Börsengang: KarstadtQuelle will Neckermann verkaufen
zuletzt aktualisiert: 28.11.2006 - 08:02Hamburg (RPO). Der Handelskonzern KarstadtQuelle will das Essener Unternehmen die Tochter neckermann.de an die Börse bringen. Sollte das nicht gelingen, ist auch der Verkauf der Nummer drei im deutschen Versandhandelsmarkt möglich. KarstadtQuelle will das Versandhandelsgeschäft künftig auf den europäischen Marktführer Quelle konzentrieren.
Gestärkt werden soll den Angaben zufolge vor allem die führende Position Quelles unter den deutschen Versandhändlern im Internet. Zudem plane Quelle den Einstieg in den Teleshopping-Markt. Gleichzeitig werde das Auslandsgeschäft "konsequent auf Wachstumsregionen" ausgerichtet.
Ein besonderer Schwerpunkt soll das Geschäft im deutschsprachigen Raum sowie in Mittel- und Osteuropa und dort vor allem in Russland sein. Die Gesellschaften in Frankreich, Portugal und Spanien sollen verkauft werden. Entsprechende Verhandlungen liefen bereits. In Belgien und den Niederlanden sollen zu Beginn kommenden Jahres die Geschäftsaktivitäten eingestellt werden.
Im Spezialversand will sich der KarstadtQuelle-Konzern den Angaben zufolge auf die drei Segmente "Golden Ager", "Premium" und "Communities" beschränken und sich von allen übrigen Spezialversendern mittelfristig trennen.
Auch die Versandhandels-Service-Gruppe will KarstadtQuelle verkaufen oder in ein Gemeinschaftsunternehmen einbringen. Zur Service-Gruppe gehören laut KarstadtQuelle 14 Call-Center sowie 5 Logistikstandorte und IT-Dienstleister mit insgesamt 10 000 Beschäftigten.
Mit dem Umbau zieht der Essener Konzern die Konsequenzen aus den zurückgehenden Umsätzen und den Verlusten im Versandhandelsgeschäft. Im abgelaufenen dritten Quartal war der Umsatz von Quelle und neckermann.de auf Jahressicht um 7,1 Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro gesunken.
Das Betriebsergebnis betrug minus 61,4 Millionen Euro nach einem Minus von 55,1 Millionen Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Das Management hatte deshalb Anfang November weitere "stabilisierende Maßnahmen" für die nächsten zwei Jahre angekündigt, ohne allerdings Einzelheiten zu nennen.
Der Leiter Investor Relations, Detlef Neveling, erläuterte, der Konzern wolle auch nach dem Börsengang an der Tochter beteiligt bleiben, die im vergangenen Jahr "gut eine Milliarde Euro umgesetzt" hat. Die Höhe der Beteiligung stehe aber noch nicht fest.
Mit dem Konzern vertraute Kreise sehen hinter dem geplanten Börsengang jedoch noch ein großes Fragezeichen. "Auch eine Reihe von Finanzinvestoren" sei an der deutschen Nummer drei des Versandhandelsmarktes interessiert, hieß es.
Der Aktienkurs von KarstadtQuelle wurde von den angekündigten Umbauplänen beflügelt. Am Mittag notierten die Anteilsscheine an der Frankfurter Börse mit einem Plus von 5,7 Prozent bei rund 21 Euro.
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