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Wirtschaft: Kaum Chancen auf Lohnsteigerungen

zuletzt aktualisiert: 04.01.2010 - 10:15

Berlin (RPO). Viele Arbeitnehmer sollen nach dem Willen von Wirtschafts- und Tarifexperten im Jahr 2010 eine Lohnpause einlegen. Das Potenzial für Lohnsteigerungen sei "nahezu aufgefressen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, in einem Interview.

Widerspruch kam von der IG Metall: "Gegenwärtig gibt es keinen Grund für eine Lohnpause. Eine generelle Lohnpause ist schädlich für die Wirtschaft", sagte Vorstandsmitglied Helga Schwitzer der Nachrichtenagentur DAPD.

In vielen Branchen hätten die Löhne nach Ansicht des DIHK in der Krise eigentlich deutlich sinken müssen. Mit der Kurzarbeit hätten die Firmen Beschäftigung gehalten, dafür aber viel Geld bezahlt. Dieses Geld fehle in den nun anstehenden Lohnrunden.

Zurückhaltung forderte auch DIW-Präsident Klaus Zimmermann: "Die Firmen sitzen auf hohen Personalbeständen, die sie nicht entlassen haben. Die gleiche Loyalität sollten jetzt die Beschäftigten üben und mittelfristig Lohnzurückhaltung zeigen", wurde der Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung zitiert. Dies könne in der einen oder anderen Branche auch eine zweijährige Lohnpause bedeuten.

"So gut wie nichts zu verteilen"

Augenmaß bei den anstehenden Tarifrunden forderte Tarifexperte Hagen Lesch vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. "Wir brauchen Lohnkürzungen wo nötig und Lohnerhöhungen wo möglich. Die Marschrichtung muss sein, dass es streng genommen so gut wie nichts zu verteilen gibt."

IW-Experte Lesch fügte hinzu, eine einjährige Lohnpause sei denkbar, aber nicht flächendeckend sinnvoll: "Vorsicht: Bei längeren generellen Lohn-Stopps gibt es Theater, wenn der Aufschwung kommt und die Gewerkschaften Nachschlag wollen."

Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise jedenfalls rechnet für 2010 mit dem stärksten deutschen Wirtschaftswachstum seit vier Jahren: "2010 wird ein gutes Konjunkturjahr für die deutsche Wirtschaft. Wir rechnen mit einem Wachstum von 2,8 Prozent. Das wäre das stärkste Plus seit 2006", sagte er der "Bild".

"Gift für die Konjunktur"

Mit der Metall- und Elektrobranche sowie der Chemieindustrie beginnen im Frühjahr die Tarifrunden für maßgebliche Wirtschaftszweige. Allein hier geht es um die Löhne und Gehälter von rund vier Millionen Arbeitnehmern. "Gerade in der Krise ist Kaufkraft unverzichtbar, damit die Nachfrage Wachstumsimpulse geben kann", sagte IG-Metall-Funktionärin Schwitzer. Aber auch Beschäftigungssicherung trage zu einer stabilen Nachfrage bei.

Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten erklärte, Lohnzurückhaltung habe "noch nie Arbeitsplätze gesichert". Im Hotel- und Gaststättengewerbe werde es keine Zurückhaltung geben, "da die Hoteliers aufgrund des Mehrwertsteuergeschenkes der Bundesregierung gut gefüllte Kassen haben dürften", sagte der bayerische Landeschef Hans Hartl.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Klaus Ernst, wies die Forderung nach Lohnnullrunden zurück. Diese wären "faktisch Lohnsenkungen und Gift für die Konjunktur".

Neue Tarifverträge für 9,4 Millionen Beschäftigte

Insgesamt werden bis Ende 2010 Tarifverträge für rund 9,4 Millionen Beschäftigte verhandelt, wie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Montag mitteilte. Darunter befinden sich auch die knapp zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen. Hier fordern die Gewerkschaft Verdi und der Beamtenbund ein Gesamtvolumen von fünf Prozent mehr Geld.

Quelle: APD/sdr

 
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