| 15.26 Uhr

Gefährliche Arbeit auf Tabak-Plantagen
Kinder erleiden massive Nikotinvergiftung

Fakten aus dem ersten deutschen "Tabakatlas"
Fakten aus dem ersten deutschen "Tabakatlas" FOTO: AFP
Blantyre (RPO). Zehntausende als Tabakpflücker arbeitende Kinder in Malawi (Afrika) sind laut einem Bericht einer gefährlich hohen Nikotinbelastung ausgesetzt. Die in London ansässige Kinderhilfsorganisation Plan International schätzt, dass in dem armen afrikanischen Land mehr als 78.000 Kinder jeden Tag bis zu zwölf Stunden auf den Tabakplantagen arbeiten.

Weil entsprechende Schutzkleidung fehle, nähmen sie über ihre Haut bis zu 54 Milligramm Nikotin pro Tag auf - das entspricht dem Rauch von etwa 50 Zigaretten, wie es in dem am Montag veröffentlichten Bericht weiter heißt.

Vergiftung wie durch 50 gerauchte Zigaretten

Die betroffenen Kinder zeigen demnach typische Symptome einer Nikotinvergiftung, beispielsweise starke Kopf- und Bauchschmerzen, Muskelschwäche, Husten und Atemnot. Außerdem führe die Vergiftung zu lange andauernden Veränderungen in der Struktur und Funktion des Gehirns. Einige der Symptome könnten auch von Pestiziden verursacht werden, denen die Kinder bei der Arbeit ausgesetzt seien.

Ein Verbot der Kinderarbeit auf den Plantagen sei unrealistisch, räumte ein Sprecher von Plan International in Malawi ein. Die Armut zwinge schon die Jüngsten, dort Geld zu verdienen. Die Organisation appellierte deshalb an die Arbeitgeber, den Kindern die erforderliche Schutzkleidung zur Verfügung zu stellen.

Stundenlohn: 0,01 Euro

In Malawi verdienen vier Fünftel der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt direkt oder indirekt in der Tabakindustrie. Die Kinder verdienten auf den Plantagen umgerechnet weniger als einen Euro-Cent pro Stunde, erklärte Plan International.

Die Organisation verwies darauf, dass die Tabakproduktion in großem Stil von den USA in Entwicklungsländer wie Malawi verlagert worden sei. Der Tabakkonzern Philip Morris erklärte, er kaufe Tabak von Lieferanten in Malawi auf, besitze dort selbst aber keine Plantagen.

Lieferanten müssten zusagen, keine Mitarbeiter unter 15 Jahren oder dem jeweils gültigen Mindestarbeitsalter zu beschäftigen. British American Tobacco erklärte, das Unternehmen beschäftigte direkt keine Kinder und sei gegen Kinderarbeit. Die Plantagen würden aber nicht kontrolliert. BAT wolle dem Bericht der Organisation nachgehen.

(AP/felt)
 
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