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Pilotenstreiks
Die Fehler der Lufthansa

Kommentar zu den Pilotenstreiks: Die Fehler der Lufthansa
Die Pilotenstreiks bei der Lufthansa finden vorerst kein Ende. FOTO: rtr, KP/AA/joh
Meinung | Düsseldorf. Hunderttausende Passagiere sitzen in diesen Tagen wieder auf deutschen Flughäfen fest, weil die Lufthansa Hunderte Flüge streichen muss. Ein Trauerspiel ohne absehbares Ende. Von Birgit Marschall

Es ist nunmehr der 15. Streik seit April 2014, mit dem sich die Lufthansa-Piloten komfortable Ruhestandsbedingungen und höhere Vergütungen erstreiten wollen. Wenn ein solch lang andauernder Tarifkonflikt bis heute nicht gelöst werden konnte, stellt sich nicht nur die Schuldfrage. Es stellt sich auch die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung. Verantwortlich kann man weder das Verhalten der Piloten noch das der Lufthansa nennen. Dieser Dauerstreik kostet nicht nur das Unternehmen täglich viele Millionen Euro. Er schadet auch der deutschen Wirtschaft insgesamt.

Geschäftspartner kommen nicht zu vereinbarten Terminen, Verträge werden nicht geschlossen, der deutsche Flugverkehr erleidet einen Imageverlust. Die volkswirtschaftlichen Kosten dieses Konflikts sind enorm, die Leidtragenden die Passagiere.

Der Gewerkschaft Cockpit kann man maßlose Forderungen vorwerfen. Eine Lohnerhöhung von insgesamt über 22 Prozent, Vorruhestandslösungen schon für 55-Jährige, so etwas gibt es für andere Arbeitnehmergruppen nicht. In Wahrheit dürften die Lufthansa-Piloten zudem für ihre Kollegen bei der Tochter Eurowings streiken, bei der deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen gelten und die gegen den Willen der Piloten umstrukturiert werden soll.

Doch auch der Konzern trägt Verantwortung für dieses Desaster. Mehr Kompromissbereitschaft hätte eine frühere Lösung erleichtert. Vor allem aber hat es der Konzern versäumt, in Friedenszeiten eine Schlichtungsvereinbarung abzuschließen, wie sie in fast allen anderen Branchen üblich ist. Eine Schlichtung bei der Lufthansa ist deshalb heute unmöglich. Von staatlicher Seite ist kaum Hilfe zu erwarten.

Der Gesetzgeber hat mit seinem mittlerweile in Kraft getretenen Tarifeinheitsgesetz zwar versucht, den zu großen gesamtgesellschaftlichen Einfluss kleinerer Spartengewerkschaften einzudämmen. Es war aber von Anfang an klar, dass dieses Gesetz der Pilotengewerkschaft Cockpit nichts anhaben kann, weil sie in ihrer Sparte nun mal die größte Gewerkschaft ist. Die Lufthansa muss mit ihr endlich klar kommen.

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