Investor und Kunstliebhaber Berggruen: Kaufvertrag für Karstadt unterschrieben
zuletzt aktualisiert: 08.06.2010 - 17:59Essen (RPO). Auf dem Weg zu einer Zukunft für die insolvente Kaufhauskette Karstadt ist eine weitere Hürde genommen. Am Dienstag ist der Kaufvertrag mit dem Investor Nicolas Berggruen unterzeichnet worden, wie Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg mitteilte. Der Abschluss des Vertrags ist den Angaben zufolge eine der Bedingungen für den Insolvenzplan.
Görg bat alle Beteiligten, "das mir geschenkte Vertrauen auf den neuen Eigentümer und seine Mannschaft zu übertragen". Nun wird am Donnerstag (10. Juni) das Amtsgericht Essen entscheiden, ob alle Bedingungen des Insolvenzplans erfüllt sind.
In dem Kaufvertrag werden die Bedingungen vereinbart, nach deren Umsetzung der Verkauf vollzogen und rechtskräftig werden kann, hieß es weiter. Dazu gehörten die Zustimmung des Kartellamts sowie eine abschließende Vereinbarung des Käufers mit dem Vermieter Highstreet. Der Vertragsabschluss solle und müsse dazu beitragen, bei den Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten, Kreditversicherern sowie den Vermietern das Vertrauen in die Stabilität und das Wachstum von Karstadt Schritt für Schritt zu steigern, sagte Görg. Karstadt beschäftigt in seinen 120 Filialen rund 25 000 Beschäftigte.
Am Montag hatte der Gläubigerausschuss von Karstadt mit großer Mehrheit beschlossen, den Finanzinvestor Berggruen zum neuen Eigentümer zu machen. Mit der Entscheidung ist eine Zerschlagung des Konzerns vom Tisch. Vor fast genau einem Jahr war der Insolvenzantrag für das Unternehmen gestellt worden.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) wertet die Entscheidung des Gläubigerausschusses als gute Nachricht. "Damit ist Karstadt einen ganz wichtigen Schritt vorangekommen", sagte er am Dienstag. Diese privatwirtschaftliche Lösung zeige, dass ein Insolvenzverfahren nicht zur Abwicklung eines Unternehmens führen müsse. Besonders erfreut sei er, dass mit dieser Entscheidung für die Beschäftigten des Unternehmens "ein gutes Stück mehr Klarheit" gewonnen sei.
ver.di-Vize Margret Mönig-Raane sagte im rbb-inforadio, dass ein wichtiger Abschnitt geschafft sei, wenngleich auch noch nicht alles in trockenen Tüchern sei. Ein wichtiger Punkt bei den weiteren Verhandlungen sei das Thema der Mietpreise. "Es gibt ein Paket, dass die Vermieter selber anbieten, weil unstrittig ist, dass mit diesen Mieten kein Betreiber die Warenhäuser profitabel führen kann", sagte sie. Daher hätten sie angeboten, über fünf Jahre auf einen dreistelligen Millionen-Betrag an Mieten zu verzichten.
Neben Berggruen hatten die Beteiligungsgesellschaft Triton und das Immobilienkonsortium Highstreet für Karstadt geboten. Den Ausschlag für Berggruen hat das Konzept des Investors zur nachhaltigen Fortführung des Warenhausgeschäftes gegeben.
Bereits im November 2009 hatten die Karstadt-Gläubiger beschlossen, dass der Ausschuss bei seiner Entscheidung besonderes Augenmerk auf diesen Punkt legen soll, sagte Görg. Berggruen wurde mit auf den Weg gegeben, zügig stabile Rahmenbedingungen für alle Beteiligten - insbesondere die Lieferanten - sicherzustellen.
Die Abtretung der Gesellschaftsanteile soll Görg zufolge vermutlich im August vollzogen werden.
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