Eine Milliarde Euro Potenzial: Kassen wollen bei Hausärzten sparen
zuletzt aktualisiert: 12.12.2009 - 09:50(RP). Wegen der drohenden Zusatzbeiträge für gesetzlich Krankenversicherte suchen die Kassen händeringend nach Einsparmöglichkeiten. Die sehen sie bei den Hausärzten. "Das Gesetz, dass die Krankenkassen mit einer Mehrheit der Hausärzte Verträge abschließen müssen, muss dringend wieder abgeschafft werden", sagte die designierte Vorsitzende der Barmer Ersatzkasse, Birgit Fischer, unserer Redaktion.
Wegen der höheren Vergütung der Ärzte koste die Regelung die Krankenkassen viel Geld, bringe den Versicherten aber kaum zusätzlichen Nutzen. "Hier sehe ich für die gesetzlichen Kassen ein Einsparpotenzial von mehr als einer Milliarde Euro jährlich, ohne dass die Versicherten einen Nachteil hätten", betonte Fischer.
Wenn die Kassen mehr Vertragsfreiheit bekämen, ihre Versicherten durch das System zu lotsen, dann könnten die Kassen sie optimal versorgen und es ließen sich Kosten sparen, weil so beispielsweise Doppeluntersuchungen vermieden werden könnten. Die Hausärzte sollten in dem System dennoch eine "zentrale Rolle" spielen, wie Fischer betonte.
Hausärzte sollen weiter zentrale Rolle
Nach aktueller Gesetzeslage sind die Kassen verpflichtet, einen Vertrag mit den Hausärzten abzuschließen. Aus Sicht der Kassen haben die Mediziner einen zu großen Spielraum, ihre Bedingungen zu diktieren. So erhalten die Hausärzte in Baden-Württemberg von der AOK zwischen 75 und 80 Euro pro Quartal für die Versorgung der Patienten. In Nordrhein, wo die Hausarztverträge derzeit noch verhandelt werden, bekommen die Mediziner derzeit zwischen 31 und 38 Euro pro Patient und Quartal.
Ziel ist, dass vor allem ältere Versicherte und chronisch Kranke stets als erstes ihren Hausarzt aufsuchen und so medizinische Hilfe aus einer Hand bekommen. Aus Sicht der meisten Krankenkassen stimmt bei der jetzigen Regelung die Kosten-Nutzen-Relation nicht. "Die hausärztliche Versorgung muss weiter gefördert werden, aber der derzeitige Weg ist falsch", sagte der Chef der AOK-Rheinland, Wilfried Jacobs.
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