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Hans Van Bylen
Wie der neue Henkel-Chef tickt

Henkel: Hans Van Bylen folgt auf Kasper Rorsted
Henkel: Hans Van Bylen folgt auf Kasper Rorsted FOTO: dpa, fg tmk wst
Düsseldorf. Nach acht Jahren als Vorstandschef wechselt Kasper Rorsted zu Adidas. Sein Nachfolger Hans Van Bylen ist schon 32 Jahre bei dem Traditionskonzern und wird wohl den internen Teamgeist stärken. Die Börse ist geschockt vom Wechsel. Von Kirsten Bialdiga und Reinhard Kowalewsky

Ein besseres Abgangszeugnis ist schlecht möglich: Nachdem Kasper Rorsted gestern seinen Weggang bei Henkel hatte verkünden lassen, fiel der Aktienkurs um vier Prozent. Beim künftigen Arbeitgeber Adidas jubilierten die Anleger: Um zeitweise zehn Prozent sprang der Kurs.

Den neuen Henkel-Chef Hans Van Bylen, 54, begleiten trotzdem Vorschusslorbeeren. "Wir haben sehr großes Vertrauen in ihn", sagt ein Aufsichtsrat und erzählt, man habe sich schon vor Weihnachten darauf verständigt, den Belgier zum Chef zu machen, falls Rorsted gehe. "Ein guter Nachfolger und exzellenter Marketingmann", meint Michael Vassiliadis, Chef der bei Henkel tonangebenden Gewerkschaft IG BCE. Und während Rorsted rund um den Globus Interviews gab und auch bei Bankanalysten einen exzellenten Ruf genießt, hat Van Bylen intern ein exzellentes Standing. Nach dem etwas kühlen Dänen kommt nun ein betont warmherziger und dem Konzern auch innerlich tief verbundener Manager. "Ich sehe in dem Wechsel eine Chance", erklärte der frühere Henkel-Aufsichtsratschef Albrecht Woeste.

Seit zehn Jahren sitzt Van Bylen im Vorstand von Henkel, ungefähr doppelt so lange wie die weiteren vier Mitglieder des Führungsgremiums. Das war ein Kriterium für seine Wahl durch den Aufsichtsrat. Seit 32 Jahren ist der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern bei Henkel. Als 23-jähriger Außendienstler für Waschmittel kam der Wirtschaftswissenschaftler 1984 und stieg dann immer weiter auf. Wenn der Konzern in sein Gästehaus nach Hösel geladen hatte, war Van Bylen schon länger dabei. An einem der schweren Holztische in dem ehrwürdigen Anwesen saß er dann. Einer, der in der Menge leicht untergeht.

Er wirkt nicht so, als würde ihm das etwas ausmachen, als bräuchte er die Bühne, den großen Auftritt. Der Belgier gibt sich betont bescheiden. Mit seinem charmanten Akzent plaudert er mit Tischnachbarn zur Rechten und zur Linken, gibt geduldig und zugewandt Auskunft über das Geschäft. Gern nutzt er dann die Gelegenheit für eine kleine persönliche Marktstudie, fragt nach, welche Kosmetik und Cremes seine Gesprächspartner benutzen. Und bleibt auch dann freundlich, wenn es dabei nicht um Henkel-Produkte geht.

Interessant ist, dass Van Bylen die kleinste der drei Sparten führt. Aber mit einer Kapitalrendite von 21,2 Prozent schlägt sie die viel größere Klebstoffsparte und das Waschmittelgeschäft. Van Bylen gilt als Innovationsantreiber. Alle Mitarbeiter müssten mehr riskieren, statt das Geschäft nur zu verwalten: "Wir leben die Kultur der Veränderung. Wenn etwas nicht läuft, muss man es verbessern."

Manche Vertreter der Arbeitnehmer hoffen nun, dass nach dem harten Rationalisierungsdruck unter Rorsted ein sanfterer Kurs kommt. Richtig ist, dass der neue Chef den Konzern etwas mehr als Familienunternehmen sieht als der eher angelsächsisch geprägte Vorgänger. Aber vor harten Schritten schreckte auch Van Bylen nicht zurück: So schloss er früher mehr als fünf Fabriken, weil diese nicht die erhofften Ergebnisse brachten.

Van Bylen betont aber auch, wie wichtig ihm eine gute Firmenkultur ist: "Wenn ich in der Henkel-Kosmetik-Welt unterwegs bin", erzählte er vor Jahren, "dann will ich zum Beispiel vor Ort immer die fünf Top-Talente sehen und mit ihnen reden." Das habe Vorbildcharakter für andere Manager. "Jeder Mitarbeiter merkt, aha, der Hans Van Bylen kümmert sich und legt Wert auf Mitarbeitergespräche, also sollte ich das auch tun."

Das klingt gut. Aber man muss hinzufügen: Auch Rorsted führte bei seinen Reisen rund um die Welt hunderte Gespräche mit Beschäftigten. Es gebe keinen besseren Weg, um gute Leute an Henkel zu binden. Ihn selbst haben die vielen Gespräche aber nicht in Düsseldorf gehalten.

Quelle: RP
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