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Für 2,8 Milliarden Euro
Metro verkauft Kaufhof an kanadische Hudson's Bay

Kaufhof verkauft: Metro-Aktie verliert
FOTO: Radowski
Köln. Der Handelskonzern Metro verkauft seine Warenhaustochter Kaufhof für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay. Das teilte die Metro AG am Montagmorgen in Düsseldorf mit. Mitbieter René Benko hat damit das Nachsehen. Die Metro-Aktionäre reagieren enttäuscht. Von Georg Winters

Die Vereinbarung umfasst der Mitteilung zufolge das in Deutschland vornehmlich unter Galeria Kaufhof sowie in Belgien unter Galeria Inno operierenden Warenhausgeschäft und die dazugehörenden Immobilien. Die Transaktion werde voraussichtlich Ende September 2015 abgeschlossen sein. Damit stechen die Kanadier den Karstadt-Eigentümer Signa aus, die ebenfalls für Kaufhof geboten hatte. Der österreichische Karstadt-Eigner René Benko soll früheren Medienberichten zufolge ein Angebot in ähnlicher Höhe abgegeben haben.

Hudson's Bay will Kaufhof nach der milliardenschweren Übernahme mit Investitionen stärken. In das Geschäft von Kaufhof seien schnelle Investitionen geplant, sagte Unternehmenschef Richard Baker während einer Telefonkonferenz am Montag. Über die genaue Höhe machte er aber noch keine Angaben. So soll unter anderem der E-Commerce - die Verbindung des Online-Handels mit dem Verkauf in den Filialen - ausgebaut werden. Zudem könnten Läden der Luxus-Marke Saks Fith Avenue in ausgewählten Kaufhof-Häusern eröffnet werden.

Hudson's Bay - bei dem Namen haben bis vor Kurzem noch die meisten mit den Schultern gezuckt. Die mehr als 300 Jahre alte kanadische Handelsgruppe gehörte nicht zu denen, deren Name in der ersten Reihe stand, wenn es darum ging, mögliche Käufer für Galeria Kaufhof zu eruieren. Doch dann tauchten die Nordamerikaner plötzlich als Rivale des Karstadt-Eigentümers Signa Holding auf, und nun haben sie dem Vernehmen nach sogar deutlich die Nase vorn. Daran ändert auch ein Verlust von rund 39 Millionen Euro im ersten Geschäftsquartal nichts mehr. Das Minus haben die Kanadier mit höheren Verwaltungskosten begründet.

Beim Kaufhof-Eigentümer Metro sind sie wegen der roten Zahlen offenbar nicht sonderlich nervös geworden. Dabei schien vor wenigen Tagen das Rennen um Galeria Kaufhof noch völlig offen. Rund 2,9 Milliarden Euro waren geboten worden, und der Unterschied zwischen den Offerten der Hudson's Bay und der Signa Holding wirkte in nackten Zahlen beinahe marginal. René Benko, der österreichische Signa-Macher, erschien den Verantwortlichen auf der Metro-Seite deutlich vertrauenswürdiger als Ende 2011 bei seinem ersten Anlauf, bei dem er den Deal unter anderem mit Hilfe eines Verkäuferdarlehens stemmen wollte.

Aber am Ende scheint dem Österreicher auch die Unterstützung renommierter Banken nicht helfen zu können. Benko steht am Ende wohl wieder mit leeren Händen da. Auch die Signale, die Karstadt-Chef Stephan Fanderl jüngst aussandte, haben ihr Ziel offenbar nicht erreicht. Fanderl hatte eine langjährige Standort- und Beschäftigungsgarantie für alle Häuser angekündigt, einen Erhalt selbst von Doppelstandorten (wie zum Beispiel in Düsseldorf) und die Aufrechterhaltung der Tarifbindung bei Galeria Kaufhof. Ob Karstadt auch bereit wäre, die Tarifbindung bei Karstadt wiederzubeleben, bleibt offen.

Verdi fordert verbindliche Zusagen

Unabhängig davon hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ihre Forderungen an den künftigen Kaufhof-Eigentümer klar formuliert. Sie will rechtsverbindliche Zusicherungen für die Belegschaft. "Die Beschäftigten von Galeria Kaufhof haben einen Anspruch darauf, dass sie die Sicherheit ihrer tariflichen Einkommen und Arbeitsplätze nicht nur mündlich zugesichert bekommen. An wen das Unternehmen verkauft wird, muss von klaren Zusagen abhängig gemacht werden und in einer Form, die Rechtssicherheit bietet", betonte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Verdi hatte dazu die beiden Kaufinteressenten angeschrieben, um mit ihnen eine Absichtserklärung zu ihren Kernforderungen zu vereinbaren. Den Gewerkschaftern geht es auch nicht nur um die Tarifbindung sowie die Standort- und Beschäftigungsgarantien. Auch filialbezogene Concession- und Fremdbewirtschaftungsquoten sind ihnen wichtig. Das heißt: Die Gewerkschaft möchte pro Kaufhof-Niederlassung festgezurrt wissen, wie viel Fläche von Fremdnutzern bestückt wird. Die Verdi-Rechnung: Je mehr Platz Markenartikler vor allem im Modebereich für sich beanspruchen, um so mehr eigene Mitarbeiter werden sie dann auch in die Kaufhof-Filialen schicken, und um so weniger ist dann Platz für die eigenen Beschäftigten von Galeria Kaufhof.

Eine weitere Verdi-Forderung ist die nach einem Festhalten an den derzeitigen Mitbestimmungsregeln. Mit letzterer hat Hudson's Bay bislang keine Erfahrungen. Und trotzdem hatten die Kanadier zuletzt angeblich die Kaufhof-Belegschaft auf ihrer Seite. Denn für zwei Hauptverwaltungen ist im Karstadt-Kaufhof-Modell kein Platz. Und in solchen Fällen fallen dann in der Regel Jobs in beiden Hauptverwaltungen weg.

Kaufhof-Verkauf enttäuscht Metro-Aktionäre

Der beschlossene Verkauf der Warenhaustochter Kaufhof hat die Aktionäre des Handelskonzerns Metro am Montag ernüchtert. Das Papier sackte im frühen Handel um 4,90 Prozent auf 29,485 Euro ab und kostete damit so viel wie zuletzt Ende Februar. Ausgehend von ihrem im April erreichten vorläufigen Jahreshoch bei 34,81 Euro büßte die Metro-Aktie inzwischen gut 15 Prozent ein. Im Index der mittelgroßen Unternehmen MDax, der sich am Montag bei einem Minus von zuletzt 1,38 Prozent ebenfalls sehr schwach zeigte, waren die Metro-Titel der schwächste Wert.

Einige Anleger hätten wohl auf einen höheren Verkaufspreis bei der Übernahme von Kaufhof durch den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay gehofft, sagte ein Händler. Zudem dämpfe ein Pressebericht Hoffnungen auf eine Sonderausschüttung. So hatte Metro-Finanzchef Mark Frese der "Börsen-Zeitung" (Samstag) angesichts des wahrscheinlichen Verkaufs gesagt, dass der Milliardenerlös in den Schuldenabbau und in Investitionen gesteckt werde.

 

(RP/dpa)
 
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