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Siemens in der Krise: Klaus Kleinfeld gibt auf

zuletzt aktualisiert: 25.04.2007 - 21:47

München (RPO). Siemens-Chef Klaus Kleinfeld gibt auf und stürzt Siemens damit in eine Krise: Kleinfeld hat erklärt, dass er für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung steht. Sein Vertrag endet am 30. September. Erste Namen werden bereits für die Nachfolge gehandelt, Klarheit gibt es aber noch nicht.

Eine Woche nach dem überraschenden Rücktritt des Siemens-Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer hat jetzt auch Vorstandschef Klaus Kleinfeld seinen Abgang angekündigt. Er habe dem Aufsichtsrat mitgeteilt, dass er für die anstehende Verlängerung seines Ende September auslaufenden Vertrages nicht mehr zur Verfügung stehe, teilte Siemens am Mittwoch nach einer Aufsichtsratsitzung in München mit. Zu einem Nachfolger wollte sich der Konzern auch auf Nachfrage nicht äußern. Zudem wählte der Aufsichtsrat erwartungsgemäß Gerhard Cromme zu seinem neuen Vorsitzenden. Die Aktie reagierte mit leichten Kursverlusten.

Kleinfeld begründete seinen Entschluss mit den laufenden Diskussionen im Aufsichtsrat darüber, die eigentlich anstehende Vertragsverlängerung erneut zu verschieben. "In diesen Zeiten braucht das Unternehmen Klarheit über seine Führung. Daher habe ich mich entschlossen, für die Verlängerung meines Vertrags nicht mehr zur Verfügung zu stehen", wird Kleinfeld in einer Mitteilung zitiert. Ein Schwebezustand sei für die Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre unakzeptabel, erklärte er am Abend. Zugleich betonte Kleinfeld, gegen ihn liege nichts vor.

Der neue Aufsichtsratschef Cromme dankte Kleinfeld für "seine entschlossene und erfolgreiche Führung von Siemens in den vergangenen zwei Jahren". Cromme betonte, dass die bisherigen Untersuchungen keinerlei Anhaltspunkte für ein persönliches Fehlverhalten oder eine Mitwisserschaft Kleinfelds im Zusammenhang mit den Korruptionsaffären ergeben haben. Der Konzern steht seit Monaten wegen der Schmiergeldaffären, in der mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln, unter Druck.

Eigentlich war seit längerer Zeit erwartet worden, dass Kleinfelds Vertrag auf der turnusmäßigen Sitzung des Kontrollgremiums um fünf Jahre verlängert wird. Am Dienstag war dann in Medienberichten erstmals über eine Ablösung Kleinfelds spekuliert worden. Mehrere Aufsichtsräte sollen mit der Suche nach einem Nachfolger begonnen haben. Sie seien der Meinung, dass ein Wechsel an der Konzernspitze "der richtige Weg für einen Neuanfang bei Siemens" sei. Deutsche-Bank-Chef und Siemens-Aufsichtsrat Josef Ackermann treibe die Ablösung voran.

Als Favorit für die Nachfolge Kleinfelds wird Linde-Chef Wolfgang Reitzle gehandelt, obwohl dieser einen Wechsel offiziell abgelehnt hat. Er sei der Favorit Crommes und Ackermanns, heißt es in mehreren Medienberichten. Ebenfalls genannt wird der frühere VW-Markenchef Wolfgang Bernhard.

Die IG-Metall-Mitglieder im Siemens-Aufsichtsrat zeigten sich enttäuscht. "Wir bedauern sehr, dass Herr Kleinfeld dem Unternehmen nicht mehr als Vorstandsvorsitzender zur Verfügung stehen wird", teilten sie mit. Es sei in Zukunft unverzichtbar, dass der gegenwärtige Prozess der Aufklärung der Korruptionsvorwürfe, den Kleinfeld intensiv unterstützt hat, mit der bisherigen Intensität weitergeführt werde.

Auch Aktionärsvertreter bedauerten den Rückzug Kleinfelds. "Die Börse hätte Herrn Kleinfeld gern behalten", sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dem "Tagesspiegel" (Donnerstagausgabe). Hockers DSW-Kollegin Daniela Bergdolt warnte in der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe) vor einem Vorstandsvorsitzenden von außerhalb. "Ein neuer Vorstandschef, der von außen kommt, wäre nicht gut für Siemens", sagte sie. Der Neue bräuchte eine Einarbeitungszeit von sechs bis neun Monaten. Das bedeute einen langen Stillstand und wären nicht gut für den Aktienkurs.


 
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