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Staatsanwaltschaft eingeschaltet: Korruptionsverdacht bei Rewe

zuletzt aktualisiert: 27.09.2006 - 16:56

Düsseldorf (rpo). Nach internen Untersuchungen hat der Handelskonzern Rewe die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Dabei geht es um frühere Geschäftsvorfälle, wie das Unternehmen mitteilte, ohne Details zu nennen.

Bei "internen Prüfungen" sei die neue Rewe-Führung auf "Vorfälle aus den vergangenen Jahren gestoßen", erklärte der seit Anfang des Monats amtierende Vorstandschef Alain Caparros am Mittwoch in Köln. "Bei diesen Vorfällen könnte es sich um Unregelmäßigkeiten gehandelt haben." Auf einstimmigen Beschluss von Vorstand und Aufsichtsrat habe der Konzern die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, die nun prüfe, ob sie Ermittlungen aufnehmen werde. Namen nannte Caparros nicht.

Ins Blickfeld der Ermittler ist auch der frühere Vorstandschef Hans Reischl geraten. Das bestätigte am Mittwoch der Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft, Günther Feld. Er betonte aber zugleich, dass die Staatsanwaltschaft bisher noch kein Ermittlungsverfahren eingeleitet habe. Die Behörde prüfe, ob es strafrechtlich relevante Tatbestände gebe, sagte der Sprecher. Um welche Vorwürfe es gehen könne, sei noch offen.

Nach einem Bericht des Hamburger Magazins "Stern" sollen führende Rewe-Mitarbeiter über 20 Jahre hinweg einen italienischen Großlieferanten von Obst und Gemüse aus Verona bevorzugt haben. Das habe eine seit dem Jahr 2005 laufende interne Prüfung ergeben. Rewe habe Preise bis zu 30 Prozent über Marktwert gezahlt und Mängel bei Lieferungen nicht beanstandet. In dem Bericht an die Staatsanwaltschaft heiße es, Rewe gehe von der Annahme aus, "dass das wettbewerbswidrige und das Vermögen der Rewe schädigende Verhalten erkauft worden ist".

Caparros wollte mit Hinweis auf die laufenden Vorermittlungen keine weiteren Einzelheiten nennen. Er betonte aber: "Wir wollen, dass die Sache lückenlos aufgeklärt wird." Es sei wichtig, dass "die 'Neue Rewe Group' dieses Thema aktiv angefasst hat".

Reischl war im Jahr 2004 nach 27 Jahren an der Spitze der Rewe im Streit aus dem Handelskonzern ausgeschieden. Er hatte wenige Monate vor Beginn seines regulären Ruhestands bereits ein Aufsichtsratsmandat beim Konkurrenten KarstadtQuelle antreten wollen, was zum Zerwürfnis mit dem bisherigen Arbeitgeber führte.

Vorgänger wegen schwerer Untreue verurteilt

Im "Kölner Stadt-Anzeiger" wies Reischl alle Vorwürfe als absurd zurück. Er habe nie Geld von dem italienischen Lieferanten erhalten - "weder direkt noch indirekt". Dies erkläre er auch eidesstattlich. Wenn die Preise bei dem fraglichen Lieferanten höher gewesen wären als bei anderen Händlern, wäre dies mit Sicherheit aufgefallen. "Ich habe auch nie Einfluss auf den Einkauf genommen", sagte Reischl. In den Verdächtigungen sieht er eine Schmutzkampagne: Dies sei ein Versuch, das frühere Management in ein schlechtes Licht zu rücken.

Auf Reischl folgte bei Rewe Dieter Berninghaus, der aber bereits nach knapp sechs Monaten zurücktrat. Zuvor war bekannt geworden, dass Berninghaus das Unternehmen beim überteuerten Kauf einer Internetfirma um Millionen betrogen hatte. Berninghaus wurde Anfang März vom Kölner Landgericht wegen schwerer Untreue zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Er hatte vor Gericht gestanden, unrechtmäßige Provisionen in einer Gesamthöhe von 6,5 Millionen Euro kassiert zu haben.

Doch auch Berninghaus' Nachfolger Achim Egner, der nach einem Interregnum eines Dreigestirns aus den Vorstandsmitgliedern Gerd Bruse, Josef Sanktjohanser und Hans Schmitz im April 2005 die Leitung des Konzerns übernommen hatte, hielt nicht lange aus. Er räumte seinen Sitz nach nur eineinhalb Jahren, offenbar im Zwist um das von ihm vorgelegte Reformtempo.

Quelle: ap

 
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