregendes Leben haben. Ich bin persönlich glücklich, dass ich dabei bin." Nach der Insolvenz könne wieder investiert werden. "Wir werden sehr viel Geld in die Modernisierung der Häuser, des Ambientes stecken, so Berggruen".
Bundesarbeitsministerin von der Leyen ( sieht eine gute Überlebenschance für den Konzern mit seinen 25.000 Mitarbeitern. "Karstadt ist zwar noch nicht überm Berg", sagte sie. Aber es gebe eine realistische Chance dafür, dass das Unternehmen erfolgreich arbeiten werde.
Die Mitarbeiter der Karstadt-Filiale am Kurfürstendamm hatten Berggruen zu der Pressekonferenz mit Applaus empfangen. "Herzlich Willkommen!" stand auf einem Transparent.
Das Vermieter-Konsortium Highstreet, dem allein 86 Häuser gehören, und seine Geldgeber spannten Berggruen bis zum letzten Tag auf die Folter. Die Investoren hatten in London beraten. Erst kurz vor Toresschluss hatte sich Highstreet Verhandlungskreisen zufolge dabei mit einer letzten Gruppe von Geldgebern über eine Umschuldung verständigt, um die tagelang erbittert gerungen worden war. Der Terminplan ist freilich eng gesteckt.
Die Gewerkschaft Verdi begrüßte die sich abzeichnende Einigung. "Wir nehmen zur Kenntnis, dass alle Signale, die wir bekommen, positiv sind", sagte eine Sprecherin. Dies sei auch eine gute Botschaft für die Beschäftigten.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
