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Nick Reilly Opel Panorama ddp 2009
  Foto: ddp, ddp
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General Motors schließt Werk in Antwerpen: "Kriegserklärung" an die Opelaner

zuletzt aktualisiert: 22.01.2010 - 09:54

Frankfurt/Main (RPO). General Motors schließt das Werk in Antwerpen. Die Entscheidung stößt auf massive Kritik. Ein Gewerkschaftsmitglied im Opel-Aufsichtsrat spricht von einer Kriegserklärung, der Betriebsrat von einer Kampfansage. Der lange befürchtete Bruch zwischen Opelanern und der neuen Konzernführung ist da. Die Belegschaft in Bochum mus weiterhin um ihre Jobs bangen.

Der neue Opel-Chef Nick Reilly startet die Radikalkur für den angeschlagenen Autobauer mit der Schließung des Werkes im belgischen Antwerpen. "Es gibt keine Alternative, wir haben alles geprüft", begründete der Brite am Donnerstag das Aus für 2600 Beschäftigte etwa im Sommer diesen Jahres.

Das Aus für die Belgier in Antwerpen bedeutet für die Opelaner in Bochum zumindest vorläufig den Joberhalt. Doch von Erleichterung keine Spur. Vielmehr erklären sich Gewerkschafter und Arbeiter solidarisch. Zwischen Unternehmensführung und Belegschaft ist mit ser Entscheidung ein tiefer Graben gezogen. Schon vom ersten Tag an hatten die Opelaner dem neuen Chef Reilly misstraut, gilt der Brite doch als knallharter Sanierer. Die Skeptiker scheinen Recht zu behalten. Jetzt dröhnt dem Manager das Echo in den Ohren.

Für die Opel-Betriebsräte in ganz Europa ist die Schließung des Werkes "eine Kampfansage", wie Rainer Einenkel am Donnerstag unserer Redaktion sagte. Die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich mit einem Lohnverzicht in Höhe von 265 Millionen Euro an der Opel-Sanierung zu beteiligen, sei jetzt "selbstverständlich vom Tisch", sagte Einenkel. Der europäische Betriebsrat werde sich am kommenden Dienstag in Antwerpen zu einem Krisengipfel treffen.

Der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsratsmitglied Armin Schild bezeichnete die Entscheidung von General Motors, das Antwerpener Werk zu schließen, als "Kriegserklärung gegenüber allen europäischen Arbeitnehmern bei Opel". Das GM Management setze auf Kahlschlag und Standortkonkurrenz, erklärte Schild und fügte hinzu: "Das ist die konsequente Fortsetzung von 15 Jahren GM-Desaster und 15 Monaten Geisterfahrt. Nun begibt sich GM offenbar auf den nächsten Horrortrip."

Es habe ein Konzept gegeben, "das ohne Standortschließungen auskam und zu dem GM gesagt hat, das können wir besser. Nun legt man uns ein Konzept vor, das weder finanziert ist, noch eine Chance auf Arbeitnehmerbeiträge hat", betonter er. Die IG Metall habe seit Monaten erklärt, sie sei bereit, Arbeitnehmerbeiträge in die Restrukturierung des Unternehmens einzubringen, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt würden: die Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen und der Verzicht auf Werkschließungen.

Die Rettung von Opel ist nach seinen Worten nur mit und nicht gegen die Arbeitnehmer möglich. In einem Brief an Opel-Chef Nick Reilly hatten die zuständigen Bezirksleiter für die deutschen Opel-Standorte in Rüsselsheim, Kaiserslautern, Eisenach und Bochum erklärt: "Wir wenden uns gegen jede Schließung bestehender Werke, vor allem auch gegen die Schließung des Werkes in Antwerpen. Eine Einigung über die geforderten Einsparungen ist unter diesen Voraussetzungen nicht möglich."

Nachdem die amerikansiche Opel-Mutter General Motors beschlossen hatte, Opel nun doch nicht verkaufen sondern selbst sanieren zu wollen, hatte Reilly die Streichung von rund 8300 der europaweit 48 000 Stellen angekündigt. Mit Antwerpen wird nun das erste Werk in Europa geschlossen, seit GM in die Krise gerutscht ist. Dort wird der Opel Astra gebaut.

Für das Werk in Bochum bedeutet die GM-Entscheidung keine Bestandsgarantie. Dort bauen 5300 Opelaner neben der Kombi-Version des auslaufenden Astra den Opel Zafira. Zwar hat Bochum auch den Zuschlag für den Bau des Zafira-Nachfolgemodells bekommen. Aber die Erfahrung lehrt, dass Werke mit Aufträgen für nur ein Modell langfristig kaum Chancen haben. Antwerpen ist ein Beispiel dafür. Mit der Schließung von Antwerpen wird Bochum nun zwar voraussichtlich die Produktion von 14 000 zusätzlichen Astras aus Belgien übernehmen dürfen. Aber: Das reicht vermutlich nicht.

Einenkel: "Gemessen an der Jahresproduktion von zuletzt 140 000 Autos können die 14 000 zusätzlichen Astras aus Belgien allein uns nicht dauerhaft sichern." Ursprünglich hatte GM dem Antwerpener Werk die Produktion eines neuen Geländewagens zugesichert, dessen Produktion nun aber nach Korea verlagert werden soll. IG-Metall-Bezirkschef und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild befürchtet, dass längerfristig auch andere Werke geschlossen und weitere Produktionen verlagert werden.

Quelle: apd/RP

 
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