Entscheidung bei der Bundesbank: Kritik an Entmachtung von Sarrazin
zuletzt aktualisiert: 14.10.2009 - 06:39Berlin (RPO). Nach seinen umstrittenen Äußerungen über türkische und arabische Zuwanderer bleibt Thilo Sarrazin bei der Bundesbank, muss aber wichtige Aufgaben abgeben. Politiker von CDU und SPD sowie der "Zentralrat der Ex-Muslime" haben die Entmachtung kritisiert.
Der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Otto Bernhardt, sagte der "Bild"-Zeitung: "Die Entmachtung ist nicht transparent und nicht nachvollziehbar, weil man ihm Bereiche weggenommen hat, die nichts mit seinen Aussagen zu tun haben." Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Peter Danckert kritisierte die Entscheidung der Bundesbank. Danckert sagte der Zeitung: "Über seine Äußerungen lässt sich sicherlich diskutieren. Aber eine Entmachtung, wie sie jetzt die Bundesbank vorgenommen hat, ist nicht die richtige Sanktion."
Auch der "Zentralrat der Ex-Muslime" hat die Maßregelung des Bundesbank-Vorstands Sarrazin kritisiert. "Das ist das falsche Signal und hilft der Integration keineswegs", sagte die Zentralrats-Vorsitzende Mina Ahadi der "Leipziger Volkszeitung". Viele Zuwanderer, die vor Repressalien und Unfreiheit ihrer Heimatländer nach Deutschland geflohen seien, erlebten nun, "wie jede noch so kleine Kritik an Problemen mit Minderheiten zum Tabuthema wird".
Sarrazin hatte in einem Interview türkische und arabische Migranten angegriffen und einem Großteil von ihnen Versorgungsmentalität, Nutzlosigkeit für die Gesellschaft und mangelnde Integrationsbereitschaft vorgeworfen. Wörtlich sagte er unter anderem: "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue, kleine Kopftuchmädchen produziert." Am Dienstag reagierte der Bundesbank-Vorstand darauf mit einer Teilentmachtung Sarrazins.
Der 64-Jährige wird künftig nicht mehr für den Bargeld-Umlauf zuständig sein. Sarrazin bleibt damit nur noch das Risiko-Controlling und das relativ unwichtige Ressort Informationstechnologie. Sarrazin war erst im Frühjahr in den Vorstand gewechselt.
Auch ihr habe der Tonfall Sarrazins nicht gefallen, räumte die Ex-Muslima Ahadi ein. Sie verstehe die Kritik aber auch als Weckruf an die Migranten, in ihren Reihen die Probleme mit Gewalt, Nationalismus oder Frauen-Unterdrückung klar zu benennen und Missstände selbst zu bekämpfen.
Der Schriftsteller Ralph Giordano verteidigte erneut größtenteils die Äußerungen des früheren SPD-Finanzsenators. "Sarrazin beschreibt die Wirklichkeit so wie sie ist, und nicht wie seit vielen Jahren von der politischen Korrektheit dargestellt", sagte Giordano am Dienstag dem Radiosender "MDR Info". Zugleich kritisierte er, Sarrazin hätte einige seiner Äußerungen "besser unterlassen". Zudem hätte er herausstellen sollen, dass es auch integrationswillige Zuwanderer gebe.
Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, forderte bereits am Montagabend die Entfernung Sarrazins aus dem Bundesbankvorstand. Die Bemerkungen Sarrazins über bestimmte Einwanderergruppen seien "rassistisch", sagte Mazyek in der "N24"-Sendung "Was erlauben Strunz". Er warf Sarrazin vor, das Bild Deutschlands im Ausland beschädigt zu haben. "Solch eine Aussage darf nicht fallen von einer solchen Persönlichkeit, die an der Spitze der Deutschen Bundesbank steht."
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