Über dem Durchschnitt: Krankenstand in Deutschland:
Warum sind Beamte öfter krank?
VON CHRISTIAN SIEBEN UND JAN BECKERS - zuletzt aktualisiert: 06.06.2006 - 11:47
Die Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit (BA) sind fast doppelt so oft krank wie Angestellte anderer Branchen. Die Zahl von 6,6 Prozent Krankenständen bei der BA überrascht angesichts historischer Tiefststände von rund 3,5 Prozent. Eine Analyse zeigt jedoch, dass die Fehlzeiten im Öffentlichen Dienst schon seit Jahren deutlich höher als woanders sind. Und das hat ganz bestimmte Gründe.
Der Krankenstand in deutschen Unternehmen ist auf einem historischen Tiefstand. In sämtlichen Brachen feierten die Arbeitnehmer weniger krank, als noch im letzten Jahr. Mit durchschnittlich 3,5 Prozent erreicht der Krankenstand in der deutschen Wirtschaft einen neuen Niedrigststand.
Allerdings gibt es große Unterschiede in den verschiedenen Branchen. Am höchsten ist nach wie vor der Krankenstand im Öffentlichen Dienst (siehe Aufstellung). Dieser liegt deutlich höher als beispielsweise bei Bankangestellten oder Freiberuflern. Frank Meiners von der Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) erklärt einige Gründe.
Eine wichtige Ursache für den hohen Krankenstand ist demnach die überdurchschnittlich hohe Anzahl von beschäftigten Schwerbehinderten. Diese Personengruppe fehlt häufiger bedingt durch chronische Krankheiten und treibt damit den Durchschnitt bei Ämter und Behörden in die Höhe.
Arbeit flexibel einteilen
Der Experte macht noch eine andere Beobachtung: Freiberufler oder Selbstständige können sich ihre Arbeitszeiten flexibel einteilen. Bei Krankheit oder privaten Problemen können sie Arbeit leichter verschieben, statt sich krankschreiben zu lassen. Zudem müssen sich Freiberufler eigenständig versichern. Auch bei Krankmeldungen mit Anspruch auf Lohnfortzahlung muss der Freiberufler selbst aktiv werden.
Bei Beamten oder gar Schichtarbeitern ist es um die Flexibilität der Arbeitszeiten schlecht bestellt. Dadurch sinkt erwiesenermaßen Motivation und Arbeitszufriedenheit. Die Folge: häufigere Fehlzeiten. Generell scheint zu gelten: Mehr Autonomie im Job = weniger Krankmeldungen.
Eine weiteren Zusammenhang sieht Meiners in der Schwere der Arbeit. Bei harter körperlicher Arbeit oder psychisch aufreibenden Tätigkeiten steigt der Krankenstand mit zunehmenden Berufsjahren. Dies gilt beispielsweiser für Lehrer an Problemschulen, die bereits im mittleren Alter oft längere Fehlzeiten aufweisen.
Auch das Krankheitsbild hat sich mit den Jahren deutlich verändern. Mit 21 Prozent sind Erkrankungen des Muskel-Skelett-System Spitzenreiter. Hier zu zählen beispielsweise Rückenschmerzen oder starke Verspannungen. Auf Platz zwei folgen Erkrankungen der Atemwege (18 Prozent) sowie akute Verletzungen. Mit Platz 10 Prozent nehmen seelische Erkrankungen wie Depressionen oder das so genannte Burnout-Syndrom ein.
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