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Automobil-Industrie: "Krise dauert bis 2010"

VON ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 16.11.2008 - 22:26

Düsseldorf (RP). Absatzrückgänge, Produktionsstopps, Kurzarbeit: Die Automobilbranche muss Experten zufolge um bis zu 100.000 Jobs bangen. Doch wer jetzt nicht rationalisiert, wird die Krise nicht überstehen. 

"Wenn Daimler hustet, hat die gesamte Automobilbranche Grippe” ­ so bewerteten Experten vor drei Wochen die Ankündigung des Premiumherstellers, er werde seine Mitarbeiter in diesem Jahr für fünf Wochen in die Weihnachtspause schicken. Wie die Daimler-Meldung war auch der Hilferuf Opels vom Freitag ein Schock, Bund und Länder sollen den Autobauer mit einer Bürgschaft vor dem Aus retten. Dieses Mal bedurfte es jedoch keiner Experteneinschätzung mehr um zu erkennen: Die Existenzängste der Rüsselsheimer, die um die Zahlungen ihrer defizitären US-Mutter General Motors bangen, sind Symptom für eine Krise der gesamten Automobilindustrie.

Die allgemeine Konsumflaute und steigende Kosten für Autobesitzer ­ verursacht durch steigende Kraftstoffpreise, Mehrwertsteuererhöhung und die Diskussion um die Pendlerpauschale lassen die Autoabsätze immer mehr einbrechen. Im Oktober sackten die Zahlen nach Angaben des Herstellerverbandes ACEA europaweit um 14,5 Prozent auf 1,134 Millionen Fahrzeuge ab. Der weltgrößte Autobauer Toyota will seine Verkaufspläne für das kommende Jahr erneut um mindestens sieben Prozent auf weniger als neun Millionen Fahrzeuge senken.

Der Dominoeffekt sinkender Nachfrage hat längst eingesetzt. Daimler will 2009 laut "Automobilwoche" rund 150.000 Fahrzeuge der Marke Mercedes weniger bauen als geplant. Für die S-Klasse stehe ein Minder-Volumen von 18.000, für die E-Klasse von 34.000 und für die C-Klasse von 8.200 Einheiten im Raum. BMW baut schon dieses Jahr 65.000 Autos weniger als vorgesehen.

Die Münchner schicken ihre Mitarbeiter in diesem Jahr an manchen Standorten für fünf Wochen in die Weihnachtsferien, Volkswagen plant ebenfalls längere Pausen. Aber um die Produktionsrückgänge abzufangen, reichen längere Ferien längst nicht mehr aus.

In Leipzig stellt BMW ab dem 24. November vom Zwei- auf Einschicht-Betrieb um. Auch Kurzarbeit könne man auf Dauer nicht ausschließen, sagte ein Sprecher. Bei Daimler trifft man schon Vorbereitungen zur Verkürzung der Arbeitszeit von 35 auf 30 Stunden, wie der Betriebsrat am Freitag mitteilte. Wer Kurzarbeit noch in diesem Jahr beantragt, kann die Arbeit für zwölf Monate zurückfahren, ab 2009 sind sogar 18 Monate möglich.

100.000 Jobs könnte die Automobilindustrie bis Ende 2009 einbüßen, wenn nicht gegengesteuert wird, so Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Willi Diez, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Geislingen, rechnet damit, dass bis Mitte nächsten Jahres bis zu 250.000 Jobs wegfallen werden, noch einmal so viele bei den Zulieferern. Bei Mercedes-Benz gebe es bereits einen konkreten Überhang von 5.800 Mitarbeitern.

Laut "Wirtschaftswoche" plant Daimler-Chef Dieter Zetsche nun eine Neuauflage des Sparprogramms Core, mit dem Daimler von 2005 bis 2007 Kosten in Höhe von 7,1 Milliarden Euro eingespart hat, unter anderem auf Kosten von 100.000 Arbeitsplätzen. "Core 2" soll noch vor Weihnachten beschlossen werden. Rationalisierung und Spezialisierung ­Experten zufolge der einzige Weg aus dem Dilemma.

"Erst gegen Ende 2010 werden wir die Märkte wieder in den Griff bekommen", sagte Dudenhöffer. "Dann haben die Hersteller die Nase vorn, die sich mit neuen Modellen und fortschrittlicher Spritspartechnologie präsentieren. Sie dürfen jetzt in der Krise nicht sparen, sondern müssen in die technische Fortentwicklung ihrer Flotte investieren."

Aber genau das ist in Krisenzeiten das Problem, wie neben Daimler-Chef Zetsche auch VW-Vorstandschef Martin Winterkorn beklagt hat. Die Banken verhielten sich den Konzernen gegenüber wie verunsicherte Sparer, prangern die Konzern-Chefs im "Spiegel" an. Zetsche: "Das Geld wird bei der EZB unters Kopfkissen gelegt, anstatt es am Markt zu investieren.


 
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