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  Foto: AP, AP
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Commerzbank reagiert auf 2010-Fehler: Kunden erhalten gebührenfreie Kreditkarten

zuletzt aktualisiert: 08.01.2010 - 21:08

Frankfurt/Main (RPO). Die Commerzbank gibt an Kunden mit fehlerhaften EC-Karten ersatzweise Kreditkarten aus. Damit soll die Zahlungsfähigkeit und Bargeldversorgung auch im Ausland gewährleistet werden. Andere Geldhäuser und der Einzelhandel geben unterdessen Entwarnung bei der Kartenpanne.

Wie die Bank am Freitagabend in Frankfurt am Main mitteilte, erhalten Kunden, deren EC-Karten mit dem fehlerhaften Sicherheitschip ausgestattet sind und die noch nicht im Besitz einer Kreditkarte sind, zeitnah eine kostenlose Kreditkarte inklusive PIN für die Bargeldabhebung. Die Bank übernehme die Gebühren für die zweijährige Laufzeit der Kreditkarte. Zudem würden anfallende Kosten übernommen, soweit diese die Gebühren von EC-Karten-Transaktionen im Ausland übersteigen.

Nur wenige Kunden betroffen

Nach Angaben der Bank ist nur ein geringer Teil ihrer Kunden von dem sogenannten Jahr-2010-Fehler betroffen, da dieser nur bei EC-Karten mit einem Sicherheitschip einer einzelnen Produktionsserie in Verbindung mit bestimmten Geldautomaten aufgetreten sei. Die betroffenen Kunden könnten inzwischen an allen Geldautomaten im Inland wieder problemlos Bargeld abheben. Gebühren, die den betroffenen Kunden aufgrund der technischen Probleme zusätzlich entstanden sind, würden erstattet.

Einzelhandel gibt Entwarnung 

Andere Banken und der Einzelhandel geben unterdessen Entwarnung bei der Kartenpanne: Seit Freitag können Kunden wieder fast überall in Deutschland unbesorgt mit ihren Giro- und Kreditkarten bezahlen, wie der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) mitteilte. Händlerterminals könnten nun auch Karten mit fehlerhafter Software lesen. Einzelne Ausnahmen seien nur noch dort möglich, wo in Absprache mit Händlern die Lesegeräte erst am Wochenende umgestellt werden sollten. Derweil versuchen offenbar Betrüger, aus dem Problem Kapital zu schlagen.

Die "Rhein-Zeitung" berichtete, dass beispielsweise im Rhein-Main-Gebiet und im Westerwald Karteninhaber mit Verweis auf die technischen Probleme aufgefordert worden seien, Daten und Geheimzahl anzugeben. ZKA-Sprecherin Michaela Roth sagte der Nachrichtenagentur DAPD, dass solche Daten niemals von den Instituten erfragt würden. Sollte ein Ersatz der Karten notwendig sein, werde dies dem Kunden schriftlich mitgeteilt.

Abhebungen an Geldautomaten funktionieren nach ZKA-Angaben bereits seit Montag wieder flächendeckend. Wie viele Geräte im Ausland die betroffenen Karten noch nicht lesen können, konnte Roth nicht beziffern. Besonders betroffen seien EU-Staaten, darunter viele Winterreiseländer. Je weiter man sich von Europa entferne, desto eher funktioniere auch die Bankkarte. In den USA seien Probleme ausgeschlossen.

Banken wollen Kunden Gebühren erstatten

Wer wegen einer defekten Karte Geld bei anderen Banken abheben oder alternative Zahlungsmittel beschaffen musste, soll die Gebühren ersetzt bekommen. Dies kündigten die wichtigsten Bankenverbände entweder an oder empfahlen es ihren Mitgliedsinstituten.

Weiter unklar ist indes, ob der Verursacher des Kartenfehlers für Schäden aufkommen muss. Der niederländisch-französische Chip-Hersteller Gemalto mit Sitz in Amsterdam hatte eine fehlerhafte Software auf rund 30 Millionen Bankkarten gespielt. Dies führte dazu, dass die sogenannten EMV-Chips das Jahr 2010 nicht richtig verarbeiten können. Aus Unternehmenskreisen war zu hören, dass die Höhe des finanziellen Schadens noch völlig unbekannt sei. Gemalto habe zwar die Verantwortung für die Panne übernommen. Ob dies auch Regressforderungen einschließe, sei aber noch nicht klar.

ZKA: Schadenersatz nicht in der Öffentlichkeit diskutieren

Auch ZKA-Sprecherin Roth wollte sich nicht über mögliche Schadenersatzforderungen der Bankenbranche an den Plastikarten-Hersteller äußern: "Das diskutieren wir nicht in der Öffentlichkeit."

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) kündigte an, die Gebühren für Abhebungen bei fremden Banken oder Überweisungen per Western Union zu übernehmen, sofern diese in Zusammenhang mit der Panne stehen. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) erklärte auf DAPD-Anfrage, es sei eine Selbstverständlichkeit, dass die angeschlossenen Banken für mögliche Gebühren aufkämen. Eine Sprecherin des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) schloss sich dem an: Die Privatbanken seien an Kulanzregelungen interessiert.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen begrüßte die Ankündigung der Banken. Bankenexperte Manfred Westphal sagte der Nachrichtenagentur DAPD, die Institute sollten sich in dieser Frage kulant zeigen.

Die Banken zeigten sich unterdessen unterschiedlich optimistisch, den Kartenfehler mit einem Software-Update in den Griff zu bekommen. Während der Sparkassenverband bereits am Donnerstag angekündigt hatte, die Pannen-Chips mit einem neuen Programm ausstatten zu wollen, legten sich der BVR und der BdB noch nicht auf diese Reparaturmöglichkeit fest. Sie halten also noch immer ein Austausch der fehlerhaften Karten für möglich.

Quelle: DDP/tim

 
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