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Tumulte bei Hauptversammlung: Krisenbank Hypo Real Estate wird verstaatlicht

VON CHRISTIAN MERTEN - zuletzt aktualisiert: 02.06.2009 - 16:50

Düsseldorf (RPO). Die Hauptversammlung der Hypo Real Estate hat dem Bund freie Hand zur Verstaatlichung der Bank gegeben. Die Aktionärsversammlung erlaubte dem Bankenrettungsfonds Soffin am Dienstagabend mit 73,95 Prozent der anwesenden Stimmen, seinen Anteil an der Pfandbriefbank durch den Kauf neuer Aktien für bis zu 5,64 Milliarden Euro von 47 auf weit über 90 Prozent zu erhöhen.

Zuvor hatten Tumulte zwischen Wut und Zynismus die Hauptversammlung der Hypo Real Estate (HRE) unterbrochen. Viele "Noch-Aktionäre" des in dramatische Schieflage geratenen Immobilienfinanzierers wollen sich nicht aus dem Kreis der Anteilseigner quetschen lassen.

Das war aber der Plan vom Bund: Die außerordentliche Hauptversammlung sollte die Voraussetzungen schaffen, dass der Bund über den Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin seinen derzeitigen Anteil von 47,3 Prozent auf über 90 Prozent der HRE-Aktien steigern kann. Anschließend will der Bund per sogenanntem Squeeze-out die noch verbliebenen Aktionäre aus dem Unternehmen herausquetschen.

Der Ärger der versammelten Aktionäre war unüberhörbar, doch Auswirkungen auf den Ausgang der Hauptversammlung wird er nicht haben: Nicht ganz 75 Prozent der Aktienkapitals waren im Münchner Messezentrum zusammengekommen, um über die angestrebte Kapitalerhöhung abzustimmen. Damit verfügt der Soffin schon allein über die erforderliche Mehrheit. Ernstzunehmende Zweifel, dass sich der Bund mit seinen Plänen durchsetzen kann, gab es also nicht. Auch nicht bei den Kleinaktionären.

Doch ihrer Wut über die Entwicklung ihrer Aktie machten sie trotzdem Luft. Von Erpressung und Enteignung war nicht nur in Zwischenrufe die Rede. Aufsichtsratsvorsitzender Michael Endres musste sich von einem aufgebrachten Aktionär die Beschimpfung „Lackaffe“ gefallen lassen. Massive Kritik übten sie am Ausschluss von Radio und Fernsehen. Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller Privatanleger prangerte den damit verbundenen teilweise Ausschluss der Öffentlichkeit an. Hier solle im Hinterzimmer eine Bank verstaatlicht werden, und der, der das finanzieren soll, werde ausgeschlossen.

Vor der lebhaften Aussprache hatte Axel Wieandt, seit Oktober 2008 und damit nach Auftreten der massiven Finanzierungsprobleme der HRE Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, für den Beschluss zur Kapitalerhöhung und dem Ausschluss der bisherigen Aktionäre vom sonst üblichen Aktienbezugsrecht zuzustimmen. Schonungslos legte der 42-Jährige in seiner Eröffnungsrede die dramatische Schieflage des Konzerns offen.

Ohne die 100-prozentige Übernahme der HRE durch den Bund sei das Unternehmen nicht weiterzuführen. Die gute Bewertung des Bundes als Kreditnehmer ermögliche es der HRE, ihr Geschäft günstiger zu refinanzieren. Um zusätzlich die Existenz des Unternehmens zu sichern, werde sich die Hypo Real Estate zukünftig auf die Finanzierung von Immobilien und Staaten konzentrieren. Von Finanzmarktspekulationen und der Finanzierung von Infrastrukturprojekten will sich die HRE zurückziehen.

Weit mehr als 50 Redeanträge, eine Vielzahl von Geschäftsordnungsanträgen bis hin zur Abwahl von Aufsichtsratschef Michael Endres als Versammlungsleiter ließen einen späten Abschluss der außerordentlichen Hauptversammlung erwarten.

Quelle: RP

 
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