Siemens-Chef in der Kritik: Kleinfeld macht auch Mist
VON THOMAS WELS - zuletzt aktualisiert: 02.10.2006 - 17:55Düsseldorf (RP). Das hatte sich Klaus Kleinfeld so wohl nicht vorgestellt. Der 48-Jährige Manager, der bei seiner Bestellung zum Siemens-Chef von der Wirtschaftspresse noch mit Attributen wie „Wunderknabe“ bedacht wurde, ist mit der Rasanz eines Hochgeschwindigkeitszuges zum Buh-Manager der Nation avanciert. Ausgerechnet Kleinfeld, der studierte Wirtschaftspädagoge, Betriebswirt und Fachmann für Image-Fragen, erlebt derzeit einen Ansehens-Gau, der seinesgleichen sucht.
Die Geschichte einer angekündigten Pleite der früheren Handy-Sparte von Siemens, die sechs Monate nach Kleinfelds Krönung an den taiwanesischen Konzern BenQ mit einer Dreingabe von mehreren 100 Millionen Euro verschenkt wurde, ist nun Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker. Und die werden immer zahlreicher. Was wohl auch seiner als ruppig, zuweilen aufbrausenden und selbstherrlichen Art zuzuschreiben ist.
Im Unternehmen, das einst wie kein anders als Aushängeschild für den Konsens-Kapitalismus der Deutschland AG galt, ist es arg eisig geworden, wie Mitarbeiter berichten. Kleinfeld, der Aufsteiger aus einer Bremer Arbeiter-Familie mit dem bubenhaften Gesicht, ist jedenfalls noch nicht in der Kantine gesehen worden, während sich sein Vorgänger Heinrich von Pierer dafür nicht zu Schade war. Und die Idee, die Zielerfüllung von Managern mit einem grünen, gelben und roten Licht kenntlich zu machen, wird als Management by Pranger empfunden.
Überhaupt scheint der Marathon-Läufer, der im vergangenen Jahr knapp 3,3 Millionen Euro verdiente, nicht gerade ein Fan von Gentleman-Benehmen zu sein. So wird vom einem Treffen mit Top-Managern in Berlin berichtet, wo es zu einer offenen Aussprache mit 600 Führungskräften kommen sollte und das in einem Eklat endete. Kleinfeld soll einen kritischen Frager derart in den Senkel gestellt haben, dass der Saal in peinliches Schweigen verfiel. Der Mann, so wird berichtet, hatte etwas zu Massenentlassungen hören wollen.
Kleinfeld ist für Überraschungen gut. Kurz vor Amtsantritt hat der damals 47-Jährige bei einem Abendessen das Handy eines Journalisten im Wasserglas versenkt. Das Gerät stammte vom Konkurrenten Nokia. Als Ausgleich bekam der Mann zwei Siemens-Handys.
Schwerer als solche Geschichten wiegen allerdings die Berichte vom Umgang Kleinfelds mit seinen Aufsichtsräten, die zunehmend an die Öffentlichkeit dringen. So wechselt der Chef offenbar arg schnell seine Positionen.
Bei einer Aufsichratssitzung über die Planzahlen 2006 soll es entgegen aller Gepflogenheiten und guten Sitten keine Tischvorlage gegeben haben, sondern lediglich eine Power-Point-Präsentation. Die Kontrolle seiner Arbeit scheint nicht Kleinfelds Sache zu sein.
All das führt nun zu Spekulationen darüber, dass Kleinfeld um seine Vertragsverlängerung über den September 2007 hinaus bangen muss. Auch die Berichte über eine zunehmende Entfremdung zwischen dem Aufsichtratschef Heinrich von Pierer und seinem Nachfolger dürften nicht zur Beruhigung der Lage beitragen.
So schnell kann’s gehen: Zwischen dem „Wunderknaben“ und dem „Ruinator“, wie die „Bild am Sonntag“ Kleinfeld gestern titulierte, liegt zuweilen nur ein Wimpernschlag.
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