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60.000 Beschäftigte betroffen: Kurzarbeit bei VW

zuletzt aktualisiert: 23.02.2009 - 13:28

Wolfsburg (RPO). Bei Volkswagen hat am Montag für fünf Tage Kurzarbeit begonnen. 60.000 der ingsesamt 92.000 Mitarbeiter sind betroffen. Ausgenommen sind Forschung und Entwicklung sowie Teile der Komponentenwerke, wie Volkswagen schon im Januar mitgeteilt hatte.

Eine VW-Tochter will die Touran-Produktion einschränken.  Foto: ddp, ddp
Eine VW-Tochter will die Touran-Produktion einschränken. Foto: ddp, ddp

Allein im Hauptwerk Wolfsburg werden wegen der gestoppten Bänder nach Schätzungen 15.000 Autos weniger produziert. Über weitere Kurzarbeit gebe es keine Beschlüsse, sagte ein Sprecher.

Die Überstundenkonten sind nach Angaben des Betriebsrates weitestgehend abgebaut. Die betroffenen VW-Arbeiter müssten aber keine Nachteile hinnehmen, weil VW das Kurzarbeitergeld weitgehend aufstocke. Grund für die Kurzarbeit ist ein drastischer Einbruch der Nachfrage. VW rechnet für 2009 mit einem Minus beim Absatz von 10 bis 12 Prozent.

Bis zu 8.000 Anträge auf Kurzarbeit erwartet

Mit der Kurzarbeit reiht sich Volkswagen in eine lange Reihe von Industrieunternehmen ein, die wegen der Konjunkturflaute die Produktion drosseln. Die Bundesanstalt für Arbeit geht nach einem Bericht für das erste Quartal 2009 von rund 700.000 bis 800.000 Erstanträgen auf Kurzarbeitergeld aus. Allein im Januar seien etwa 290.000 Anträge gestellt worden.

Zurzeit befinden sich beispielweise 50.000 Mercedes-Beschäftigte in Deutschland in Kurzarbeit. Audi dehnt die Kurzarbeit für 25.000 Mitarbeiter um eine Woche aus. BMW hat 27.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Zulieferer Continental hatte bereits im Januar 7.000 der 47.000 deutschen Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und kündigte eine Ausweitung an. Der angeschlagene Zulieferer Schaeffler meldete für 20.000 Mitarbeiter den Lohnersatz an. Siemens rechnet bis April mit 7.400 Mitarbeitern in Kurzarbeit. Bei der Lufthansa-Frachttochter gilt ab nächster Woche Kurzarbeit für rund 2.600 Mitarbeiter.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz hatte am Donnerstag eine Verlängerung der Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld von 18 Monaten auf zwei Jahre in Aussicht gestellt. Die Union lehnt das ab.

Wegen der Wirtschaftskrise sind nach Medienberichten in mehreren Branchen die Anträge auf Kurzarbeit in die Höhe geschnellt. Die Bundesregierung will mit zusätzlichen Leistungen für Kurzarbeit dazu beitragen, Entlassungen zu verhindern, so wurde Ende vergangenen Jahres die Höchstzahldauer beim Kurzarbeitergeld von zwölf auf 18 Monate verlängert. Wirtschaftsexperten rechnen ab Sommer dennoch mit einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Nach Überzeugung von Wirtschaftsexperten wird die Zunahme bei der Kurzarbeit den Anstieg der Arbeitslosigkeit allenfalls dämpfen. Der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen: "Jetzt setzen viele Firmen noch auf Kurzarbeit. Wir rechnen aber ab Sommer mit einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit." Derzeit wolle jedes dritte Industrieunternehmen Stellen abbauen. Auch die Kurzarbeit werde für viele Firmen dauerhaft zu teuer.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, erwartet den Abbau von etwa 600 000 Stellen. Die durchschnittliche Arbeitslosenzahl werde damit von 3,3 auf 3,5 Millionen steigen. Ein Ende des Jobbabbaus sei zunächst nicht in Sicht: 2010 könnte die durchschnittliche Arbeitslosenzahl nach Einschätzung Walters auf 4,2 Millionen steigen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) glaubt auch deshalb an eine spürbare Zunahme der Erwerbslosigkeit, weil die Firmen befristete Verträge nicht weiter verlängern. IW-Direktor Michael Hüther fordert deshalb, künftig befristete Arbeitsverträge über die derzeit geltende Dauer von zwei Jahren hinaus zu ermöglichen. In der Metall- und Elektroindustrie wird nach Einschätzung von Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser jedes zweite Unternehmen Stellen abbauen: "Im vierten Quartal haben unsere Firmen 25 Prozent weniger Aufträge als im Vorjahreszeitraum bekommen – das ist ein regelrechter Absturz."

Optimistischer äußerte sich hingegen der CDU-Europapolitiker Elmar Brok, der im Mai 2010 eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt erwartet. Und um die Weihnachtszeit werde es trotz des Winters mit der Konjunktur wieder aufwärtsgehen.

Quelle: AP

 
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