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Auch Lufthansa betroffen: Kreditkarten-Rückruf weitet sich aus

VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 16.11.2009 - 15:40

Düsseldorf (RPO). Der Verdacht auf Missbrauch von Kreditkarten in Europa weitet sich aus. So tauscht nach Karstadt-Quelle und Barclays jetzt auch die Lufthansa Tausende ihrer Miles-and-More-Karten mit Kreditkartenfunktion vorsorglich aus, wie eine Sprecherin der Kooperationsbank DKB gegenüber unserer Redaktion bestätigte.

Viele Kreditkarten-Nutzer werden in diesen Tagen von ihren Banken angeschrieben. Sie erhalten zum Teil Kreditkarten mit neuer Nummer. Hintergrund ist der aktuelle Missbrauchsfall in Europa. Worauf Karten-Nutzer jetzt achten müssen:

Wer ist betroffen?

Die Kreditkarteninstitute halten sich bedeckt. Bundesweit ziehen derzeit zahlreiche Banken und Sparkassen Tausende Kreditkarten aus dem Verkehr. Die Kreditkartenherausgeber Visa- und Mastercard informierten ihre Vertragsbanken in einem Schreiben über Unregelmäßigkeiten bei einem Zahlungsdienstleister in Spanien. "Noch sind die sind die Informationen nicht bestätigt, aber wir glauben nicht, dass sich das Problem auf Visa-Karten beschränkt", heißt es in einer offiziellen Mitteilung von Visa. Bei Mastercard war am Montag niemand zu erreichen.

Im jüngsten Fall ist der Kooperationspartner von Lufthansa die DKB Bank. Eine Sprecherin des Instituts sagte, dass bereits vor zwei Wochen Karten vorsorglich auswechselt wurden. Ende Oktober hatte die Karstadt-Quelle-Bank bereits die Karten von 15.000 Kunden ausgetauscht. Unbefugte sollen an Kreditkartennummern der Karstadt-Mastercard gekommen sein, wie Karstadt-Quelle damals sagte. Nun werden Tausende Miles-and-More-Karten der Lufthansa umgetauscht, die eine Bazhlfunktion besaßen. Betroffen seien Karten, bei denen ein Zahlungs-Dienstleister in Spanien involviert war, erklärte eine DKB-Sprecherin gegenüber unserer Redaktion. Von anderen Banken wurden nach Informationen unserer Redaktion aber auch Kreditkarten zurückgerufen, mit denen keine Zahlungsgeschäfte in Spanien ausgeführt wurden.

Auch der Kreditkartenanbieter Barclaycard sperrte tausenden Kunden die Visa- und Mastercard. Die Karten seien vorsorglich blockiert worden, weil das interne Warnsystem Alarm geschlagen habe, sagte eine Barclaycard-Sprecherin der "Leipziger Volkszeitung" laut Vorabbericht. Wie viele der von dem Institut in Deutschland ausgegebenen 1,4 Millionen Karten gesperrt wurden, konnte sie nicht sagen, versicherte aber, es sei nur ein kleiner Teil der Kunden betroffen.

Warum ziehen andere Banken die Karten nicht zurück?

Die Banken reagieren unterschiedlich auf die Warnungen von Visa und Mastercard. Nach Informationen unserer Redaktion haben beispielsweise Deutsche Bank und Volks- und Raiffeisenbanken Visa-Karten zurückgezogen, die Comdirect-Bank beispielsweise nicht. "Wir unterziehen die Visa-Karten einer fortlaufenden und dauerhaften automatisierten Überwachung", erklärte dazu Comdirect-Bank Sprecher Tim Seifert gegenüber unserer Redaktion. Bisher seien keine auffälligen Transaktionen festgestellt worden. Die verschiedenen Institute reagieren also unterschiedlich auf die Warnung.

Wer zahlt für den Umtausch und bei Betrug?

Die Herausgeber der Kreditkarten übernehmen die Kosten für den Austausch. Bei einem Kreditkartenbetrug haftet normalerweise das Kreditkarteninstitut. Bei EC-Karten-Verlust würden viele Opfer allerdings häufig auf den Kosten sitzen bleiben, erklärt Dr. Annabel Ölmann von der Verbraucherzentrale NRW. Hier haftet das Institut nicht, wenn der Kunde dem Anschein nach fahrlässig gehandelt hat, also zum Beispiel die Pin-Nummer mit der EC-Karte zusammen getragen hat. Der Anschein gilt, sobald eine EC-Karte gestohlen und kurz darauf Geld abgehoben wird. In diesem Fall geht die Bank davon aus, dass der Kunde fahrlässig gehandelt hat. "Wir versuchen hier eine Umkehr der Beweislast über eine Sammelklage zu erreichen", erklärte Dr. Ölmann.

Die Betrügereien mit EC- und Kreditkarten werden für die Finanzinstitute zur schweren finanziellen Last. Die "Financial Times Deutschland" (FTD) zitiert die EU-Agentur für Informationssicherheit (Enisa) mit der Aussage, alleine 2008 seien die Betrugsfälle im Zusammenhang mit Geldautomaten um 149 Prozent gestiegen. Insgesamt habe es rund 12.300 gemeldete Delikte gegeben, die einen Gesamtschaden von rund 485 Mio Euro verursacht hätten.

Wie gehen die Betrüger vor?

Möglichkeiten an Kreditkarteninformationen zu gelangen, gibt es im Prinzip viele: Im Falle der Karten von Visa und Mastercard habe es Hinweise gegeben, dass es bei einem sogenannten Prozessor in Spanien Unregelmäßigkeiten gegeben habe, heißt es laut "FTD" in einer Mitteilung an die Banken. Ein Prozessor kümmert sich als Dienstleister um die Abwicklung von Zahlungsvorgängen.

Weitere mögliche Angriffspunkte sind Online-Shops, wo Angreifer entweder die übermittelten Daten abhören oder schlecht gesicherte Server knacken können. Besonders in Mode sind Phishing-Attacken, bei denen die Betrüger den Opfern vorgaukeln, es handle sich beispielsweise um die Website der Bank. Wird eine Phishing-Attacke nachgewiesen, haftet auch das Kreditinstitut. "Für solche Fälle haben die Banken Versicherungen" erklärt Dr. Ölmann.

Wie kann man sich schützen?

Beim Online-Einkauf und Online-Banking sollte bei der Übertragung sensibler Information auf eine sichere SSL-Verbindung mit gültigem Zertifikat geachtet werden. Die verschlüsselte Verbindung erkennt man dadurch, dass die Webadresse mit "https://" statt "http://" beginnt. Sollte eine SSL-gesicherte Verbindung über kein verifiziertes Zertifikat verfügen, warnen moderne Web-Browser den Benutzer.

Bei EC-Karten gehen die Betrüger häufig so vor, dass beispielsweise beim Eingang von Bankinstituten die Karte abscannen. Dr. Ölmann rät Kunden, zwei EC-Karten zu benutzen, falls sie zwei Exemplare besitzen sollte: Eine zum Einlass in die Bank und eine zum Geld abheben. Die Kreditkartenabrechnung sollte regelmäßig überprüft und ungewöhnliche Aktivitäten umgehend beim Kreditinstitut gemeldet werden. Bei einem Diebstahl von EC- oder Kreditkarten sollte die Karte unverzüglich gesperrt werden. Rund um die Uhr sind die kostenpflichtige zentrale Sperrnummer 01805-021021 oder die gebührenfreie Nummer 116116 zu erreichen. Diese hilft aber bisher aber nur bei EC-Karten, noch nicht bei Kreditkarten. Für alle Schäden, die ab dem Zeitpunkt der Sperrung entstehen, haftet der Kunde keinesfalls.

Mit Material von AP und DDP

Quelle: sdr

 
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