Ölpreis schlägt durch: Kerosin macht Pauschalreisen teurer
zuletzt aktualisiert: 10.10.2005 - 12:47Düsseldorf (RP). Der hohe Ölpreis schlägt durch. TUI und Neckermann erheben für die am 1. November beginnende Wintersaison Treibstoffzuschläge auf die Katalogpreise. Die ohnehin verhaltene Nachfrage wird weiter belastet.
Die einen lieben es, am weißen Sandstrand zu liegen und den Blick übers Meer schweifen zu lassen; andere reizt das Versinken in fremden Kulturen, das Wuseln-- von einer historischen Stätte zur nächsten: Aber wie auch immer für den Einzelnen der Traumurlaub aussieht -- er wird auf jeden Fall teurer. „Die Flugpreise werden merklich steigen. Das wird sich auf die Reisepreise auswirken”, prophezeite unlängst Jürgen Marbach, Chef des Düsseldorfer Ferienfliegers LTU, angesichts der durch den hohen Ölpreis drastisch gestiegenen Kerosinpreise. An den höheren Treibstoffkosten der Fluggesellschaften müssten die Reiseveranstalter beteiligt werden - was dann auch die Pauschalreisenden träfe. Marbach behält Recht.
Die Thomas-Cook-Tochter Neckermann erhebt für die kommende Wintersaison ab sofort einen Kerosinzuschlag auf Pauschalreisen, wie eine Sprecherin von Deutschlands zweitgrößtem Reiseveranstalter unserer Zeitung sagte. Bei Kurz- und Mittelstrecken sind elf Euro für Hin- und Rückflug zusätzlich zum Katalogpreis zu zahlen, bei Langstrecken 23 Euro. Bei einer Familie mit mehreren Kindern ergibt das erkleckliche Mehrkosten. Der Zuschlag gilt aber nur für Neubuchungen. Wer bis vorigen Freitag aus den ab 1. November gültigen Katalogen gebucht hatte, muss nicht mehr zahlen als im Katalog angegeben. Auch Marktführer TUI verlangt - bislang kaum wahrgenommen - seit vorigen Mittwoch einen Zuschlag auf den Katalogpreis. Bei Kurz- und Mittelstrecken liegt der bei fünf Euro für die einfache Strecke (also zehn Euro für Hin- und Rückflug) sowie bei 13 (26) Euro für Fernstrecken.
Der Branchendritte Rewe (ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg)hält sich bedeckt: „Bislang” sei ein solcher Schritt nicht geplant. Dass der hohe Ölpreis die Pauschalreise nur vorübergehend teurer macht, ist unwahrscheinlich. Große Ferienfluggesellschaften wie Air Berlin, Condor, Hapagfly und LTU haben gerade mit den Reiseveranstaltern für die Sommersaison 2006 verhandelt. Da habe es bereits Preiserhöhungen gegeben, verriet LTU-Chef Marbach. Wenn aber die Airlines höhere Preise verlangen, haben die Veranstalter angesichts knapper Gewinnmargen nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie erreichen bei Hotels und Transferpartnern bessere Konditionen - oder sie geben ihre Mehrkosten an die Kunden weiter. Was das für den Sommer bedeutet, dazu halten sich die Veranstalter noch bedeckt. „Wir sind gerade in der Kalkulation für die Kataloge”, hieß es vielerorts auf Anfrage.
Eine Sprecherin der Rewe-Touristik gestand immerhin: „Günstiger wird es wohl eher nicht.“ Mitte September hatte die TUI bereits mal wissen lassen, eventuell höhere Preise der Airlines im Sommer 2006 an die Kunden weitergeben zu müssen. Die Diskussion um Preiserhöhungen trifft die Reiseveranstalter in einer schwierigen Lage. Zwar ist das Jahr 2005 bislang sehr gut gelaufen. Die Reiselust der Deutschen für den Winter aber liegt bislang unter den Erwartungen. „Die bisherigen Buchungszahlen sind schlecht”, sagt LTU-Chef Marbach. Das aktuelle Minus schätzt er auf branchenweit knapp zehn Prozent. Das Branchenmagazin „Touristik-Report” zitierte gar jüngst einen Brancheninsider, der die Buchungen 15 Prozent unter Vorjahr sieht. „Der gesamte Markt leidet. Von einer Krise kann man aber nicht sprechen. Es ist zu früh, eine Prognose abzugeben”, sagt Rewe-Touristik-Geschäftsführer Dietmar Kastner.
Offiziell liegt bei den Kölnern das Minus im Vergleich zum Vorjahr bei rund zwei Prozent. Auch Deutschlands viertgrößter Anbieter Alltours liegt unter Vorjahr, nennt aber keine Zahlen. Bei TUI hieß es zu Spekulationen um zweistellige Rückgänge: „Das können wir so nicht nachvollziehen.” Nur Neckermann, früh in den Wintervorverkauf gestartet, sieht Zuwächse. Neben dem Konsumklima belasten vor allem die Nachwirkungen des Terrors in Ägypten und Bali sowie die Tsunami-Katastrophe in Südostasien das Geschäft. Und die sonst stark ausgebuchten Osterferien 2006 fallen diesmal nicht in die Wintersaison.
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