Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder: Klimawandel bei der Telekom
VON SILKE FREDRICH FÜHRTE DAS GESPRÄCH - zuletzt aktualisiert: 27.10.2007 - 10:56Düsseldorf (RP). Die Deutsche Telekom hat seit ihrer Privatisierung bereits 18 Umstrukturierungen hinter sich. Lothar Schröder, Verdi-Bundesvorstand und stellvertretender Aufsichtsratschef bei der Telekom, spricht im Interview mit unserer Redaktion sogar vom Klimawandel.
Seitdem René Obermann Konzernlenker der Telekom ist, hat die Gewerkschaft nichts zu lachen. Hat Verdi an Macht im Unternehmen eingebüßt?
Schröder Verdi hatte auch vor Obermann nichts zu lachen. Der Kurs ist rigoroser geworden. Die Telekom geht mit bisher nicht gekannter Härte gegen ihr Personal vor. Die Motivation vieler Mitarbeiter ist auf dem Tiefstpunkt, einige empfinden ihren Job mittlerweile sogar als Bedrohung. Wir haben nicht an Einfluss eingebüßt, aber unsere Arbeit ist schwieriger geworden, weil soziale Verantwortung weniger zählt.
Also ist Verdi mit Obermann als Chef unzufrieden?
Schröder Die Fronten sind verhärtet. Im Unternehmen hat sich ein Klimawandel vollzogen, es geht viel rauer zu. Vor allem sind Mitarbeiter unzufrieden mit ihrem neuen Chef und verbittert darüber, dass Beendigungskündigungen bei T-Systems vorbereitet werden und der Stellenabbau in großem Umfang weitergehen soll.
Offenbar stehen 35.000 Jobs auf der Kippe. Was will Verdi konkret dagegen unternehmen?
Schröder Wir werden jede einzelne Maßnahme prüfen und tarifpolitisch einschreiten. Dort, wo es geht, wollen wir auch die Politik zur Unterstützung gewinnen. Der Bund darf nicht zusehen, was bei der Telekom geschieht. Wir wollen auch das Standortkonzept im Auge behalten, denn die Telekom will sich insbesondere in der Fläche zurückziehen und verlagert Standorte und damit Arbeitsplätze so weit weg, dass Kollegen sie nicht mehr annehmen können. So beschleunigt sie auch das so genannte freiwillige Ausscheiden.
Es ist still geworden um die vollzogene Auslagerung der 50000 Beschäftigten in die Servicegesellschaften T-Service.
Schröder Von der angekündigten Serviceoffensive ist wenig zu sehen. Ich befürchte sogar, die Abstimmung zwischen drei Gesellschaften ist viel komplizierter geworden.
Was muss Obermann also in seinem zweiten Dienstjahr angehen?
Schröder Stabilität schaffen und sich um ein besseres Verhältnis zu den Mitarbeitern bemühen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
