Rekordergebnis im letzten Quartal: Kult und Profit – was Apple so erfolgreich macht
VON TIM NOCKEN - zuletzt aktualisiert: 20.10.2009 - 11:37San Francisco (RPO). Apple kann seinen Höhenflug fortsetzen: Der US-Computerkonzern steigerte abermals sein Ergebnis und spricht selbst vom rentabelsten Quartal seiner Geschichte. Vor allem dem anhaltenden Ansturm auf das iPhone hat der Konzern seinen Erfolg zu verdanken, aber auch die Mac-Rechner verkaufen sich bestens.
Die Wirtschaftskrise zieht an Apple offenbar spurlos vorüber. Der US-Computerkonzern steigerte seine Gewinne zwischen Juli und September um mehr als 46 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Überschuss lag im abgelaufenen Quartal bei 1,67 Milliarden Dollar (umgerechnet 1,12 Milliarden Euro), wie das Unternehmen am Montagabend nach US-Börsenschluss mitteilte.
Apple erwirtschaftete damit einen Überschuss von 1,82 Dollar je Aktie und übertraf damit die Erwartungen der Analysten deutlich. Die Apple-Aktie schoss nachbörslich um rund sieben Prozent nach oben auf über 200 Dollar. Auch die gesamten US-Aktienfutures legten zu.
Was ist das Erfolgsrezept?
Was ist Apples Erfolgsrezept in Zeiten der Krise? Der Höhenflug des Unternehmens ist vor allem einem Gerät zu verdanken – und das nennt sich iPhone. Trotz der Krise verkaufte Apple so viele seiner Lifestyle-Handys wie nie zuvor: 7,4 Millionen Exemplare – sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Insbesondere die Einführung des Modells 3GS sorgte für einen weiteren Schub. Auch wenn bei dem Musikplayer iPod im vergangenen Quartal der Absatz um acht Prozent auf 10,2 Millionen verkaufte Exemplare fiel, ist der kultige MP3-Player doch der Ursprung allen Erfolges.
Am Anfang stand der iPod
Gerade mal acht Jahre ist es her, dass Apple-Chef Steve Jobs bei einer Pressekonferenz im Silicon Valley der Öffentlichkeit den ersten iPod präsentierte. Locker zückte er den neuen Konkurrenten des Walkman aus der Hosentasche. Heute dominiert das Kultobjekt den Markt für mobile Abspielgeräte mit einem Anteil von weit über 70 Prozent.
Der iPod revolutionierte zudem den gesamten Musikmarkt. Über den sogenannten iTunes-Store können sich die Nutzer mit den neuesten Titeln eindecken – inzwischen ist auch das Downloaden von Spielfilmen oder TV-Sendungen problemlos möglich. Der klassische Verkauf von CDs im Einzelhandel ist daraufhin dramatisch eingebrochen. Inzwischen steht Apple in den USA für rund 25 Prozent aller Musikverkäufe, über iTunes hat er zudem den Onlinemarkt fest im Griff. Hier liegt der Anteil bei nahezu 70 Prozent.
Nächster Coup war das iPhone
Der nächste Coup gelang Apple schließlich mit dem iPhone. Telefon, MP3- und Film-Player sowie E-Mail-Verwaltung werden hier vereint. Damit aber nicht genug: Mit dem iPhone (und iPod Touch) erobert Apple ganz nebenbei den Markt für Spielkonsolen. So können Spiele und sogenannte Applications bei iTunes im App-Store gekauft und heruntergeladen werden. Experten schätzen den Umsatz dieser Verkaufsplattform für 2009 bereits auf 200 Millionen Dollar. Schon kommendes Jahr dürften es bereits 300 Millionen Dollar sein.
Kommt der Tablet-Computer in 2010?
Und dann wären da noch die Mac-Rechner: Auch von ihnen setzte Apple im letzten Quartal so viele Exemplare wie nie zuvor. Mehr als drei Millionen Exemplare gingen über den Ladentisch – eine Steigerung von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und der Erfolg soll auch 2010 anhalten. Apple-Chef Steve Jobs versprach am Montagabend bedeutende neue Produkte für das kommende Jahr, ohne Details zu nennen. Laut Medienberichten arbeitet der Konzern an einem Tablet-Computer mit berührungsempfindlichen Bildschirm, der auch E-Book-Readern von Amazon oder Sony Konkurrenz machen könnte.
Apple ist für seine eher konservativen Prognosen bekannt – dennoch sind die Erwartungen für das laufende Quartal imposant. Mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft erwartet der Konzern einen Umsatz zwischen 11,3 und 11,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie soll 1,70 bis 1,78 Dollar betragen.
Alles steht und fällt mit Steve Jobs
Jenseits aller Zahlen zählt bei Apple vor allem aber die Leitfigur Steve Jobs. Kein anderer verkörpert die individuelle Markenphilosophie von Apple so sehr wie der Konzerngründer selbst. Mit Jobs steht und fällt die Präsentation neuer Produkte. Selbst der Kurs der Apple-Aktie orientiert sich an seinem Gesundheitszustand. Ein kleines Gerücht über Jobs' leibliches Wohlbefinden kann sie zum Absturz bringen. So feierten die Apple-Fans die Rückkehr des 54-Jährigen im September nach einer Lebertransplantation mit Ovationen. Und auch die Analysten sehen nicht zuletzt wegen des Comebacks des Technik-Gurus optimistischer in die Zukunft von Apple.
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